Unsere Vorschläge zum Bürokratieabbau in der beruflichen Bildung
In der Sitzung des Sonderausschusses Bürokratieabbau des Landtages Brandenburg steht am 12. Dezember ein Fachgespräch zum Bürokratieabbau im Bildungswesen an. Damit die duale Ausbildung in Brandenburg leistungsfähig bleibt, braucht es weniger Papierarbeit, klare digitale Prozesse und mehr Transparenz. Wir haben deshalb konkrete Vorschläge erarbeitet, die direkt an den Alltag von Unternehmen, Auszubildenden und Berufsschulen anknüpfen.
Als Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern haben wir uns dabei vor allem auf die berufliche Bildung fokussiert. Unsere konkreten Vorschläge:
1. Digitale Vernetzung zwischen Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen
Problem: Kommunikation und Austausch wichtiger Dokumente – etwa Krankmeldungen, Freistellungen oder Formulare – erfolgen häufig unkoordiniert und unverschlüsselt per E-Mail oder sogar per Fax. Das führt zu Doppelarbeit, Verzögerungen und Fehleranfälligkeit.
Lösungsvorschlag: Einführung einer zentralen, cloudbasierten Plattform, über die alle Beteiligten datenschutzkonform Informationen und Formulare austauschen können. Die digitale Vernetzung verbessert Kommunikation, reduziert Bürokratie und erhöht die Effizienz der Lernortkooperation.
2. Digitales und einheitliches Berufsschulanmeldeverfahren
Problem: Die Anmeldung zur Berufsschule läuft in Brandenburg überwiegend papierbasiert und wird von jedem Oberstufenzentrum unterschiedlich gehandhabt. Formulare, Fristen und Abläufe variieren – Ausbildende müssen Daten mehrfach erfassen, Auszubildende erhalten oft keine transparente Rückmeldung zum Anmeldestatus.
Lösungsvorschlag: Aufbau einer zentralen webbasierten Datenbank, die relevante Ausbildungsdaten direkt aus den Verzeichnissen der Kammern übernimmt und an die Berufsschulen übermittelt. Dies beseitigt Mehrfacheingaben, verkürzt Bearbeitungszeiten und schafft ein einheitliches Verfahren für das gesamte Land.
3. Vereinheitlichung des Berufsschulwechsels
Problem: Die Zuordnung zur Berufsschule erfolgt in Brandenburg nach dem Ausbildungsort-Prinzip. In begründeten Ausnahmefällen – etwa wenn unverhältnismäßige Anforderungen an den Auszubildenden entstehen, zum Beispiel durch extreme Fahrzeiten oder fehlende Übernachtungsmöglichkeiten – kann eine andere Berufsschule gewählt werden. Der Wechsel wird jedoch über mehrere beteiligte Stellen abgewickelt, die Verfahren sind papierbasiert, regional unterschiedlich und wenig transparent.
Lösungsvorschlag: Ein einheitliches Vorgehen und eine klare Definition der Ausnahmefälle, auf deren Grundlage ein digitales, vernetztes Antragsverfahren mit einem zentralen Kontaktpunkt im Bildungsministerium eingerichtet wird. Einheitliche Digitalformulare, automatische Datenübertragungen sowie verbindliche Bearbeitungsfristen erhöhen Transparenz und reduzieren den Aufwand für alle Beteiligten.
4. Vereinfachung der Schülerbeförderung
Problem: Die Schülerbeförderung in Brandenburg ist stark reglementiert. Schülertickets gelten in der Regel nur für den direkten Weg zwischen Wohnort und Berufsschule. Eine Nutzung für notwendige private Wege, etwa zu Freizeitangeboten oder ergänzenden Lernangeboten, ist häufig ausgeschlossen. Dadurch entstehen zusätzliche Belastungen für Familien, die diese Wege selbst organisieren müssen – obwohl passende ÖPNV-Verbindungen eigentlich vorhanden wären.
Lösungsvorschlag: Eine landesweit einheitliche Anpassung der Schülerfahrkarten, die eine begrenzte private Mitnutzung ermöglicht. Dadurch wird der ÖPNV besser ausgelastet, soziale Teilhabe erleichtert und unnötiger Verwaltungsaufwand reduziert.
5. Vereinfachung von Förderanträgen in der Verbundausbildung
Problem: Betriebe, die eine Verbundausbildung nach der Förderrichtlinie des MBJS nutzen möchten, müssen derzeit zwei separate Kammerbestätigungen einholen. Zum einen die Eintragung des Ausbildungsverhältnisses und zum anderen die Bestätigung über die Notwendigkeit der Verbundausbildung. Beide Verfahren greifen jedoch auf dieselben Informationen zurück. Dies führt zu Doppelarbeit, längeren Bearbeitungszeiten und unnötiger Bürokratie – insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen eine spürbare Belastung.
Lösungsvorschlag: Anpassung der Förderrichtlinie, sodass künftig die bereits vorhandene Eintragungsbestätigung ausreichend ist. Eine zusätzliche Bestätigung der Kammer wäre dann nicht mehr notwendig. Das beschleunigt die Antragstellung und entlastet sowohl Betriebe als auch Kammern deutlich.
6. Anerkennung und Bezahlung von Quereinsteigern verbessern
Problem: Quereinsteiger in den Lehrberuf, insbesondere Personen ohne Hochschulabschluss, durchlaufen oft langwierige und komplexe Anerkennungsverfahren. Ihre berufliche Vorerfahrung und betrieblichen Qualifikationen werden häufig nicht ausreichend berücksichtigt. Das führt zu Verzögerungen, eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten und niedrigeren Eingruppierungen, was wiederum dazu beitragen kann, dass qualifizierte Personen den Beruf nicht aufnehmen oder frühzeitig wieder verlassen.
Lösungsvorschlag: Es braucht einheitliche und transparente Verfahren zur Anerkennung von Abschlüssen und beruflicher Erfahrung durch die Schulämter. Ergänzend sollen Schulungen und Einarbeitungsprogramme Seiteneinsteiger unterstützen. Zudem sollten tarifliche Regelungen angepasst werden, um berufliche Qualifikationen besser anzuerkennen und Quereinsteiger angemessen einzugruppieren.