PM 10 | 10.12.2025

Ergebnis der Konjunkturumfrage in der Tourismusbranche

Hohe Kostenbelastung und sinkende Gewinne führen zu einer schlechten Stimmung in der Tourismusbranche
Detailauswertung aus der Konjunkturumfrage der IHK Chemnitz zur Situation in der Gastronomie, in der Beherbergung und bei den Reisedienstleistern
Die aktuelle wirtschaftliche Verunsicherung und gestiegene Preise schlagen sich in einer allgemeinen Konsumzurückhaltung nieder. Während sich Reisedienstleister wegen der anhaltend großen Reiselaune insgesamt noch gut behaupten, spüren die gastgewerblichen Betriebe in Südwestsachsen Zurückhaltung im Ausgehverhalten und Einsparungen im Konsum. Diese Situation zeigt sich auch im Stimmungsbild der Tourismusbranche in der aktuellen Konjunkturumfrage.
Reisebüros und-veranstalter: die Hochstimmung ist vorüber
Während 41 Prozent der Reisedienstleister in der aktuellen Konjunkturumfrage ihre Geschäftssituation als gut bewerten, sind 18 Prozent mit der Lage unzufrieden. 65 Prozent der Unternehmen geben an Gewinne zu erzielen. 38 Prozent der Betriebe verzeichnen im Vergleich zum Vorjahr eine verschlechterte Ertragslage. Für die nächsten zwölf Monate geht ein Viertel der Umfrageteilnehmer von einer sich eintrübenden Geschäftslage mit stagnierenden Umsätzen aus.
Insgesamt sind die Befragungsergebnisse weniger optimistisch als noch zum Jahresbeginn. Dennoch hat sich die Beschäftigtenzahl in fast einem Viertel der befragten Unternehmen erhöht. 77 Prozent der Reiseveranstalter und -büros wollen ihre Beschäftigtenzahl in den nächsten zwölf Monaten auf diesem Niveau halten. Trotzdem können offene Stellen bei fast 50 Prozent der Unternehmen weiterhin nicht zeitnah besetzt werden.
Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass die Reiseaktivitäten nach Südwestsachsen positiv auf die Tourismusentwicklung der Region einzahlen. Das Kulturhauptstadtjahr hat sichtliche Effekte im Raum Chemnitz-Zwickau-Erzgebirge hinterlassen. Dennoch spiegelt das Stimmungsbarometer in Gastronomie und Beherbergung den Kosten- und Personaldruck wider.
Gastronomie: Kein Optimismus aufgrund anhaltender Kostenbelastung
Als trüb präsentiert sich die Stimmung in den gastronomischen Betrieben. 30 Prozent der Unternehmer schätzen die Geschäftslage als schlecht ein, jedoch nur 15 Prozent bewerten die gegenwärtige Entwicklung als gut.
Verfügbare Arbeitskräfte sind laut den Umfrageergebnissen weiterhin rar. Bei einem Drittel der Umfrageteilnehmer hat sich die Beschäftigtenzahl verringert. 62 Prozent geben an, dass ihre betrieblichen Abläufe durch einen Mangel an Arbeitskräften gestört sind. 33 Prozent der Unternehmer können längerfristig offene Stellen nicht besetzen.
Knapp 80 Prozent verzeichnen eine schlechtere Ertragslage. Dabei verbuchen 56 Prozent gestiegene oder gleichbleibende Umsätze. Die Unternehmen sind jedoch anhaltend durch hohe Energie-, Arbeits- und Warenkosten belastet. 33 Prozent der Unternehmer geben an ohne Gewinn zu arbeiten. Das führt in der Branche zu Eigenkapitalrückgängen und Liquiditätsverlusten.
Die Kostenbelastungen beherrschen auch die Prognosen für die nächsten 12 Monate. 65 Prozent der Unternehmer gehen von einer gleichbleibenden und 35 Prozent von einer sich verschlechternden Geschäftslage aus. Die Angaben zu geplanten Investitionsausgaben zeigen, dass die Branche weiterkämpft: In 62 Prozent der Unternehmen soll in den kommenden zwölf Monaten investiert werden. Zwar fokussiert man zumeist nur auf Ersatzbeschaffungen (81 Prozent). Zusätzlich strebt ein Viertel der Betriebe Innovationen in den Betriebsprozessen an.
Beherbergung: Sommersaison ohne große Euphorie
Die Geschäftslage im Beherbergungsgewerbe stellt sich nach den Aussagen zur Herbstumfrage stabiler als in der Gastronomie, jedoch keineswegs optimistisch dar. Über ein Drittel berichtet von einer guten Geschäftslage, während 18 Prozent auf eine schlechte wirtschaftliche Situation verweisen. Rund die Hälfte der Beherberger hat im Vergleich zum Sommer-Ergebnis des letzten Jahres verringerte Erträge erzielt. 29 Prozent wirtschaften derzeit mit einem Verlust. Zwei Drittel gehen in ihrer Prognose von einer gleichbleibenden Geschäftslage für die kommenden zwölf Monaten aus.
Die verhaltene Wirtschaftslage führt bei 36 Prozent der Unternehmen zur Verringerung des Eigenkapitals. Fast ein Viertel der Hotel- und Pensionsbetreiber beklagt Liquiditätsengpässe.
Die Beschäftigtenzahl ist in 85 Prozent der Betriebe in den vergangenen Monaten gleichgeblieben. Die Hälfte der Betriebe gibt an, durch Arbeitskräftemangel in den Betriebsabläufen beeinträchtigt zu sein. Es werden aktuell sowohl Fachkräfte mit dualer Ausbildung als auch ungelernte Helfer gesucht. 84 Prozent der Unternehmer wollen an ihrer derzeitigen Beschäftigtenzahl festhalten.
Die Energiekosten werden von 88 Prozent der Umfrageteilnehmer als Geschäftsrisiko wahrgenommen, gefolgt von den Arbeitskosten und steigenden Warenkosten.
Die allgemein wahrgenommene Planungsunsicherheit lässt die Investitionsneigung weiterhin sinken. Während 28 Prozent der Unternehmer ihre Investitionen auf gleichem Niveau halten möchten, beabsichtigen nur 14 Prozent ihre Investitionssumme zu steigern. Dabei steht als überwiegendes Investitionsvorhaben die Ersatzbeschaffung (85 Prozent) im Fokus. Jedoch gewinnen auch Rationalisierungsmaßnahmen (42 Prozent) an Bedeutung.
Um die Perspektiven für 2026 zu verbessern, sind aus Sicht der IHK Chemnitz dringend Entlastungen und Investitionsanreize für die Tourismusbranche notwendig.