Brandenburgs Beste: ECOSOIL
Die wichtigste Säule der Brandenburger Wirtschaft sind die mittelständischen Unternehmen.
Einige von diesen Firmen überzeugen durch Innovation und Spezialisierungen. Sie bedienen Nischen und sind dabei sehr erfolgreich. Manchmal sind sie weltweit aktiv und zu Hause fast unbekannt. In unserer Serie stellen wir solche besonderen Brandenburger Unternehmen vor. Heute: ECOSOIL Ost GmbH in Senftenberg
Einige von diesen Firmen überzeugen durch Innovation und Spezialisierungen. Sie bedienen Nischen und sind dabei sehr erfolgreich. Manchmal sind sie weltweit aktiv und zu Hause fast unbekannt. In unserer Serie stellen wir solche besonderen Brandenburger Unternehmen vor. Heute: ECOSOIL Ost GmbH in Senftenberg
Die ECOSOIL Ost gestaltet den Wandel in der Bergbauregion von der Industrievergangenheit zur zukunftsfähigen Nutzung.
Flächensanierung und Renaturierung gehören zu den Aufgaben der insgesamt 160 Mitarbeiter. Ein eigener Bereich „Selektiver Rückbau – Bauen im Bestand“ mit etwa 20 Mitarbeitern ist auf das behutsame Abtragen oberer Etagen von Plattenbau-Wohnblocks spezialisiert. Die Firma wurde 1993 als einer der wenigen großen Bergbausanierer der Lausitz gegründet.
Nach Eigentümerwechseln führte sie ab 2005 den Namen ECOSOIL Ost GmbH und wurde Teil einer Holding.
Flächensanierung und Renaturierung gehören zu den Aufgaben der insgesamt 160 Mitarbeiter. Ein eigener Bereich „Selektiver Rückbau – Bauen im Bestand“ mit etwa 20 Mitarbeitern ist auf das behutsame Abtragen oberer Etagen von Plattenbau-Wohnblocks spezialisiert. Die Firma wurde 1993 als einer der wenigen großen Bergbausanierer der Lausitz gegründet.
Nach Eigentümerwechseln führte sie ab 2005 den Namen ECOSOIL Ost GmbH und wurde Teil einer Holding.
Geschäftsführer Axel Bretfeld erläutert die damaligen Aufgaben: „Anfang der 1990er-Jahre rückten die Abraumhalden und Kippen aus den Tagebauen ins Blickfeld. Sie wurden zu DDR-Zeiten aufgeschüttet, ohne sie zu sichern und zu verdichten. Deswegen kam es immer wieder zu Rutschungen. Flächen und Seenufer mussten gesperrt werden. Die Sicherung von Abraumhalden war eine Aufgabe von ECOSOIL Ost – und ist es bis heute. Dabei kommen verschiedene Sanierungstechnologien wie Rüttel- und Stopfverfahren zum Einsatz.“
Die Auftragslage schwankte von Jahr zu Jahr und war stets abhängig von öffentlichen Mitteln und Förderprogrammen des Bundes. Ein Wendepunkt war um das Jahr 2000 erreicht. Das Unternehmen suchte und fand neue Geschäftsfelder. Es gründete Tochterunternehmen für patentierte Walzenverdichtung (HEIC Landpac Deutschland) und für Leistungen bei Rekultivierungen mit Aufforstungen (SBE inno Lausitz). Außerdem erfolgte der Ausbau des Spezialtiefbaus mit umweltnahem Erd- und Tiefbau sowie Entwässerung.
Das vierte neue Geschäftsfeld war der selektive Rückbau von Plattenbauten – Bauen im Bestand.
Geschäftsführer Axel Bretfeld sagt: „ECOSOIL Ost ist damit ein kleiner Tausendfüßler geworden. Wir sind heute breit aufgestellt, die vier Bereiche mit unseren Töchtern stützen und ergänzen sich gegenseitig, so konnte ich 150 Mann die Jahre über im Futter halten.“
Der Geschäftsführer Axel Bretfeld ist studierter Diplomingenieur für Verkehrsbauwesen. 1987 machte er seinen Abschluss an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden. Seine Diplomarbeit führte ihn ins Braunkohlenrevier. Sein Thema war das Setzungsverhalten von Autobahnbrücken in einer Bergbaulandschaft.
Es war sein Erstkontakt mit der Lausitz. Bretfeld erinnert sich noch an die zentimeterdicke Staubschicht in Tagebaunähe, die alles bedeckte. Im Rückblick war es eine einmalige Chance für ihn, einen laufenden Tagebau zu studieren. Das Wissen um die Technologie half ihm Jahre später bei seiner Tätigkeit für die ECOSOIL Ost GmbH. Axel Bretfeld reiste 1988 aus der DDR aus, zog nach Westberlin und arbeitete als Ingenieur im Spezialtiefbau sowie bei verschiedenen Unternehmen der Umwelt- und Recyclingwirtschaft.
Es war sein Erstkontakt mit der Lausitz. Bretfeld erinnert sich noch an die zentimeterdicke Staubschicht in Tagebaunähe, die alles bedeckte. Im Rückblick war es eine einmalige Chance für ihn, einen laufenden Tagebau zu studieren. Das Wissen um die Technologie half ihm Jahre später bei seiner Tätigkeit für die ECOSOIL Ost GmbH. Axel Bretfeld reiste 1988 aus der DDR aus, zog nach Westberlin und arbeitete als Ingenieur im Spezialtiefbau sowie bei verschiedenen Unternehmen der Umwelt- und Recyclingwirtschaft.
„2013 wurde ein Nachfolger für den Geschäftsführer der ECOSOIL Ost gesucht. Ich sagte zu, aber erst einmal nur für drei Jahre. Ich lebte mit meiner Familie in Hohen Neuendorf nördlich von Berlin und eigentlich wollte ich wieder mehr zu Hause sein. Aber die Zeit ist schnell vergangen. Jetzt wohnen wir noch immer in Hohen Neuendorf und meine Leidenschaft zum Beruf hat auch der Ehe und dem Familienleben bisher nicht schaden können.“
Selektiver Platten-Rückbau
Selektiver Rückbau – Bauen im Bestand, so heißt ein Geschäftsbereich der ECOSOIL Ost GmbH, der auf den Teilrückbau von DDR-Plattenbautypen spezialisiert ist. Beim behutsamen Rückbau werden die Gebäude mit dem Kran Platte für Platte abgetragen. Nachhaltigkeitsziel ist es, die Platten nicht zu schreddern, sondern sie an anderer Stelle wieder einzubauen. Also Re-Use statt Recycling. Re-Use funktioniert technisch, das beweisen einzelne Referenzbeispiele. Aber es gibt noch viele Hürden zu überwinden, bis es eine wirtschaftliche Größe wird. Hochbauingenieur Dietmar Gottschling arbeitete viele Jahre für die ECOSOIL Ost und leitete ab 1999 den selektiven Rückbau. Seit 2022 ist er im Ruhestand, aber weiter als Berater für die Firma tätig.
Er erinnert sich: „Die Städte hatten Anfang der 1990er-Jahre die Leerstandsproblematik unterschätzt, dann reagierte das Land mit einer Abrissförderung für ganze Blocks. Wir aber entwickelten ein Konzept für den selektiven Rückbau.“
Dietmar Gottschling gewann für seine Kernmannschaft fünf ehemalige Baufachleute vom Wohnungsbaukombinat.
„Sie hatten Plattenbauten errichtet und wussten am besten, wie man sie wieder auseinanderbaut.“
Von der Kernmannschaft sind heute noch vier Mann im Unternehmen, sie haben ihr Knowhow an Jüngere weitergegeben. Aus dem kleinen Team ist ein eigenständiger Bereich der ECOSOIL Ost geworden. Bereichsleiter ist seit dem 1. August 2025 der junge Wirtschaftsingenieur Jonas Lindemann. Er leitet insgesamt 19 Mitarbeiter. Klassisches Tätigkeitsfeld sind die Mittel- und Kleinstädte in Ostdeutschland mit sinkenden Bevölkerungszahlen. Während anfangs alle Mieter vor der Abstockung ausziehen mussten, erfolgt sie heute überwiegend im bewohnten Zustand. Die Wohnungsmieter aus unteren Etagen müssen für drei oder vier Tage tagsüber das Haus verlassen. Ältere Bewohner können einen Aufenthaltsraum aufsuchen, ein „Kümmerer“ unterstützt sie dabei und gewährleistet so die Baufreiheit. Der Bautrupp sichert das Gebäude während des Umbaus mit einem Notdach aus Wellblech. Teile des alten Dachaufbaus werden auf der Baustelle zwischengelagert und wiederverwendet.
Baufachtagungen
Im Jahr 2000 lud ECOSOIL Ost erstmals Stadtplaner, Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften zu einer Baufachtagung ein.
Das Unternehmen bietet seitdem jährlich hochkarätige Fachvorträge, Erfahrungsberichte aus der Wohnungswirtschaft und eine Exkursion zu einem Referenzprojekt. Bis zu 70 Vertreter der Wohnungswirtschaft nehmen jedes Mal teil. Die ECOSOIL Ost ist nicht das einzige Unternehmen, das den teilweisen Rückbau von Bestandsgebäuden anbietet, aber sie hat einen erheblichen Erfahrungsvorsprung.
Das Senftenberger Unternehmen hat bis heute über 200 Wohnblocks abgestockt und war dabei mit über 50 Auftraggebern im Geschäft.
Die Fachtagungen sind für die ECOSOIL Ost eine Gelegenheit, ihre Leistungen einem Fachpublikum vorzustellen. Ebenso wichtig findet Axel Bretfeld den Gedankenaustausch mit Planern, Geschäftsführern und Vorständen aus der Wohnungswirtschaft, um Markttrends zu erkennen.
Das Unternehmen bietet seitdem jährlich hochkarätige Fachvorträge, Erfahrungsberichte aus der Wohnungswirtschaft und eine Exkursion zu einem Referenzprojekt. Bis zu 70 Vertreter der Wohnungswirtschaft nehmen jedes Mal teil. Die ECOSOIL Ost ist nicht das einzige Unternehmen, das den teilweisen Rückbau von Bestandsgebäuden anbietet, aber sie hat einen erheblichen Erfahrungsvorsprung.
Das Senftenberger Unternehmen hat bis heute über 200 Wohnblocks abgestockt und war dabei mit über 50 Auftraggebern im Geschäft.
Die Fachtagungen sind für die ECOSOIL Ost eine Gelegenheit, ihre Leistungen einem Fachpublikum vorzustellen. Ebenso wichtig findet Axel Bretfeld den Gedankenaustausch mit Planern, Geschäftsführern und Vorständen aus der Wohnungswirtschaft, um Markttrends zu erkennen.
Forscherin in Sachen Beton
Prof. Dr.-Ing. habil. Mettke ist Kämpferin für die Nutzung gebrauchter, noch intakter Betonplatten. Schon als Bauingenieurstudentin an der Hochschule in Cottbus war Beton ihr Thema. Als Wissenschaftlerin untersuchte sie die „Rekonstruktion von Industriebauten“. Zu DDR-Zeiten wurden die Versorgungsbauten für Tagebaue schon nach ein paar Jahren aufgegeben, aber wenig entfernt wurden solche Bauten wieder benötigt.
Angelika Mettke: „Wir haben uns gefragt, ob sich diese in Stahlbetonskelettbauweise errichteten Versorgungsbauten demontieren und intakte Betonfertigteile wiederverwenden lassen.“
Prof. Dr.-Ing. habil. Angelika Mettke und ECOSOIL-Geschäftsführer Axel Bretfeld setzen sich für die Wiederverwendung gebrauchter Betonplatten ein.
Die Wissenschaftlerin geht dieser Frage bis heute nach. Seit über 25 Jahren steht sie dazu im Kontakt mit den Verantwortlichen von ECOSOIL Ost, die Firma ist Partner für Forschungsprojekte ihrer Fachgruppe. Diese untersucht zusammen mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern an der BTU Cottbus-Senftenberg im EU-Projekt „ReCreate“, wie die Wiederverwendung von Platten praktisch funktioniert.
Die wissenschaftlichen Mitarbeiter haben für den SV Kolkwitz (Spree-Neiße) einen zweigeschossigen Anbau zum Teil aus gebrauchten
Betonfertigteilen aus dem Wohnungsbau konzipiert.
Die wissenschaftlichen Mitarbeiter haben für den SV Kolkwitz (Spree-Neiße) einen zweigeschossigen Anbau zum Teil aus gebrauchten
Betonfertigteilen aus dem Wohnungsbau konzipiert.
Prof. Dr.-Ing. habil. Mettke argumentiert: „Die Wiederverwendung senkt den CO2-Ausstoß um 95 bis 99 Prozent im Vergleich zur Neuherstellung. Beton hat eine Nutzungszeit von 100 bis 120 Jahren und mehr.“ Sie berichtet: „Wir haben versucht, Spannbetonplatten weit über die berechnete Bruchgrenze hinaus zu belasten. Siesind nicht durchgebrochen und zeichnen sich durch den ausgezeichneten Haftverbund zwischen Stahl und Beton aus.“
Hemmende Bürokratie
Die Wiederverwendung von Betonplatten ist technisch und technologisch kein Problem. Das Problem ist die Bürokratie in Deutschland.
In einem Fall sah die ILB die Zwischenlagerung gebrauchter Betonplatten auf dem Baugrundstück als vorfristigen Maßnahmebeginn an. Der private Bauherr bekam darum keinen zinsgünstigen Kredit. Angelika Mettke fuhr nach Potsdam, um den Fördermittelgeber zu überzeugen, dass die Platten kein Abfall, sondern ein Baustoff sind. Aber es führte kein Weg dahin, die geplante Baumaßnahme am Wasserwanderradweg in Casel (Spree-Neiße) durch einen zinsgünstigen Kredit zu unterstützen. Angelika Mettke ist die deutsche Vertretung in einem EU-weiten Forschungsprojekt mit dem Namen ReCreate, in dem Finnland, die Niederlande, Schweden und Kroatien mitarbeiten.
In einem Fall sah die ILB die Zwischenlagerung gebrauchter Betonplatten auf dem Baugrundstück als vorfristigen Maßnahmebeginn an. Der private Bauherr bekam darum keinen zinsgünstigen Kredit. Angelika Mettke fuhr nach Potsdam, um den Fördermittelgeber zu überzeugen, dass die Platten kein Abfall, sondern ein Baustoff sind. Aber es führte kein Weg dahin, die geplante Baumaßnahme am Wasserwanderradweg in Casel (Spree-Neiße) durch einen zinsgünstigen Kredit zu unterstützen. Angelika Mettke ist die deutsche Vertretung in einem EU-weiten Forschungsprojekt mit dem Namen ReCreate, in dem Finnland, die Niederlande, Schweden und Kroatien mitarbeiten.
Sie sagt: „In dieser Konstellation können wir die Transformation im Bausektor ganz anders beschleunigen, als das eine Frau Mettke an der BTU Cottbus allein könnte. In einem Cluster lässt sich bau- und umweltpolitisch mehr erreichen. Im Klima- und Ressourcenschutz gewinnt das Thema an Bedeutung, weil die im Beton gespeicherte ‚graue Energie‘ erhalten bleibt und Primärressourcen geschont werden.“
Es sind zahlreiche Hürden zu überwinden. Axel Bretfeld berichtet, dass ihm in Brandenburg wegen des fehlenden CE-Zeichens auf gebrauchten DDR-Platten Steine in den Weg gelegt werden, während die Behörde in Sachsen-Anhalt die Verwendung nach eingehender Prüfung erlaubt hat.
Der Geschäftsführer sagt: „Es sind dieselben Platten. Es ist auch Unsinn, dass es für jedes Bundesland eine andere Bauordnung gibt, das ist falsch verstandener Föderalismus.“
Bretfeld hofft, dass die Brandenburger Bauordnung im Zuge der Entbürokratisierung angepasst wird und die Wiederverwendung von Betonplatten hier eine Zukunft bekommt. Bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sollte dies eine Möglichkeit sein, zukünftig ressourcenschonend Wohnraum zu schaffen. Axel Bretfeld ist Mitglied im Außenwirtschaftsausschuss der IHK Cottbus. Das ehrenamtliche Engagement ist seine Art, politisch Einfluss auf den Strukturwandel in der Region zu nehmen und etwas für die Wirtschaft
zu bewegen.
zu bewegen.
Bauwirtschaft muss umdenken
Wenn die Politik mitzieht, dann wird auch die Bauwirtschaft umdenken. Prof. Mettke sagt: „Man muss das Bauen von hinten neu denken: Erst schauen, welche und wie viele gebrauchte Bauteile vorhanden sind, dann projektieren.“
Unter idealen Bedingungen, wenn die Platten direkt vom Spenderbauwerk zur Baustelle des Empfängergebäudes transportiert werden, könnte der Preis für den Rohbau um 10 bis etwa 30 Prozent sinken. Zum Glück sind die Forscherin und der Unternehmer Kämpfer. Angelika Mettke forscht seit 40 Jahren am Thema Beton. Axel Bretfeld arbeitet mit seinen Projekten nicht minder konsequent. Und als Fitnesssportler und Marathonläufer hat er Kraft und Ausdauer. Sport ist sein Ausgleich zur Arbeit im Büro: „Das Laufen ist meine Flasche Wein am Abend.“
Der Artikel von Bolko Bouché erschien im FORUM 1-2/2026