GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG

Wetterextreme belasten Unternehmen

Wetterextreme und ihre Folgen werden für die Wirtschaft in beiden Bundesländern zu einer zusätzlichen Belastung. Das zeigt die erste gemeinsame Befragung der vier Industrie- und Handelskammern in Berlin und Brandenburg. Mit der Erhebung unter 2000 Betrieben wollen die IHKs die Debatte versachlichen und eine verlässliche Grundlage für Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft schaffen.
Die Rückmeldungen machen deutlich: Viele Betriebe haben die Risiken bereits im Blick. Rund die Hälfte ist von den Folgen außergewöhnlicher Wetterlagen geplagt, vier von zehn Unternehmen arbeiten bereits an konkreten Vorkehrungen. Zugleich treffen die zusätzlichen Belastungen auf Betriebe, die schon heute mit hohen Kosten und weiteren Standortnachteilen umgehen müssen.
„Die Wirtschaft bewältigt in Zeiten schwieriger Konjunktur bereits zahlreiche Herausforderungen. Wenn zusätzlich Hitze, Starkregen und Wasserknappheit zu Produktionsausfällen, steigenden Energiekosten und weiteren Belastungen führen, verschärft das die Situation deutlich. Jedes zweite Unternehmen in der Hauptstadtregion spürt die Folgen von Extremwetter. Das ist längst eine Frage von Wettbewerbsfähigkeit und Investitionssicherheit. Die Politik muss mit leistungsfähiger Infrastruktur, schnelleren Genehmigungen und verlässlichen Rahmenbedingungen für Investitionen dafür sorgen, dass sich Unternehmen resilienter aufstellen können“, sagt Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin.
Die Auswirkungen unterscheiden sich je nach Branche. Im Gastgewerbe stehen vor allem steigende Energiekosten im Vordergrund. Im Baugewerbe beeinträchtigen starke Hitze, Starkregen oder andere außergewöhnliche Wetterlagen insbesondere die Arbeiter und deren Produktivität.
„Die Betriebe handeln, doch nicht jede notwendige Investition lässt sich aus eigener Kraft stemmen. Wer Gebäude, Anlagen oder Betriebsabläufe widerstandsfähiger macht, braucht verlässliche Rahmenbedingungen“, erklärt André Fritsche, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus für die Brandenburger Industrie- und Handelskammern.
Aus Sicht der vier Kammern braucht es neben branchengerechter Beratung vor allem Förderung und eine widerstandsfähige öffentliche Infrastruktur. Unterstützung sollte dort ansetzen, wo Vorsorge hohe Anfangsinvestitionen erfordert und betriebliche Risiken nicht allein aufgefangen werden können, zum Beispiel im kommunalen Wassermanagement oder bei resilienter Stromversorgung.

Ergebnisse der Befragung

Steigende Kosten durch Extremwetter - Die Hälfte der Betriebe in Berlin und Brandenburg spürt die Folgen

Die Industrie- und Handelskammern in Berlin und Brandenburg befragten im Rahmen ihrer Konjunkturumfragen im Herbst 2026 knapp 2000 Unternehmen der Hauptstadtregion zu wirtschaftlichen Folgen und notwendigen Maßnahmen infolge von Extremwettereignissen.
Klimaanpassung wird zum Wettbewerbs- und Standortfaktor. Extremwetter zeigt sich bei Unternehmen in Berlin und Brandenburg als ein Kosten-, Nachfrage- und Produktivitätsfaktor. Jedes zweite Unternehmen berichtet von spürbaren Folgen. Gleichzeitig konzentriert sich die betriebliche Anpassung noch auf wenige Maßnahmen. Die Wirtschaft wünscht sich hier mehr branchengerechte Beratung, investitionsfähige Förderung und eine widerstandsfähige öffentliche Infrastruktur.
Rund jedes zweite Unternehmen ist betroffen, insbesondere das Gastgewerbe. Der Anteil betroffener Unternehmen liegt bei 49 Prozent. Mit einem Anteil von 65 Prozent ist das Gastgewerbe von Extremwetterereignissen am stärksten betroffen. (Abb. 1)
Abb. 1 Betroffenheit mit mind. einer spürbaren Folge nach Branche in der Region Berlin-Brandenburg
Abb. 1 - Betroffenheit mit mind. einer spürbaren Folge nach Branche in der Region Berlin-Brandenburg
Die stärksten Auswirkungen für die Unternehmen sind höhere Energie- und Beschaffungskosten, steigende Rohstoff-, Material- oder Lebensmittelpreise sowie Umsatz- oder Nachfragerückgänge (Abb. 2)
Abb. 2 Meistgenannte Folgen von Extremwetterereignissen in den vergangenen zwölf Monaten

Abb. 2 - Meistgenannte Folgen von Extremwetterereignissen in den vergangenen zwölf Monaten
Je nach Branche werden die Folgen unterschiedlich eingeschätzt. Während das Gastgewerbe am stärksten von hohen Energiekosten betroffen ist (55 Prozent), belasten vor allem gestiegene Rohstoff- und Materialpreise die Industrie. Im Baugewerbe werden insbesondere Beeinträchtigung von Beschäftigten und Arbeitsproduktivität genannt (27 Prozent) (Abb. 3)
Kostensteigerungen und Umsatzrückgänge im Gastgewerbe & weitere Beeinträchtigungen beim Bau
Abb. 3 - Kostensteigerungen und Umsatzrückgänge im Gastgewerbe & weitere Beeinträchtigungen beim Bau
Am häufigsten umgesetzte oder geplante Anpassungsmaßnahmen sind Lüftungs-, Kühl- und Klimatechnik (41 Prozent), Arbeitszeit- und Gesundheitsschutz (36 Prozent) sowie Risikoanalyse, Notfallplanung und Versicherung (34 Prozent). Seltener werden Starkregen- und Hochwasserschutz (elf Prozent) und Anpassungen von Produktion, Lagerung und Lieferketten (16 Prozent) umgesetzt. (Abb. 4)
Umsetzungsstand je Maßnahme. Anpassung findet statt, bleibt aber selektiv
Abb. 4: Umsetzungsstand je Maßnahme. Anpassung findet statt, bleibt aber selektiv
Die Unternehmen verlangen vor allem Umsetzungsunterstützung. 46 Prozent wünschen eine Förderung zur betrieblichen Klimaanpassung, 30 Prozent Erfahrungsaustausch und 28 Prozent mehr Informationen über Vorsorge- und Anpassungsmöglichkeiten.
Extremwetterlagen bewirken vor allem kostenseitig eine zusätzliche, schleichende wirtschaftliche Belastung. Sie verteuern Energie und Vorleistungen, beeinträchtigen Beschäftigte, Produktivität und wirken auf Umsatz und Nachfrage. Unternehmen reagieren bereits, vor allem dort, wo Maßnahmen unmittelbar überschaubar sind. Wirtschaftspolitik muss deshalb drei Dinge zusammenbringen: investitionsfreundliche Förderung, belastbare Infrastruktur und an den betrieblichen Risiken orientierte Beratung.