Delegationsreise nach Australien: Strukturwandel durch Innovation

Vom 8. bis 13. März 2026 reiste eine hochrangige Delegation aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aus der Lausitz nach Australien. Ziel: der Austausch zu Bergbausanierung, Nachnutzung ehemaliger Tagebaulandschaften und neuen wirtschaftlichen Perspektiven im Strukturwandel. Die Reise wurde unterstützt durch Germany Trade & Invest und stand unter der Leitung von Geschäftsführerin Julia Braune. Die Stationen führten durch New South Wales – von Sydney über Wollongong bis in das Hunter Valley rund um Muswellbrook und Newcastle.
Die IHK Cottbus als Partnerorganisation und Initiatorin der Aktivität hatte bereits im vergangenen Jahr eine australische Delegation in der Lausitz empfangen und mit den Gästen intensiv die Herausforderungen im Bereich Bergbausanierung und Nutzungskonzepte von Bergbaufolgelandschaften in Zusammenarbeit mit den Unternehmen und Akteuren der Lausitzer Region bearbeitet. Die Reise knüpfte an den australischen Gegenbesuch im Mai 2025 an und zeigte bereits jetzt:
Die Partnerschaft zwischen Australien und der Lausitz gewinnt strategisch an Tiefe – und eröffnet konkrete wirtschaftliche Chancen.

Ein Markt im Wandel – und eine Chance für die Lausitz

Australien steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Bis 2040 sollen rund 240 Minen geschlossen werden. Die Kosten für Sanierung und Nachnutzung werden auf mehrere Milliarden jährlich geschätzt. Für die Lausitz, die selbst tiefgreifende Erfahrungen im Strukturwandel gesammelt hat, eröffnet sich hier ein internationales Betätigungsfeld.
„Wir sind hier genau zur richtigen Zeit“, sagt Axel Bretfeld, Geschäftsführer der ECO-SOIL Ost GmbH. „Viele Nachnutzungskonzepte stehen noch nicht fest. Genau hier können wir unsere Erfahrungen einbringen – insbesondere bei der Entwicklung nachhaltiger Lösungen für komplexe Standorte.“
Allerdings zeigte sich vor Ort auch: Die Rahmenbedingungen unterscheiden sich deutlich. Bodenbeschaffenheit, Klima und Nutzungsperspektiven variieren stark. Wirtschaftliche Potenziale für deutsche Unternehmen liegen daher vor allem im Beratungsund Konzeptbereich, etwa bei der Stabilisierung und Sicherung ehemaliger Tagebauflächen.

Von Sydney bis Newcastle: Transformation zum Anfassen

Bereits der Auftakt im Deutschen Generalkonsulat in Sydney machte deutlich, wie hoch das politische Interesse an der Zusammenarbeit ist. Beim anschließenden Briefing zum sogenannten „State Rezoning“ wurde sichtbar, wie strategisch Australien die Umnutzung ehemaliger Industrie- und Bergbauflächen angeht: großflächig, staatlich gesteuert und eng verzahnt mit Infrastrukturund Umweltplanung.

Ein Höhepunkt war der Besuch des BlueScope-Stahlwerks in Wollongong – ein Symbol für industriellen Wandel. Hier entstehen auf ehemaligen Industrieflächen neue Nutzungskonzepte, von grüner Industrie bis hin zu urbanen Entwicklungen.

Noch zukunftsweisender zeigte sich das Projekt Green Gravity: ein innovatives Energiespeichersystem, das alte Industrie- und Bergwerksinfrastruktur nutzt, um Energie mittels Gravitation zu speichern.
„Solche Technologien zeigen, wie eng Bergbausanierung und Energiewende zusammenhängen“, betont Martin Kubik, Geschäftsführer von Kubik Innovation. „Hier entstehen völlig neue Geschäftsmodelle – genau an dieser Schnittstelle wollen wir als Unternehmen ansetzen.“

Realität im Tagebau: Mount Arthur als Schlüsselprojekt

Im Hunter Valley besuchte die Delegation die Mount Arthur Mine – eine der größten Tagebauminen Australiens. Die Mine soll bis 2030 schließen und steht exemplarisch für die Herausforderungen der Region: wirtschaftlicher Wandel, Arbeitsplatzsicherung und nachhaltige Nachnutzung.
„Die Dimensionen sind beeindruckend – und die Aufgaben ebenso“, sagt Gerd Richter, Prokurist und Bereichsleiter des Sanierungsbereiches Lausitz bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft. Unsere Erfahrungen aus der Lausitz sind hier hochrelevant. Der Austausch in den Workshops bot eine gute Möglichkeit, unsere Expertise weiterzugeben, sodass auch andere Teilnehmende davon profitierten und neue Impulse mitnahmen. Gleichzeitig haben wir selbst wertvolle Einblicke in neue Ansätze und Technologien gewonnen.“
Vor Ort wurde deutlich: Während Deutschland bereits viele Sanierungsprozesse umgesetzt hat, befindet sich Australien vielfach noch in einer frühen Phase der Transformation – mit entsprechend großem Bedarf an Konzepten und Know-how.

Kooperation auf Augenhöhe: Wissenschaft, Wirtschaft, Politik

Ein zentrales Ergebnis der Reise ist die wachsende Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis. Besonders die Kooperation zwischen der BTU Cottbus-Senftenberg und der University of Newcastle gewinnt an Dynamik. In Workshops und Fachgesprächen in Newcastle diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Forschung konkrete Ansätze für die Zukunft ehemaliger Bergbauregionen.
„Die Offenheit und das Interesse der australischen Partner sind beeindruckend“, resümiert Silke Schwabe von der IHK Cottbus. „Hier entsteht eine echte Partnerschaft – nicht nur auf Projektebene, sondern auch strategisch im Strukturwandel.“
Auch die Delegation selbst konnte sich überzeugend präsentieren – etwa bei der internationalen Fachkonferenz „Hunter Agenda 2026“, wo die Lausitz als Transformationsregion auf großes Interesse stieß.

Australien als strategischer Partner

Neben dem Thema Bergbausanierung eröffnet sich eine weitere Perspektive: Australien als Partner in der Rohstoffversorgung und Energiewende. Mit großen Vorkommen an kritischen Rohstoffen und ambitionierten Transformationsstrategien entwickelt sich das Land zu einem wichtigen globalen Akteur. Für die Lausitz bedeutet das:
  • Zugang zu internationalen Wertschöpfungsketten
  • Kooperation bei Energie- und Speichertechnologien
  • gemeinsame Strategien für nachhaltige Industrieregionen

Ausblick: Gegenbesuch bereits in Planung

Die Reise wird nicht ohne Folgen bleiben: Bereits für den Sommer 2026 ist ein Gegenbesuch einer australischen Delegation in der Lausitz geplant – voraussichtlich unter Leitung von Minister Paul Scully, Minister for Planning and Public Spaces New South Wales. Im Fokus: der direkte Austausch zu Strukturwandel, Nachnutzung und innovativen Technologien.
Fazit: Ein starkes Signal für die Lausitz
Die Delegationsreise nach Australien zeigt eindrucksvoll:
Die Lausitz wird international als Kompetenzregion für Strukturwandel wahrgenommen
  • Es bestehen konkrete wirtschaftliche Chancen im Bereich Beratung und Projektentwicklung
  • Technologische Entwicklungen in Australien können für die Lausitz von Interesse sein. Hier laufen bereits Gespräche.
Die Zusammenarbeit mit Australien entwickelt sich zu einer strategischen Partnerschaft.
Oder, wie es Axel Bretfeld zusammenfasst: „Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, die für beide Seiten enorme Potenziale bietet – technologisch, wirtschaftlich und strategisch.“

Der Artikel von Silke Schwabe ist nachzulesen im FORUM 5|2026