Forderungspapier Metropolraum Berlin-Brandenburg
Die Metropolregion Berlin-Brandenburg hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem eng verflochtenen Wirtschafts- und Lebensraum mit beachtlicher Dynamik entwickelt. Was lange zusammengewachsen ist, steht nun an einem Punkt, an dem eine neue Qualität der Zusammenarbeit möglich wird: Millionen Erwerbstätige, zahlreiche Unternehmen und intensive Pendlerverflechtungen zeigen bereits heute, dass Berlin und Brandenburg faktisch einen gemeinsamen Arbeitsmarkt bilden. Um zentrale Zukunftsaufgaben – insbesondere Fachkräftesicherung, Flächenentwicklung, Infrastruktur und Wettbewerbsfähigkeit – zu bewältigen, haben rund 200 Akteure aus Wirtschaft und Politik auf der Metropolraumkonferenz der Industrie- und Handelskammern 2026 gemeinsame Forderungen erarbeitet.
Wenn Partnerschaftlichkeit weitergedacht wird, Einspar- und Effizienzpotenziale gemeinsam genutzt und Kooperation auf eine neue Ebene gehoben werden, kann aus dieser gewachsenen Verflechtung ein noch stärkerer Zukunftsraum entstehen mit der Kraft, Großes für Wirtschaft, Beschäftigung und Lebensqualität in der Metropolregion zu schaffen.
Fachkräfte
1. Integrierte Fachkräfte- und Arbeitsmarktstrategie für die Metropolregion
Der Fach- und Arbeitskräftemangel stellt für die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg eine zentrale Herausforderung dar, wird jedoch bislang weitgehend getrennt adressiert. Angesichts enger wirtschaftlicher Verflechtungen und großer Pendlerströme ist eine isolierte Strategie nicht zeit-gemäß und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Metropolregionen. Beide Länder müssen daher eine gemeinsame, integrierte Fachkräfte- und Arbeitsmarktstrategie entwickeln, die regionale Disparitäten berücksichtigt und eine ausgewogene Entwicklung des gesamten Wirtschaftsraums sicherstellt.
2. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit und gemeinsame Anwerbung stärken
Die bestehenden Strukturen der Fachkräftegewinnung und -vermittlung enden häufig an Landesgrenzen, obwohl Arbeitsmärkte und Unternehmen längst eng miteinander verflochten sind. Dies führt zu Ineffizienzen und bleibt hinter den tatsächlichen Bedarfen der Wirtschaft zurück, während die internationale Konkurrenz eine abgestimmte Positionierung erfordert. Behörden müssen daher enger und verbindlicher zusammenarbeiten und die Vermittlung in Ausbildung und Arbeit systematisch über Landesgrenzen hinweg organisieren. Zudem braucht es gemeinsame Anwerbestrategien, um die Metropolregion als zusammen-hängenden und zugleich vielfältigen Arbeits- und Lebensraum sichtbarer und attraktiver für internationale Fachkräfte zu machen.
3. Attraktive Rahmenbedingungen für Fachkräfte sichern und ausbauen
Die langfristige Bindung von Fachkräften hängt nicht allein von unternehmerischen Faktoren ab, sondern von der Attraktivität des gesamten Standorts. Entscheidend sind dabei bedarfsorientierte Arbeitsbedingungen, bezahlbarer Wohnraum und eine leistungsfähige Infrastruktur Dafür braucht es eine abgestimmte Infrastrukturplanung, ausreichend Wohnangebote sowie die Förderung flexibler und moderner Arbeitsmodelle. Nur wenn Mobilität, Wohnen und Arbeitsqualität im gesamten Metropolraum zusammen gedacht und gestaltet werden, kann Fachkräftebindung nachhaltig erfolgreich gelingen.
Gewerbeflächen im Wandel
4. Koordinierte Flächenpolitik notwendig - Potenziale der Hauptstadtregion besser nutzen
Für eine wettbewerbsfähige Hauptstadtregion bedarf es einer koordinierten länderübergreifenden Planung, Entwicklung und Vermarktung von Industrie- und Gewerbeflächen. Berlin und Brandenburg müssen hierfür gemeinsame Strategien entwickeln und finanzieren, um Engpässe zu reduzieren, Abwanderung zu vermeiden und Wachstum zu sichern.
5. Schneller Ausbau der Energieinfrastruktur als Schlüssel für neue Industrie- und Gewerbegebiete in der Metropolregion Berlin Brandenburg
Eine leistungsfähige, verlässliche und bezahlbare Energieversorgung entwickelt sich zunehmend zum zentralen Wettbewerbsfaktor für die erfolgreiche Entwicklung neuer Industrie- und Gewerbegebiete. Voraussetzung hierfür ist ein gezielter und beschleunigter Ausbau der Energieinfrastruktur – sowohl für die Integration erneuerbarer Energien als auch für die Sicherstellung ausreichender Kapazitäten insgesamt. Dafür bedarf es eines investitionsfreundlichen Rechtsrahmens sowie deutlich effizienterer Planungs- und Genehmigungsverfahren
6. Gewerbe und Wohnen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden - daher ist eine regionale Flächenpolitik notwendig, die Wohnraum schafft aber zugleich Gewerbeflächen sichert, entwickelt und vor Umnutzung schützt
Der Metropolraum Berlin-Brandenburg braucht beides - verlässliche Flächen für Unternehmen, damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze erhalten bleiben und auch weiter-entwickelt bzw. neu geschaffen werden können, aber auch ausreichend Wohnraum für Beschäftigte. Daher müssen Gewerbe und Wohnraum gleichrangig betrachtet und länderübergreifend geplant werden. Gewerbeflächen sind konsequent zu sichern, zu entwickeln und zu schützen. Nur so kann die Metropolregion wirtschaftlich stark, lebenswert und zukunftsfähig bleiben.
Großveranstaltungen
7. Großveranstaltungen sind ein Wachstumsmotor für die Region
Die Ausrichtung von Großveranstaltungen muss stärker strategisch als Motor für Wachstum, Innovation und inter-nationale Sichtbarkeit der Hauptstadtregion verstanden und umgesetzt werden. Für aktuelle Projekte, wie die Expo 2035 sowie Olympische und Paralympische Spiele 2040/2044 gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass erhebliche Potenziale für Investitionen in Infrastruktur, Tourismus, Fachkräftegewinnung und nachhaltige Stadtentwicklung bestehen. Insbesondere kann die internationale Anbindung auf ein neues Level gehoben werden: Mit mehr Langstreckenverbindungen am BER wird die Attraktivität der Gesamtregion für Unternehmen, Fachkräfte, Investoren und Gäste erhöht.
8. Großveranstaltungen im Metropolraum jetzt gemeinsam voranbringen
Wir appellieren an die Länder Berlin und Brandenburg, gemeinsame Vorhaben jetzt entschlossen voranzutreiben, Kräfte zu bündeln und klare politische Signale für eine abgestimmte Bewerbung zu setzen. Die Wirtschaft fordert insbesondere jetzt ein klares „JA!“ und die Unterstützung für die Expo 2035. Nur im Schulterschluss kann die Region ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Standortvergleich stärken.
9. Neue Wege der Länderkooperation schaffen
Für die Zukunft braucht es verlässliche und effizientere Strukturen für die länderübergreifende Zusammenarbeit: gemeinsame Steuerungs- und Entscheidungsformate, schnelle Abstimmungswege sowie verbindliche Zuständigkeiten. Kooperative Formate, wie gemeinsame Kabinettsitzungen und die Parlamentarische Konferenz der Länder sowie die Kommunalen Nachbarschaftsforen müssen auch diese Vorhaben stärker in den Fokus nehmen. So lassen sich auch zukünftig Großprojekte besser planen, koordinieren und umsetzen.
Ausblick
Um Wachstum zu sichern, Innovationskraft zu stärken und die Lebensqualität in der gesamten Region zu erhalten, braucht die Metropolregion ein neues Niveau verbindlicher Zusammenarbeit. Die Hauptstadtregion kann ihre Potenziale nur dann voll entfalten, wenn sie konsequent als gemeinsamer Wirtschafts- und Lebensraum gedacht und gestaltet wird.
Die vorliegenden Forderungen formulieren zentrale Erwartungen der Wirtschaft an die Politik und markieren einen gemeinsamen Handlungsrahmen für die weitere Entwicklung der Metropolregion. Gleichzeitig ist die Wirtschaft bereit, die Umsetzung aktiv zu begleiten und ihren Beitrag zu leisten, um die identifizierten Zukunftsaufgaben gemeinsam und wirkungsvoll voranzubringen
Die vorliegenden Forderungen formulieren zentrale Erwartungen der Wirtschaft an die Politik und markieren einen gemeinsamen Handlungsrahmen für die weitere Entwicklung der Metropolregion. Gleichzeitig ist die Wirtschaft bereit, die Umsetzung aktiv zu begleiten und ihren Beitrag zu leisten, um die identifizierten Zukunftsaufgaben gemeinsam und wirkungsvoll voranzubringen