FORUM-INTERVIEW
MinGenTec: Strukturwandel endet nicht mit einer Förderperiode
Fast zehn Jahre MinGenTec: Wie aus einer Netzwerkidee eine Plattform für Innovation, Vernetzung und neue Märkte wurde
Ein Netzwerk für den Wandel - Entwicklung und Unternehmersicht
Als die Lausitz 2017 vor den tiefgreifenden Veränderungen des Strukturwandels stand, war eines schnell klar: Der Ausstieg aus der Braunkohle würde nicht nur Kraftwerke und Tagebaue verändern, sondern auch Hunderte mittelständische Unternehmen. Viele von ihnen verfügten über jahrzehntelang aufgebautes Know-how in Bergbau, Energietechnik, Automatisierung oder Anlagenbau – Kompetenzen, die weit über die Region hinaus gefragt sind. Die entscheidende Frage lautete deshalb: Wie lassen sich diese Stärken in neue Märkte und neue Geschäftsfelder überführen?
Dr. Christina Eisenberg (l.) und IHK-Präsident Jens Warnken (r.) zu Gast bei Jens Brand Felsenbau.
Mit dieser Zielsetzung entstand das Unternehmensnetzwerk MinGenTec. Was zunächst als Netzwerkprojekt begann, entwickelte sich in den vergangenen fast zehn Jahren zu einer wichtigen Plattform für Innovation, Vernetzung und Internationalisierung in der Lausitz.
Heute gehören rund 260 Unternehmen und Institutionen dem Netzwerk an. Projektleiterin Dr. Christina Eisenberg verweist dabei auf einen Aspekt, der aus ihrer Sicht noch aussagekräftiger ist als die reine Mitgliederzahl: Etwa 100 Unternehmen engagieren sich regelmäßig und aktiv im Netzwerk. Sie beteiligen sich an Veranstaltungen, Unternehmerreisen und gemeinsamen Projekten und prägen damit den intensiven Austausch, der MinGenTec zu einer lebendigen Plattform für Innovation und Kooperation gemacht hat.
Heute gehören rund 260 Unternehmen und Institutionen dem Netzwerk an. Projektleiterin Dr. Christina Eisenberg verweist dabei auf einen Aspekt, der aus ihrer Sicht noch aussagekräftiger ist als die reine Mitgliederzahl: Etwa 100 Unternehmen engagieren sich regelmäßig und aktiv im Netzwerk. Sie beteiligen sich an Veranstaltungen, Unternehmerreisen und gemeinsamen Projekten und prägen damit den intensiven Austausch, der MinGenTec zu einer lebendigen Plattform für Innovation und Kooperation gemacht hat.
Neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen
Das Netzwerk MinGenTec als Projekt der IHK Cottbus mit den assoziierten Partnern IHK Dresden, Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) und der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) unterstützt MinGenTec-Betriebe dabei, neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen, Innovationspotenziale zu erkennen und Kontakte zu Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie internationalen Partnern aufzubauen. Dabei verfolgt das Netzwerk einen bewusst praxisnahen Ansatz. Statt theoretischer Konzepte stehen konkrete Angebote im Mittelpunkt: Netzwerktreffen, Unternehmerreisen, Länderworkshops, Messeauftritte, Innovationschecks oder individuelle Potenzialanalysen sollen Unternehmen dabei unterstützen, neue Märkte zu erschließen und Kooperationen anzubahnen. Ein Kompetenzatlas macht darüber hinaus sichtbar, welche technologischen Fähigkeiten in der Lausitz vorhanden sind und wo sich Synergien ergeben können.
Auch künftig echten Mehrwert bieten
„MinGenTec hat uns dabei geholfen, den Ausstieg aus der Kohlewirtschaft unternehmerisch aktiv zu gestalten. Das Netzwerk hat Kompetenzen sichtbar gemacht, den Austausch zwischen Unternehmen, Forschung und Partnern gefördert und konkrete Geschäftskontakte ermöglicht. Heute ist der Strukturwandel für viele Unternehmen gelebte Realität. Deshalb sollte MinGenTec jetzt den nächsten Entwicklungsschritt gehen und seine Rolle im Kontext des Net Zero Valley Lausitz neu definieren. Entscheidend ist, die Kompetenzen der Region noch stärker zu bündeln und Unternehmen auch künftig einen echten Mehrwert zu bieten.“ Bernd Loose, Actemium BEA GmbH, Standort Schwarze Pumpe
Vernetzung wesentliche Stärke
Gerade diese Vernetzung gilt als wesentliche Stärke des Projekts. Denn viele Unternehmen verfügen zwar über hochspezialisiertes Knowhow, kennen jedoch häufig nicht alle potenziellen Partner in der eigenen Region. Min-GenTec bringt Unternehmen unterschiedlicher Branchen zusammen und schafft Verbindungen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaftsförderung. Aus gemeinsamen Gesprächen entstehen neue Ideen, Kooperationen und Geschäftsansätze.
„MinGenTec hat uns dabei unterstützt, unsere Kontakte zu Forschungseinrichtungen und Auftraggebern gezielt auszubauen. Besonders wertvoll ist für uns das starke Netzwerk, das Synergien schafft, Vertrauen fördert und den Austausch über neue Technologien ermöglicht. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass MinGenTec die Vernetzung weiter stärkt und die Interessen des Mittelstands noch stärker gegenüber politischen Entscheidungsträgern vertritt.“ Jörn Süßmilch, Vorstand, eta AG engineering, Niederlassung Brandenburg/Büro Schwarze Pumpe
Neue Etappe beginnt
Mit dem Auslaufen der aktuellen Förderphase Ende Juni 2026 beginnt nun eine neue Etappe. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Netzwerke wie MinGenTec weit mehr sind als zeitlich befristete Förderprojekte. Sie schaffen Strukturen, die Unternehmen gerade in Zeiten tiefgreifender wirtschaftlicher Veränderungen Orientierung geben und den Zugang zu neuen Märkten erleichtern.
Damit richtet sich der Blick inzwischen weniger auf die Frage, was MinGenTec in den vergangenen Jahren geleistet hat, sondern darauf, wie sich das Netzwerk künftig weiterentwickeln kann. Denn der wirtschaftliche Strukturwandel in der Lausitz ist längst nicht abgeschlossen. Themen wie Dekarbonisierung, Digitalisierung, Net Zero Valley Lausitz, Fachkräftesicherung und Internationalisierung werden die Unternehmen auch in den kommenden Jahren begleiten.
Damit richtet sich der Blick inzwischen weniger auf die Frage, was MinGenTec in den vergangenen Jahren geleistet hat, sondern darauf, wie sich das Netzwerk künftig weiterentwickeln kann. Denn der wirtschaftliche Strukturwandel in der Lausitz ist längst nicht abgeschlossen. Themen wie Dekarbonisierung, Digitalisierung, Net Zero Valley Lausitz, Fachkräftesicherung und Internationalisierung werden die Unternehmen auch in den kommenden Jahren begleiten.
„MinGenTec hat die Kompetenzen der Lausitzer Unternehmen sichtbar gemacht und den Austausch zwischen Wirtschaft, Institutionen und Entscheidern erleichtert. Gerade diese Vernetzung schafft Vertrauen – und Vertrauen ist oft der Ausgangspunkt für neue Projekte und Partnerschaften. Zukünftig sollte MinGenTec die Stärken der Lausitz noch selbstbewusster nach außen tragen. Denn unsere Unternehmen verfügen über enormes Know-how – wir müssen es nur konsequenter zeigen.“ Benjamin Oppermann, Geschäftsleitung EMIS ELECTRICS GmbH, Lübbenau/Spreewald
Wissen teilen, voneinander lernen
Die Erfahrungen der vergangenen fast zehn Jahre zeigen: Strukturwandel gelingt nicht allein durch Investitionen oder Förderprogramme. Er lebt vor allem von Unternehmen, die bereit sind, ihr Wissen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln. Genau dafür hat MinGenTec in der Lausitz ein tragfähiges Fundament geschaffen.
Der Artikel von Jörg Tudyka ist nachzulesen im FORUM 9|2026
Interview mit Projektleiterin Christina Eisenberg
Welche Erfahrungen das Netzwerk bisher gesammelt hat und welche Perspektiven sich nun eröffnen, beschreibt Dr. Christina Eisenberg, MinGenTec-Projektleiterin, im folgenden Interview.
Projektleiterin Christina Eisenberg (IHK Cottbus) bei der Präsentation der Projektergebnisse anlässlich des MINGENTEC-Netzwerktreffen, 09.06.2026, Cottbus
FORUM: Frau Dr. Eisenberg, Ende Juni ist die aktuelle Förderphase von MinGenTec ausgelaufen. Was bleibt aus Ihrer Sicht?
DR. CHRISTINA EISENBERG: Vor allem ein lebendiges Netzwerk. MinGenTec hat Unternehmen aus der Lausitz zusammengebracht, die Innovationen entwickeln und neue internationale Märkte erschließen wollen. Daraus sind viele Kontakte, Kooperationen und neue Ideen entstanden. Dieses Netzwerk lebt – und genau das ist sein größter Wert.
FORUM: Was hat Sie persönlich in den vergangenen Jahren am meisten überrascht?
DR. CHRISTINA EISENBERG: Mich hat beeindruckt, wie engagiert unsere Mitglieder mitarbeiten. Ob bei Netzwerktreffen, Unternehmerreisen oder Fachveranstaltungen – die Unternehmen bringen sich aktiv ein, halten Vorträge, teilen ihre Erfahrungen und unterstützen sich gegenseitig. Gleichzeitig ist das Interesse am Netzwerk kontinuierlich gewachsen. Allein in den vergangenen Jahren konnten wir zahlreiche neue Mitglieder gewinnen.
FORUM: Wann hatten Sie das Gefühl: Jetzt funktioniert das Netzwerk wirklich?
DR. CHRISTINA EISENBERG: Das Netzwerk gibt es bereits seit 2017 und es hat von Anfang an funktioniert. Seit 2022 konnten wir die Unternehmen allerdings deutlich intensiver begleiten – durch persönliche Betreuung, regelmäßigen Austausch und den direkten Kontakt vor Ort. Dadurch ist das Netzwerk noch enger zusammengewachsen und die Beteiligung hat sich weiter erhöht.
FORUM: Woran lässt sich der Erfolg eines Netzwerks überhaupt messen?
DR. CHRISTINA EISENBERG: Natürlich nicht allein an Umsätzen. Wir können Unternehmen nicht fragen, welche Aufträge sie nach einer Reise gewonnen haben. Entscheidend sind vielmehr die Rückmeldungen der Unternehmen. Sie berichten von neuen Geschäftskontakten, Kooperationen und wertvollen Impulsen. Genau darin zeigt sich der Nutzen eines solchen Netzwerks.
FORUM: Welche Angebote werden besonders stark genutzt?
DR. CHRISTINA EISENBERG: Vor allem unsere Netzwerktreffen, Länderworkshops und Unternehmerreisen. Besonders wichtig ist uns dabei, den Unternehmen eine Bühne zu geben. Wir wollen sie nicht beschallen, sondern ihnen die Möglichkeit geben, ihre Kompetenzen sichtbar zu machen, Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig kennenzulernen.
FORUM: Welche Unternehmen stehen beispielhaft für MinGenTec?
DR. CHRISTINA EISENBERG: Jedes Unternehmen trägt zum Erfolg des Netzwerks bei. Einzelne herauszuheben, würde den anderen nicht gerecht. Natürlich gibt es besonders aktive Mitglieder, aber MinGenTec lebt davon, dass sich viele Unternehmen mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen einbringen.
FORUM: Was wäre verloren gegangen, wenn es MinGenTec nie gegeben hätte?
DR. CHRISTINA EISENBERG: Vor allem die Sichtbarkeit der Lausitzer Unternehmen im Strukturwandel. Über die Region wird viel gesprochen. Wir zeigen, welche leistungsfähigen Unternehmen hier arbeiten und welche Kompetenzen sie besitzen – national wie international.
FORUM: Welche Herausforderungen sehen Sie für die Unternehmen in den kommenden Jahren?
DR. CHRISTINA EISENBERG: Die Unternehmen müssen widerstandsfähiger werden. Dazu gehören Innovationen, aber auch eine stärkere Diversifizierung der Märkte. Internationale Aktivitäten werden dabei immer wichtiger. Gerade Polen und Tschechien bieten große Chancen. Hier wollen wir die Unternehmen weiterhin unterstützen.
FORUM: Welche Rolle übernimmt dabei die IHK?
DR. CHRISTINA EISENBERG: Die IHK bleibt zentrale Ansprechpartnerin und organisiert das Netzwerk gemeinsam mit ihren Partnern weiter. Wir verstehen uns als Schnittstelle zwischen Unternehmen, Wirtschaftsförderung, Wissenschaft und internationalen Partnern und wollen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter ausbauen.
FORUM: Wie sieht die Perspektive für MinGen-Tec aus?
DR. CHRISTINA EISENBERG: Die aktuelle Förderung läuft in einer kostenneutralen Verlängerung bis Ende 2026 weiter. Parallel wurde eine neue Förderphase beantragt. Wichtig ist für uns die Kontinuität. Strukturwandel endet nicht mit einer Förderperiode – deshalb wollen wir die Unternehmen auch künftig bei Innovation, Vernetzung und Internationalisierung begleiten.
FORUM/Dr. Christina Eisenberg, Projektleiterin, IHK Cottbus