Industry & Defense Connect
Industry & Defense Connect: Neue Allianzen zwischen Industrie und Sicherheit
Die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie wächst in Europa rasant – und eröffnet auch für kleine und mittelständische Unternehmen neue Geschäftsfelder. Bei der Veranstaltung „Industry & Defence Connect“, “, zu der die IHK nach Finsterwalde eingeladen hatte, trafen 24 Unternehmen aus Südbrandenburg und 16 aus der Ukraine aufeinander, um Kooperationen auszuloten. Das Ziel: neue industrielle Partnerschaften entlang der sicherheitsrelevanten Wertschöpfungskette. Im Zentrum standen konkrete B2B-Gespräche und thematische Pitch-Runden.
- Wie die IHK Cottbus Unternehmen beim Einstieg auch in den ukrainischen Markt unterstützt
- Hochkarätige Expertise: Vom Dialogformat zur Deep-Dive & Match Session
- Ukraine als Innovationspartner
- Hintergrund: Zwischen Zurückhaltung und neuen Chancen
- Sie möchten mehr über die Angebote des Ukraine Desk erfahren oder planen den Markteintritt?
- Bildergalerie zur Veranstaltung
Sicherheit ist längst kein rein politisches Thema mehr – sie ist zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor gereift. Gemeinsam mit den Projektpartnern des Ukraine Desk lud die IHK Cottbus regionale Unternehmen und Forschungseinrichtungen nach Finsterwalde ein, um die Potenziale der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI) genauer zu beleuchten. Hier wurden hiesige Betriebe mit Akteuren der Branche sowie ukrainischen Partnern zusammengebracht, um direkt von der steigenden Nachfrage in diesem Sektor zu profitieren.
Wie die IHK Cottbus Unternehmen beim Einstieg auch in den ukrainischen Markt unterstützt
Für die IHK Cottbus ist das Thema längst mehr als eine Einzelveranstaltung. Die Kammer verfolgt seit längerem eine strategische Linie, um Unternehmen beim Zugang zu neuen internationalen Märkten und Netzwerken zu unterstützen.
„Der Ukraine-Desk ist Türöffner, Matchmaker und langfristiger Begleiter für Kooperationen zwischen Unternehmen beider Länder“, sagte Silke Schwabe, Leiterin Außenwirtschaft und Unternehmensentwicklung der IHK Cottbus.
Gerade der industrielle Mittelstand könne in diesem Umfeld eine wichtige Rolle spielen. Viele der benötigten Technologien – etwa Sensorik, Kommunikationstechnik, Maschinenbau oder Logistiklösungen – gehören zu klassischen Stärken deutscher Industrie.
„Diese Kompetenzen sind in Brandenburg und in der Lausitz tief verankert. Unsere Unternehmen und Forschungseinrichtungen verfügen über genau das Know-how, das in diesen Bereichen gebraucht wird“, so Schwabe.
Hochkarätige Expertise: Vom Dialogformat zur Deep-Dive & Match Session
Am Nachmittag eröffnete Silke Schwabe, Bereichsleiterin Außenwirtschaft und Unternehmensentwicklung bei der IHK Cottbus, den offiziellen Teil des Business Event Industry & Defence Connect. Sie betonte, dass die globale Instabilität der letzten Jahre ein Umdenken in der Industriepolitik erzwungen hat. Was einst ein Nischenthema war, ist heute ein zentrales Wirtschaftsfeld.
Im Dialogformat „Sicherheit als Wirtschaftsfaktor – Neue Allianzen zwischen der Industrie und Verteidigung“ diskutierten Benjamin Baykal, Referatsleiter Verteidigungspolitik und Kooperation mit der Bundeswehr, gemeinsam mit seiner Kollegin Anna Hautmann, Projektleiterin Wiederaufbau Ukraine und Kontaktstelle Sicherheit und Verteidigung International, von der Deutschen Industrie- und Handelskammer vor dem Hintergrund der geopolitischen Zeitenwende die wachsende Bedeutung der SVI als wirtschaftlichen Faktor. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Politik und Industrie in Deutschland die neue sicherheitspolitische Dynamik ausreichend erfasst haben und welche konkreten Chancen sich daraus für den Mittelstand – insbesondere in der Lausitz – ergeben.
Ukraine als Innovationspartner
Durch den Krieg hat sich in der Ukraine eine hochdynamische Technologieentwicklung vollzogen – insbesondere in Bereichen wie Drohnentechnologie, elektronischer Aufklärung und digitalen Systemen.
„Deutschland und die Ukraine arbeiten zunehmend auf Augenhöhe zusammen – mit ukrainischer Innovationskraft und deutscher Ingenieurs- und Produktionskompetenz“, erklärte Anna Hautmann von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).
Gerade diese Kombination eröffne neue Perspektiven für gemeinsame Projekte, etwa bei Joint Ventures oder bei der industriellen Skalierung neuer Technologien.
Chancen für den Mittelstand
Ein wichtiger Punkt der Diskussion war die Frage, wie KMU Zugang zu diesem Markt finden können. Denn die großen Systemhäuser der Branche sind zwar sichtbar, doch die Wertschöpfungsketten reichen weit in den industriellen Mittelstand hinein.
„Die großen Unternehmen brauchen neue Zulieferer. Der Mittelstand ist ein entscheidender Teil dieser Wertschöpfungskette“, sagte Benjamin Baykal von der DIHK.
Wer in den Markt einsteigen will, brauche Geduld, Netzwerke und die richtigen Kontakte. Zertifizierungen und regulatorische Anforderungen können den Einstieg erschweren, gleichzeitig öffnen neue Plattformen und Netzwerke zunehmend Zugänge für mittelständische Unternehmen.
Netzwerke schaffen Zugang
Neben der Vernetzung unterstützt die IHK Cottbus Unternehmen auch ganz praktisch: durch Informationen zu Förderprogrammen, Kontakte zu internationalen Partnern sowie durch die Organisation von Delegationsreisen und Fachveranstaltungen. „Formate wie diese bringen Unternehmen ins Gespräch. Und genau daraus entstehen später Kooperationen, Projekte und Investitionen“, so Schwabe.
Regionale Industrie als Standortvorteil
Dass die Veranstaltung in Finsterwalde stattfand, war bewusst gewählt. Die Region verfügt über eine starke industrielle Basis – insbesondere in Metallverarbeitung, Maschinenbau und industrieller Fertigung. „Gerade der ländliche Raum der Lausitz bietet eine gute Grundlage für neue industrielle Kooperationen“, sagte Manuel Stedtler, Leiter des IHK-Regionalcenters Elbe-Elster.
Unternehmen wie Kjellberg oder FIMAG zeigen, welches industrielle Potenzial hier vorhanden ist. Gleichzeitig nutzen Kommunen die Gelegenheit, ihre Standorte als Investitionsorte vorzustellen.
Entwicklung steht erst am Anfang
Erste Netzwerke und Kooperationen entstehen, doch das Potenzial ist deutlich größer. „Wir stehen erst am Beginn dieser Entwicklung. Aber die Dynamik ist da – und sie wird in den kommenden Monaten weiter zunehmen“, zeigt sich Stedler überzeugt.
Hintergrund: Zwischen Zurückhaltung und neuen Chancen
Trotz wachsender Marktchancen reagieren viele kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland noch zurückhaltend auf Kooperationen im Bereich Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Ein Grund sind regulatorische Anforderungen. Exportkontrollen, Compliance-Vorgaben und Sicherheitsfragen machen Projekte komplex. Hinzu kommt die Sorge, in geopolitische Konflikte hineingezogen zu werden oder verstärkt Ziel von Cyberangriffen zu werden. Auch Imagefragen spielen eine Rolle. Rüstungsgeschäfte werden gesellschaftlich kontrovers diskutiert, während viele mittelständische Unternehmen stark auf zivile Märkte ausgerichtet sind.
Gleichzeitig wächst jedoch ein Markt mit erheblichen wirtschaftlichen Perspektiven. Die Nachfrage nach Technologien entlang der sicherheitsrelevanten Wertschöpfungskette steigt in Europa deutlich. Hinzu kommt ein technologischer Vorteil: Die Ukraine gilt inzwischen als hochdynamisches Entwicklungsumfeld für neue Technologien, insbesondere bei Drohnen, KI-Anwendungen und unbemannten Systemen. Kooperationen können daher auch Innovationsimpulse für europäische Unternehmen bringen.
Sie möchten mehr über die Angebote des Ukraine Desk erfahren oder planen den Markteintritt?
Unternehmen, die sich für Kooperationen interessieren, können auf verschiedene Programme zurückgreifen. Dazu gehören unter anderem Exportkreditgarantien und Investitionsgarantien des Bundes, das EU-Programm „ReArm Europe“ mit einem Finanzrahmen von rund 150 Milliarden Euro (Mehr Informationen hier), verschiedene BAFA-Programme und außenwirtschaftliche Förderinstrumente sowie Finanzierungsprogramme wie „UkraineConnect“.
Ein zentraler Ankerpunkt bleibt hierbei der Ukraine Desk: Als Gemeinschaftsprojekt der IHK Cottbus mit der WFBB, der WFS und der EGC Cottbus bietet er Unternehmen die notwendige Struktur, um strategische Partnerschaften aufzubauen und neue Wachstumsperspektiven im sicherheitsrelevanten Umfeld sowie beim Wiederaufbau der Ukraine gezielt zu erschließen.
Das Team unterstützt Sie bei der Marktanalyse, dem Matching mit Partnern in der Ukraine und der Identifizierung passender Projekte.
Weitere Informationen zum Ukraine Desk sowie Ansprechpartner finden Sie hier.
Bildergalerie zur Veranstaltung
Die Unternehmerinnen und Unternehmer nutzen die Räumlichkeiten bei Kjellberg zum freien Austausch.
Unternehmer beim Austausch
Silke Schwabe, Geschäftsbereichsleiterin Außenwirtschaft und Unternehmensentwicklung bei der IHK Cottbus, Benjamin Baykal, Referatsleiter Verteidigungspolitik und Kooperation mit der Bundeswehr und Anna Hautmann, Projektleiterin Wiederaufbau Ukraine und Kontaktstelle Sicherheit und Verteidigung International
Rund 40 Vertreter aus Industrie, Forschung und ukrainische Partnern trafen sich in Finsterwalde.
Oleksandr Yurchak, (General Director APPAU) bei einem Impulsvortrag
Der Artikel von Jörg Tudyka erscheint im FORUM 4|2026