Nachfolge: Übergabe gelungen

Gasthaus-Übergabe: Der gut geplante Glücksfall

Romantiker würden dieses Fleckchen Erde direkt am Miersdorfer See mit der kleinen Insel als malerisch oder idyllisch beschreiben, Pragmatiker schlicht als schön. Stimmt alles. Die Lage des Leutloff’s am See in Zeuthen ist bestens, was nur noch durch frisches Frühlingsgrün zu steigern wäre. Abwarten…
Vor 33 Jahren kam Hartmut Leutloff zum ersten Mal hierher. Da war das Gebäude – in dem vorher viele verschiedene Nutzer Spuren gesetzt hatten – vom Zahn der Zeit mehr als nur angenagt. Doch der Brandenburger erkannte das Potenzial des Anwesens, das bestens geeignet für ein Restaurant mit Seeblick und eine Pension war. „Ein Volltreffer“, kommentiert Hartmut Leutloff diese Liebe auf den ersten Blick. Nun hat der Gastgeber seinen gut florierenden Betrieb erfolgreich übergeben – eine Story mit Happy End. Und eine Seltenheit, was die eigenen Erfahrungen mit geschlossenen gastronomischen Unternehmen und die Zahlen belegen: Zählte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband e. V. (DEHOGA) im Jahr 2016 deutschlandweit 72.481 Restaurants, waren es sieben Jahre später 65.919. Auch bei Hotels, Gasthöfen, Pensionen, Kneipen weisen die Zahlen einen starken Abwärtstrend auf. Als Hauptursachen nennt der Fachverband vor allem drei Gründe: Personalmangel, steigende Kosten und die nicht vorhandene Unternehmensnachfolge.

Wie haben es die Leutloffs geschafft, Restaurant und Pension zu übergeben?

Der Reihe nach: Hartmut Leutloff ist in der Region tief verwurzelt, wurde in den 1950er-Jahren in Wildau geboren, wuchs in Zeuthen auf und betrieb vor der Wende eine gut gehende Kfz-Werkstatt. Nach einem schweren Unfall kam das Aus für die körperlich herausfordernde Arbeit. Was tun? Die Gastronomie rutschte auf der Liste der Möglichkeiten schnell ganz nach oben.
„Entscheidungsfreude, Verantwortungsbewusstsein, Leidenschaft und Spaß an der Arbeit brachte ich mit“, bekennt Hartmut Leutloff, der im Wendejahr 1989 seinen ersten gastronomischen Betrieb, einen Landgasthof, eröffnete.
Seine Motivation toppte eine folgenreiche Begegnung: Er traf seine spätere Ehefrau Heideruth – von allen Heidi genannt –, die gelernte Restaurantfachfrau ist. Zudem hatte sich das Paar, das seit 27 Jahren verheiratet ist, in einem Dorfgasthof kennengelernt. Und was Hartmut Leutloff spontan noch einfällt: „Meine Frau hat einen gottgegebenen Gaumen.“
Der Dorfgasthof lief gut. Viel Livemusik, Grill- und Schlachtfeste, Themenabende machten ihn nicht nur zum sozialen Mittelpunkt des Dorfes, sondern brachten dem gastronomischen Quereinsteiger auch jede Menge Erfahrungen. Nach zwei Jahren kam das Aus durch den Vermieter der Immobilie.
Dem folgte die Begegnung mit dem Haus am Miersdorfer See. Doch bevor am 1. Juni 1995 Restaurant und Pension eröffneten, stand erst einmal eine XXL-Portion Arbeit an.
„Wir haben viel Geld und Kraft investiert: Küche und Gasträume neu, fünf Pensionszimmer, davon vier Doppelzimmer, ausbauen und einrichten.“
Gemeinsam entwickelte das Gastgeber-Paar Konzept und Philosophie des Familienunternehmens, das als Wirtshaus Zeuthen an den Start ging. Im Laufe der Jahre wurde der Name Leutloff über die Grenzen der Region hinaus zur Marke und aus dem Wirtshaus das „Leutloff’s am See“. Später gründete Hartmut Leutloff eine GmbH. Ehefrau Heidi wurde Geschäftsführerin. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit war sozusagen Familiensache.

Fünf Pfannen und ein Ort für Familiengeschichten.

Heute verfügt das Restaurant über 80 Plätze im Innenraum, 40 sind es auf der Terrasse. Ein Kiosk sorgt in der warmen Jahreszeit für zufriedene Gäste an der Badestelle am Seeufer. Viele der Gäste wurden im Laufe der Jahrzehnte zu Freunden, Feiern von der Taufe über Hochzeiten, runde Geburtstage bis hin zu Trauerrunden fanden hier statt.
"Wir waren nun mal kein Restaurant an einer Touristenmeile, sondern gehörten zum Ort wie Rathaus und Kirche. Bei uns fand jede Woche mindestens eine Familienfeier statt. Meist gab es eine Hochzeit im Monat, in Spitzenzeiten waren es auch mal fünf“, beschreibt Hartmut Leutloff die vielen Familiengeschichten, die im Leutloff’s am See über Generationen hinweg geschrieben wurden.
„Das alles hat nur so gut funktioniert, weil wir ein sehr gut und verlässlich arbeitendes Team hatten. Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren 20 Jahre und länger bei uns“, berichtet der Gastronom.
Die Küche des Hauses überzeugte die Gäste und noch lange, bevor regionale Küche zum Qualitätsmerkmal wurde, servierte das Leutloff am See eine anspruchsvolle frische deutsche Küche mit Brandenburger Produkten.
Die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) lobte „Gastronom Hartmut Leutloff – ein Pionier des guten Geschmacks“, die weltweit agierende Gemeinschaft der Kochkünste-Verehrer Chaîne des Rôtisseurs schrieb ins Gästebuch: „Ein kulinarisches Kleinod im Landkreis Dahme-Spreewald.“
Vor allem der „gottgegebene Gaumen“ von Heidi Leutloff, die auch selbst ab und an am Herd stand, sorgte dafür, dass die Latte des guten Geschmacks immer weiter nach oben gelegt wurde. Auch die Tester der bekannten Gastronomieführer für Restaurants mit Spitzenküche kamen, aßen, lobten: Der Gusto vergab für das Leutloff am See 5 Pfannen. Die gute Küche wurde gefeiert: Monatlich gab es ein Feinschmecker-Menü, hinzu kamen viele Veranstaltungen: Lesungen, Talkrunden, Kammermusik mit Gästen wie Schauspieler Axel Prahl, Politiker Matthias Platzeck und Peter-Michael Diestel oder Cellist Sonny Thet.
Manche dieser Events führten ins Allerheiligste des Leutloff’s am See: in den Weinkeller. Weinkenner und -liebhaber Hartmut Leutloff kreierte eine Weinkarte mit knapp 600 Positionen, darunter viele deutsche Spitzenweine, große Bordeaux und erstklassige Erzeugnisse aus den besten italienischen Lagen. Namhafte Winzer wie Franz Keller vom Kaiserstuhl waren hier zu Gast, plauderten über ihre Spitzenweine und schenkten sie aus – stets begleitet von einem Feinschmecker-Menü.
„Man muss ein bisschen positiv verrückt sein“, sinniert Hartmut Leutloff, „und lieben, was man tut.“ „Es war ein langer Weg, auf dem auch viele Steine weggeräumt werden mussten“, kommentiert der Unternehmer die Erfolgsstraße mit den prägenden Wegweisern Genuss, Kultur und Region. „Wir haben Zeuthen und die Gegend ringsum bereichert“, weiß Hartmut Leutloff.
Der Gastronom engagierte sich für die Umsetzung der Qualitäts- und Marketinginitiative Brandenburger Gastlichkeit des DEHOGA Brandenburg. Seit mehreren Jahren arbeitet er ehrenamtlich im Tourismusausschuss der IHK Cottbus mit.
„Solche Netzwerke sind wichtig für den Standort“, weiß der Gastronom, der seine Fähigkeiten hier auch bis zur nächsten Wahl einbringen wird.
Gastgeber sein, eine einladende Atmosphäre zu schaffen, den Gästen stets die Gewissheit zu vermitteln, dass sie herzlich willkommen sind … All das zeichnete das Gastgeberpaar Heidi und Hartmut Leutloff aus und all das haben sie in diesen 33 Jahren an den Berufsnachwuchs weitergegeben, denn das Leutloff’s am See war in der ganzen Zeit Ausbildungsbetrieb.

Time to Say Goodbye

Der erste ausgesprochene Gedanke, aus dem Berufsleben auszusteigen, kam von Heidi Leutloff vor über zwei Jahren. Längst spürte das Paar, wie die Zwölf-Stunden-Arbeitstage immer mehr Kraft kosteten, auch wenn es sich in den letzten Jahren den Luxus gönnte, die Öffnungszeiten von sieben Tagen pro Woche auf vier zu reduzieren. Die Kinder verneinten eine Weiterführung von Restaurant und Pension, hatten längst andere Berufswege eingeschlagen. Das Paar wusste: Wir müssen aktiv werden!
„In sämtlichen Branchen haben Unternehmerinnen und Unternehmer Schwierigkeiten, eine passende Nachfolge zu finden. Besonders hoch ist der Druck in der Hotellerie und der Gastronomie. In der IHK-Beratung befinden sich mehr als fünfmal so viele Hotel- und Gastronomie-Unternehmen, wie sich Nachfragende dafür finden würden“, ist auf der Homepage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zu lesen.
Das Regionalcenter Dahme-Spreewald der IHK Cottbus war der erste Ansprechpartner für den vielschichtigen und komplexen Prozess, dessen erster Schritt die kostenlose Veröffentlichung in der bundesweiten Unternehmensnachfolge-Börse Nexxt-Change für Nachfolgeinteressierte war. Gleichzeitig beauftragte das Gastgeber-Paar einen Makler. Es begann eine Zeit der Überlegungen, Gedanken, Versuche und – das gibt Hartmut Leutloff offen zu – des emotional bewegenden schrittweisen Abschieds, der zugleich einen handfesten ökonomischen Pfeiler hat, denn Restaurant und Pension waren in der Lebensplanung der Leutloffs die wichtigste Altersvorsorge.
„Wir investierten in all den Jahren immer viel in Restaurant und Personal. Unsere Mitarbeiter haben wir gut bezahlt und die Kredite getilgt. Rechnungen fristgemäß zu bezahlen, war für uns Ehrensache. Und wo kann man sparen, wenn das Geld knapp ist?“, fragt Hartmut Leutloff und beantwortet das gleich selbst: „An sich persönlich.“
Die Leutloffs staunten, wie viele sich für Restaurant und Pension interessierten – mehr als erwartet.
„Aber bei 80 Prozent der Interessenten konnten wir bereits nach einem kurzen Gespräch sagen, dass die wirtschaftlichen und persönlichen Voraussetzungen nicht gegeben waren. Von den verbliebenen 20 Prozent war erkennbar, dass bei der Hälfte die Finanzierung nicht möglich sein wird.“
Erfahrungsgemäß sind die Banken bei Krediten für die Hotellerie und Gastronomie eher zurückhaltend. Das bestätigte sich auch bei einem Interessenten, der Eigenkapital und Ideen mitbrachte, trotzdem platzte die Finanzierung nach einem halben Jahr Verhandlungen. Alles zurück auf Anfang …

Fachlicher Rat und tatkräftige Hilfe

„In dieser Zeit braucht man viel Geduld und Partner an seiner Seite, die weiterhelfen. Das war für uns über den gesamten Zeitraum die IHK. Insbesondere bei Cornelia Bewernick, Leiterin des Regionalcenters Dahme-Spreewald und zuständig für den Geschäftsbereich Standortpolitik und Regionalentwicklung, fanden wir nicht nur stets offene Ohren, sondern auch fachlichen Rat, was auch die steuerlichen und rechtlichen Aspekte einschloss. Im Ergebnis wussten wir immer, wie wir die Dinge vorantreiben können“, berichtet Hartmut Leutloff.
Zum Angebot der IHK gehört der Nachfolge-Check, den Rüdiger Denecke, Projektmanager Unternehmensnachfolge im IHK-Regionalcenter Dahme-Spreewald, bei den Leutloffs realisierte. Die strukturierte Checkliste gehört zu den Beratungsangeboten der IHK. Zudem waren für die Leutloffs wichtige Ansprechpartner der DEHOGA Brandenburg und die Wirtschaftsbank Brandenburg.
Das Nexxt-Change-Portal erwies sich für die Leutloffs als Glücksfall, denn Investor Danny Maschke, der aus der Region kommt, stieß bei der Recherche auf Restaurant und Pension, in die die Inhaber in all den Jahren stets zur Werterhaltung und -steigerung investiert hatten.
„Dann passte alles“, fasst Hartmut Leutloff zusammen. Gegenwärtig saniert Investor Danny Maschke die Pension, die Maler und Fliesenleger sind am Werk, neue Fußböden werden gelegt, anschließend folgt neues Inventar. Zu seinem Investment gehört das Restaurant, das seit dem 1. Oktober 2025 den Namen „Perla“ trägt.
Pächter ist Gianni Zak, den die Leutloffs seit vielen Jahren kennen. Der erfahrene Gastronom, der vorher das Restaurant Peperosa in Zeuthen betrieb, serviert hier eine gehobene italienische Küche. Alle rechtlichen Schritte sind abgeschlossen. Übernahme geglückt.
Welche Erfahrungen kann Hartmut Leutloff in Sachen Unternehmensübergabe weitergeben? „Rechtzeitig anfangen, erfahrene Partner von Anfang an einbinden, Geduld haben und bis zum letzten Tag für die Gäste da sein.“
Der Artikel von Gerald Dietz/Brandenburg Media erschien im FORUM 3|2026