Großräschen strategisch mitten in Europa
Firian baut seinen Standort in Großräschen mit einer eigenen Academy für Brandschutz weiter aus. Für Großräschen sprechen ein erfahrenes Team und Platz für weiteres Wachstum – aber auch seine überraschend zentrale Lage innerhalb einer Unternehmensgruppe, die von Benelux bis in die Ukraine reicht.
Wer Großräschen auf der Deutschlandkarte betrachtet, findet die Stadt ziemlich weit im Osten. Aus der Perspektive von Firian sieht die Sache anders aus. Das Unternehmen für anlagentechnischen Brandschutz ist mit 37 Standorten in zwölf Ländern vertreten. Sein Netz reicht von Belgien und den Niederlanden über Deutschland und Polen bis in die Ukraine sowie nach Österreich und Kroatien. Und plötzlich liegt Großräschen gar nicht mehr am Rand.
„Wenn man unsere Gruppe von Belgien und den Niederlanden bis nach Polen und in die Ukraine betrachtet, liegt Großräschen geografisch gar nicht so weit von der Mitte entfernt“, sagt Geschäftsführer Falk Ursinus.
Die Lage ist einer der Gründe dafür, dass Firian gerade hier seine Academy aufgebaut hat. Hinzu kommen zwei sehr handfeste Standortvorteile: ausreichend Fläche für die Erweiterung und ein erfahrenes Team.
„Es ist die Kombination aus geografischer Lage, verfügbarer Fläche und einem Team vor Ort, von dem wir wissen, dass wir uns darauf verlassen können“, beschreibt Ursinus die Entscheidung. Andere Firian-Standorte in Deutschland hätten zudem nicht die notwendigen Flächen für eine solche Erweiterung geboten.
Das Großräschener Team wird herzlich in der Lausitz willkommen geheißen (li.: Firian-Geschäftsführer Falk Ursinus).
Seit mehr als 22 Jahren in Großräschen
Neu ist das Unternehmen in Großräschen keineswegs. Seit mehr als 22 Jahren besteht der Standort, lange unter dem Namen MULTIMON. Nach dem Zusammenschluss mit weiteren Brandschutzunternehmen gehört er heute zur Firian-Gruppe.
Firian plant, errichtet und wartet anlagentechnische Brandschutzsysteme für anspruchsvolle Anwendungsbereiche wie Industrie, Gesundheitswesen und Rechenzentren. Mit der Academy bekommt der gewachsene Standort nun eine zusätzliche Aufgabe: Großräschen wird zum Ort für die systematische Qualifizierung von Brandschutzfachkräften.
Firian plant, errichtet und wartet anlagentechnische Brandschutzsysteme für anspruchsvolle Anwendungsbereiche wie Industrie, Gesundheitswesen und Rechenzentren. Mit der Academy bekommt der gewachsene Standort nun eine zusätzliche Aufgabe: Großräschen wird zum Ort für die systematische Qualifizierung von Brandschutzfachkräften.
Sprinkleranlagen müssen regelmäßig geprüft, gewartet und getestet werden.
Die offizielle Eröffnung Anfang September war dabei eigentlich nur ein weiterer Meilenstein. Die Idee für die Academy entstand bereits im Frühjahr 2025. Nur rund sechs Monate später fanden die ersten Schulungen und Trainings statt. Bis Ende 2026 werden nach Angaben von Firian rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Academy durchlaufen haben. Etwa die Hälfte sind Einsteiger, die andere Hälfte bereits Beschäftigte, die sich weiterqualifizieren. Inzwischen öffnet Firian die Academy auch nach außen. Mit der Schulung zum Sprinklerwart richtet sich das Angebot erstmals auch an Betreiber, technische Fachkräfte und Verantwortliche im Brandschutz. Vermittelt wird praxisnahes Wissen rund um Planung, Betrieb, Wartung und Instandhaltung von Brandschutzanlagen. Und Firian will weitergehen: Die Academy soll ausgebaut werden. Perspektivisch sollen auch Mitarbeiter der polnischen Gesellschaft in Großräschen geschult werden.
Fachwissen aus eigener Hand
Hinter der Investition steht eine Herausforderung, die für Firian unmittelbar mit dem Wachstum des Unternehmens verbunden ist. Technischer Brandschutz ist ein stark reguliertes und hoch spezialisiertes Geschäft. Gleichzeitig hängt die Nachfrage keineswegs allein vom Neubau ab. Werden Fabriken, Logistikimmobilien oder andere Gebäude umgebaut oder einer neuen Nutzung zugeführt, müssen häufig auch die Brandschutzsysteme angepasst werden.
„Brandschutz ist ein regulierter und sehr robuster Markt. Auch wenn weniger neu gebaut wird, werden bestehende Gebäude reorganisiert und umgebaut – und damit verändert sich häufig auch der Brandschutz“, sagt Ursinus. Der Bedarf an Spezialisten bleibt entsprechend hoch. „Wir haben einen wachsenden Markt und gleichzeitig ein Fachkräftethema. Sprinklerbauer ist kein Ausbildungsberuf. Deshalb müssen wir unsere eigenen Leute weiterentwickeln und Quereinsteigern die Chance geben, diesen Beruf über Jahre hinweg zu erlernen.“
Agnes Baudach zeichnet bei der Firian Academy für das technische Training verantwortlich.
Wie spezialisiert diese Arbeit ist, zeigt die Praxis: Brandschutzanlagen müssen regelmäßig kontrolliert und gewartet werden, damit sie zuverlässig funktionieren und die vorgeschriebenen Standards erfüllen. Die Fachkräfte dafür sind rar – einen klassischen Ausbildungsberuf gibt es nicht. Firian setzt deshalb auch auf Quereinsteiger und qualifiziert sie für die Sprinklertechnik.
„Es ist eine sehr kleine Nische, in der aber sehr viele Leute benötigt werden“, sagt Agnes Baudach, Technisches Training. „Die Academy ist damit mehr als ein Schulungsraum. Firian schafft sich eine eigene Infrastruktur, um das für weiteres Wachstum benötigte Fachwissen systematisch aufzubauen und innerhalb der Unternehmensgruppe weiterzugeben.“
Qualifizierung als Wettbewerbsfaktor
Wie anspruchsvoll technische Sicherheitsberufe sind, erlebt auch die IHK Cottbus in ihrer Ausbildungsarbeit. Katrin Hurras, Teamleiterin Ausbildung, begleitet unter anderem die Ausbildung von Werkfeuerwehrleuten. Deren Berufsbild ist zwar nicht mit den Qualifizierungen der Firian Academy gleichzusetzen, zeigt aber exemplarisch, wie vielfältig die Anforderungen in diesem Bereich geworden sind. Werkfeuerwehrleute benötigen neben feuerwehrtechnischem Wissen technisches Verständnis für industrielle Anlagen, Kenntnisse im Umgang mit Gefahrstoffen sowie Kompetenzen in betrieblicher Gefahrenabwehr und Sicherheitsmanagement. Ausbildungsbetriebe übernehmen damit selbst einen wesentlichen Teil der Verantwortung für ihren künftigen Fachkräftebedarf.
„Für die Unternehmen stellt die Ausbildung eigener Nachwuchskräfte einen wichtigen Baustein zur langfristigen Fachkräftesicherung dar“, sagt Katrin Hurras, Teamleiterin Ausbildung der IHK Cottbus.
Die IHK begrüßt deshalb grundsätzlich Investitionen in Aus- und Weiterbildung in der Region. Zusätzliche Qualifizierungsangebote schaffen Entwicklungsperspektiven für Beschäftigte und helfen Unternehmen, benötigtes Fachwissen zu sichern.
Für Firian kommen in Großräschen damit mehrere Dinge zusammen: ein gewachsener Standort, ein erfahrenes Team, Erweiterungsflächen und eine Lage, die mit dem europäischen Wachstum des Unternehmens an Bedeutung gewinnt. Was auf der Deutschlandkarte weit im Osten liegt, kann aus europäischer Unternehmensperspektive ziemlich zentral sein.
Für Firian kommen in Großräschen damit mehrere Dinge zusammen: ein gewachsener Standort, ein erfahrenes Team, Erweiterungsflächen und eine Lage, die mit dem europäischen Wachstum des Unternehmens an Bedeutung gewinnt. Was auf der Deutschlandkarte weit im Osten liegt, kann aus europäischer Unternehmensperspektive ziemlich zentral sein.
Der Artikel von Jörg Tudyka erschien im FORUM 10|2026