IHK-Arbeitsmarktradar: Arbeitskräftelücke wächst weiter – Unternehmen geraten unter Druck
Es ist ein ambivalentes Bild: Auf der einen Seite zeigt sich der Arbeitsmarkt im März 2026 weiterhin schwach, mit einer nur schwachen Frühjahrsbelebung und Arbeitslosenzahlen, die bundesweit über der Drei-Millionen-Marke verharren. Andererseits sorgt die demografische Entwicklung für ein sinkendes Arbeitskräfteangebot. Die Lücke am Arbeitsmarkt bleibt also auch in den kommenden Jahren ein prägendes Thema für die Wirtschaft im Coburger Raum und in ganz Oberfranken. Das zeigt der aktuelle IHK-Arbeitsmarktradar, der die Entwicklung bis 2029 als Szenario fortschreibt, das sich ergibt, wenn es so weitergeht wie bisher. Bereits heute fehlen in Bayern rund 140.000 Arbeitskräfte. Auch in Oberfranken verschärft sich die Situation weiter: Die Arbeitskräftelücke bis 2029 auf insgesamt über 30.000 steigen. Besonders betroffen sind Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung, sie machen mehr als die Hälfte der gesamten Lücke aus.
„Der Arbeitskräftemangel entwickelt sich zunehmend zur Wachstumsbremse für unsere Unternehmen. Er begrenzt Wachstum, verzögert Investitionen und entscheidet immer häufiger über die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Branchen“, sagt Björn Cukrowski, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter des Bereichs Standortpolitik der IHK zu Coburg. Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: In Bayern gehen durch fehlende Arbeitskräfte Wertschöpfungspotenziale in Milliardenhöhe verloren. Auch regional zeigt sich: Ohne diese Arbeitskräftelücke könnte die Wertschöpfung 3,2 Milliarden Euro beziehungsweise 7,2 Prozent höher liegen.
Besonders groß sind die Engpässe unter anderem im Verkauf sowie in technischen und logistischen Berufen. Gleichzeitig verschieben sich die Anforderungen: Während die Zahl klassischer Fachkräfte sinkt, steigt der Bedarf an hochqualifizierten Experten mit Master oder vergleichbarer Qualifikation, gefolgt von Spezialisten mit Fortbildungs- oder Bachelorabschluss.
Um gegenzusteuern, setzt die IHK zu Coburg gezielt auf frühe Berufsorientierung und eine stärkere Sichtbarkeit der dualen Ausbildung. Ein zentraler Ansatzpunkt ist es, junge Menschen frühzeitig für Perspektiven der dualen Berufsausbildung zu sensibilisieren und sie bei der Orientierung zu unterstützen. Dazu organisiert die IHK unter anderem ihre Berufsbildungsmesse, die in diesem Jahr am 23. und 24. Oktober stattfindet, die „Zeig dich“-Tour im Herbst sowie weitere innovative Angebote zur Berufsorientierung. Ziel ist es, mehr junge Menschen für eine duale Ausbildung zu gewinnen und so die Fachkräftebasis im Coburger Wirtschaftsraum nachhaltig zu stärken.
„Die Zahlen machen deutlich: Wir müssen alle Potenziale am Arbeitsmarkt konsequent nutzen. Dazu gehören eine stärkere Berufsorientierung, die Stärkung der dualen Berufsausbildung, die gezielte Weiterbildung sowie die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, so Cukrowski. Gleichzeitig, so betont er, sind auch die politischen Rahmenbedingungen entscheidend. Notwendig sind zusätzliche Anreize, um mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen und vorhandene Potenziale besser zu nutzen – etwa durch gezielte Qualifizierungsangebote für Arbeitsuchende sowie Maßnahmen zur höheren Erwerbsbeteiligung von Älteren und Frauen. Auch die Zuwanderung von Arbeitskräften gewinnt weiter an Bedeutung und sollte durch praktikable und verlässliche Regelungen unterstützt werden, um den Fachkräftebedarf langfristig zu decken.
Der Arbeitsmarktradar zeigt zudem, dass demografische Entwicklungen den Arbeitsmarkt langfristig belasten. Ohne zusätzliche Zuwanderung und steigende Erwerbsbeteiligung droht ein spürbarer Rückgang der Beschäftigung. Für die Unternehmen gilt damit mehr denn je: Fachkräftesicherung ist keine Option – sondern Voraussetzung für Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit im Coburger Wirtschaftsraum.
Den ausführlichen Arbeitsmarktradar der IHK zu Coburg finden Sie hier.
