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Südwestsachsen braucht ausländische Fachkräfte

Wie ein Kleidungsstück für Nachwuchs sorgt

Mit dem Boubou macht die Curt Bauer GmbH aus Aue nicht nur gute Geschäfte in Westafrika. Das traditionelle Gewand aus dem Senegal, das von Männern und Frauen gleichermaßen getragen wird, sorgt auch dafür, den Fachkräftemangel ein Stück weit zu lindern. 
„Vor etwas mehr als drei Jahren nahm Abdoulaye Balde, der als Flüchtling aus Guinea nach Deutschland kam, an einer Betriebsführung bei uns teil. Er konnte nicht glauben, dass die traditionellen westafrikanischen Gewänder bei uns hergestellt werden“,
sagt Geschäftsführer Gert Bauer.
Weil dem 21-Jährigen gefiel, was er sah, bewarb er sich um einen Ausbildungsplatz und wurde genommen. Zum Glück muss man heute sagen, denn Gert Bauer und seinem Team fehlte es an den passenden Bewerberinnen und Bewerbern.
Dabei hat das Unternehmen aus dem Erzgebirge dem Nachwuchs von der Ausbildungsvergütung nach Flächentarifvertrag über Urlaubs- und Weihnachtsgeld bis hin zu den guten Übernahmechancen nach der Ausbildung allerhand zu bieten. Die Zahl der Bewerbungen für die sechs Ausbildungsplätze in Weberei, Veredlung, Lager und Büro geht dennoch seit Jahren zurück.
Abdoulaye Balde kam da also gerade richtig. Mit der Ausbildung des jungen Mannes war das Unternehmen so zufrieden, dass im September die nächsten afrikanischen Lehrlinge begonnen haben.
Mohammed Khalifa Touray (24) aus Gambia lernt Maschinen- und Anlagenführer in der Veredlung und Nogoussan Fofana (19), eine junge Frau von der Elfenbeinküste, die als Bootsflüchtling übers Mittelmeer kam, lässt sich zur Maschinen- und Anlagenführerin Weberei ausbilden. Beide werden 2025 ihre Ausbildung abschließen. Auch sie sind Asylbewerber mit Aufenthaltserlaubnis.
Dass die beiden in Aue angefangen haben, ist Abdoulaye Balde zu verdanken, der für die Curt Bauer GmbH in der afrikanischen Gemeinschaft kräftig die Werbetrommel gerührt hat.  
„Die jungen Afrikaner sind hoch motiviert, weil sie mit der Ausbildung etwas erreichen wollen und wissen, dass ihnen das auch gelingen wird“,
sagt Gert Bauer.
Trotz Sprachbarrieren seien die jungen Leute von den 120 Mitarbeitenden gut aufgenommen worden – die meisten hätten verstanden, dass für den Fortbestand des Unternehmens eben auch der Nachwuchs wichtig sei. Für Gert Bauer ist die Tätigkeit der Afrikaner in der Produktion ein gutes Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann.
„Hier sehen die Menschen, dass die Ausländer nicht nur nach Deutschland kommen, um Geld abzufassen, sondern für ihr Geld auch arbeiten wollen“,
sagt er. Neben den Afrikanern arbeiten noch drei Rumänen und ein Tscheche bei der Curt Bauer GmbH. Gibt es Probleme, werden diese offen angesprochen. Eine Welt, in der sich jeder immer mehr abschottet, ist für Gert Bauer ein Graus: denn 60 Prozent der Produkte von Bett- bis Tischwäsche gehen in den Export, 40 Prozent werden im Inland verkauft.

Autor: Christian Wobst