IHK Cottbus
Studie: Kameraeinsatz als Instrument der Ladendiebstahlprävention
Der deutsche Einzelhandel fühlt sich bei der Bekämpfung des Ladendiebstahls von Politik und Sicherheitsbehörden weitgehend allein gelassen. Das ist ein zentrales Ergebnis der jetzt veröffentlichten Studie „Kameraeinsatz im Einzelhandel – Chancen und Grenzen der Ladendiebstahlprävention“ – erstellt von ibi research an der Universität Regensburg GmbH (ibi research an der Universität Regensburg | ibi research) mit Unterstützung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).
Ladendiebstahl ist derzeit eine der größten Herausforderungen für den deutschen Einzelhandel. Beispielsweise wurden 2024 mit über 400.000 Fällen mehr als jeder zweite Händler Opfer einer solchen Straftat. Gleichzeitig berichten viele Betroffene von zunehmender Professionalität und Gewaltbereitschaft der Täter.
In der Folge wächst die Bedeutung von Schutzmaßnahmen. Die Ergebnisse der Befragungen zeigen: Viele Handelsunternehmen sehen im Kameraeinsatz und in KI-gestützten Analysen ein großes Potenzial für den eigenen Schutz oder zumindest für die Aufklärung von Diebstählen. Aber sie treffen bei deren Nutzung vor allem auf rechtliche Hürden. Damit Überwachung per Video erfolgreich sein kann, wünschen sich die Händler vor allem klare rechtliche Rahmenbedingungen.
„Der Kameraeinsatz ist für viele Handelsunternehmen heute kein optionales Instrument mehr, sondern ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Sicherheitskonzepts. Unsere Studie zeigt aber auch, dass Händler klare und praxisnahe rechtliche Orientierung benötigen, um moderne Technologien verantwortungsvoll und rechtssicher einsetzen zu können“, sagt Dr. Georg Wittmann, Geschäftsführer von ibi research.
Als zentrale Hürde erlebt der Handel insbesondere die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Hier wünscht sich die Branche einheitlichere und praxistauglichere Regelungen. So ist beispielsweise eine Speicherdauer der Aufzeichnungen von 72 Stunden aus Sicht vieler
Händlerinnen und Händler nicht ausreichend, da Diebstähle häufig erst im Nachgang auffallen.
DIHK-Bereichsleiter Dirk Binding: „Unsere Unternehmen sagen es seit Jahren klar: Ladendiebstahl ist – unabhängig von Größe oder Standort – eine massive Belastung für den Einzelhandel. Und wenn sie sich selbst schützen wollen, stehen ihnen bürokratische Hürden im Weg. Gleichzeitig kritisieren Händler die mangelnde Strafverfolgung – die Täter faktisch straffrei agieren lässt. Viele Händler fühlen sich dabei von Politik und Behörden allein gelassen.“
Inhalte der Studie:
- Motivation, Methodik und studienrelevante Informationen
- Relevanz von Ladendiebstählen in Deutschland
- Rechtliche Grundlagen des Kameraeinsatzes im Handel
- Gestaltung des Kameraeinsatzes im Handel
- Lessons Learned aus Händlerinterviews
- Kameraeinsatz im Handel: Checkliste
- Forderungen des Handels an die Politik
Hintergrund:
Die Studie „Kameraeinsatz im Einzelhandel – Chancen und Grenzen der Ladendiebstahlprävention“ wurde von ibi research zwischen September 2025 und Januar 2026 durchgeführt. Die Studie basiert auf umfassender Literaturauswertung sowie Interviews mit Händlern, Juristen, Datenschutzexperten und Polizeivertretern. Ziel ist es, Händlern und Händlerinnen konkrete Handlungsempfehlungen zu geben und die Diskussion über Sicherheit, Datenschutz und moderne Technologien im Handel zu unterstützen.
Kameraeinsatz im Einzelhandel – Chancen und Grenzen der Ladendiebstahlprävention (35 Seiten; April 2026); Dr. Georg Wittmann, Dr. Natalie Schmiede und Max Röthlein; ISBN 978-3-949841-34-7
Die kompletten Ergebnisse können kostenlos heruntergeladen werden unter: www.ibi.de/kameraeinsatz