Brandenburgs Wirtschaft fordert schnelle Parlaments-Zustimmung zu Mercosur-Interimsabkommen

Brandenburgs Industrie- und Handelskammern bewerten die Unterschrift der EU unter das Interimsabkommen - also dem herausgelösten Handelsteil des Gesamtabkommens - mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay als hoffnungsvollen und notwendigen Impuls für die regionale Wirtschaft und fordern nun die schnelle Zustimmung im EU-Parlament diese Woche.
Das Abkommen würde den Weg in einen gemeinsamen Markt mit über 700 Millionen Konsumenten öffnen. Zölle auf deutsche Ausfuhren – etwa Fahrzeuge, Maschinenbau und Chemikalien – könnten rasch abgebaut werden. So würden auch brandenburgische Firmen erheblich entlastet werden. Wichtig ist jetzt, dass die EU diese einzigartige Chance nutzt. Das Abkommen würde enorme Wachstumsimpulse bringen, Handelsbarrieren senken, den Zugang zu neuen Märkten stärken und wirtschaftliche Alternativen in unsicheren Zeiten schaffen.
„Für unsere exportgetriebenen Unternehmen in Brandenburg ist die EU-Unterschrift unter das Mercosur-Abkommen ein entscheidender politischer Schritt: Das Abkommen kann neue Absatzmärkte bringen, Arbeitsplätze sichern und unsere wirtschaftliche Widerstandskraft gegenüber globalen Unsicherheiten stärken“, sagt Ina Hänsel, Präsidentin der IHK Potsdam stellvertretend für die Landesarbeitsgemeinschaft der IHKs im Land Brandenburg.
Im Jahr 2024 lag das Brandenburger Handelsvolumen in die Mercosur-Länder bei fast 330 Millionen Euro. Das Abkommen dürfte sich jedoch nicht nur stimulierend auf den Handel auswirken, sondern auch positive Auswirkungen für die Rohstoffversorgung haben, da in den Mercosur Ländern vor allem mineralische Rohstoffe wie Eisenerz, Aluminium, Mangan, Vanadium, Kupfer und Lithium abgebaut werden.
Laut Angaben der EU-Kommission können durch das Abkommen die jährlichen EU-Exporte in den Mercosur um bis zu 39 Prozent steigen. Dadurch können 440.000 Jobs in der EU entstehen. Insgesamt exportieren 12.500 deutsche Unternehmen in die Region, davon 72 Prozent kleine und mittlere Betriebe. Seit mehr als 100 Jahren sind deutsche Unternehmen – unterstützt durch die Auslandshandelskammern – in Südamerika aktiv.
Brandenburgs Wirtschaft plädiert dafür, das Interimsabkommen jetzt umgehend umzusetzen – im Interesse der Betriebe, der Exportwirtschaft und regionalen Wettbewerbsfähigkeit. Denn: Ein verlässlicher, freier Handel ist für die regionale Entwicklung essenziell – gerade vor dem Hintergrund globaler Absatzkrisen, geopolitischer Verschiebungen, steigendem Protektionismus und neuen, drohenden Handelskonflikten.
Ein Inkrafttreten des Interimsabkommens wird frühestens zum 1. Januar 2027 erwartet. Der Abschluss des Gesamt-Abkommens wird sich dagegen noch hinziehen.
Erst am 8. Januar hatten sich die IHKs in Brandenburg in einem Interview zum Abkommen und seinen Chancen für die regionale Wirtschaft öffentlich geäußert.
Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) ist eine Kooperation der drei Industrie- und Handelskammern im Land Brandenburg. Sie vertritt die Interessen von etwa 160.000 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen.