PM 06 | 22.05.2026

Gastgewerbe unter Druck

Detailauswertung der Konjunkturumfrage

Die angespannte Stimmung in der Wirtschaft und die allgemeine Verunsicherung der Bevölkerung spiegeln sich deutlich in der Lagebeschreibung der gastgewerblichen Betriebe sowie der Reisebranche in der aktuellen Frühjahrsumfrage der IHK Chemnitz wider.
Beherbergung: Preisentwicklungen lassen Erträge schrumpfen
Nach Angaben der beteiligten Unternehmen hat sich die wirtschaftliche Lage von Hotels, Pensionen und anderen Beherbergungsbetrieben verschlechtert. Während 23 Prozent eine gute Geschäftslage melden, bewerten 29 Prozent ihre Situation als schlecht. Vor einem halben Jahr lag dieser Wert noch bei 18 Prozent.
Obwohl die Umsätze überwiegend stabil bleiben, müssen derzeit 43 Prozent der Befragten sinkende Erträge hinnehmen. Nur 26 Prozent erwirtschaften nach eigenen Angaben Gewinne. Entsprechend angespannt ist die Finanzlage: 44 Prozent der Unternehmen berichten von rückläufigem Eigenkapital.
Der Fachkräftemangel, in der Vergangenheit ein prägendes Problem, verliert aktuell etwas an Bedeutung. Nur noch 29 Prozent sehen Beeinträchtigungen im Geschäftsablauf durch fehlendes qualifiziertes Personal – im Herbst des Vorjahres lag dieser Anteil noch bei rund 50 Prozent.
Mit Blick auf die kommenden Monate bleiben die Erwartungen gedämpft: 40 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer ungünstigen Entwicklung, wobei 36 Prozent insbesondere von sinkenden Umsätzen ausgehen. Auf der Kostenseite sehen nahezu alle Befragten die Entwicklung der Energiepreise als erhebliches Risiko. Auch steigende Ausgaben für Materialien, Waren, Kraftstoffe und Personal belasten die Ertragserwartungen.
Trotz der angespannten Lage plant die Mehrheit (83 Prozent), den Personalbestand stabil zu halten. Zudem wollen 45 Prozent in gleichbleibendem Umfang investieren, 16 Prozent sogar mehr als bisher. Der Fokus liegt überwiegend auf Ersatzinvestitionen, jedoch planen überraschend 32 Prozent Kapazitätserweiterungen. Weitere 29 Prozent prüfen Rationalisierungsmaßnahmen in ihren Abläufen.
Gastronomie: Verschlechterte Ertragslage hemmt Investitionen
In der Gastronomie bewerten 61 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als befriedigend. Nur neun Prozent sprechen von einer guten Lage, während 30 Prozent ihre Situation als schlecht einschätzen. Die allgemeine Konsumzurückhaltung zeigt sich deutlich im Verhalten der Gäste: Jeder zweite Betrieb berichtet von rückläufigen Umsätzen.
In Kombination mit steigenden Kosten führt dies bei 63 Prozent der Betriebe zu einer verschlechterten Ertragslage. Rund 29 Prozent arbeiten derzeit mit Verlust. Für 70 Prozent der Unternehmen hat dies spürbare Eigenkapitalrückgänge zur Folge.
Die Beschäftigtenzahl bleibt bislang mehrheitlich stabil (74 Prozent). Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel ein zentrales Problem: 54 Prozent der Betriebe berichten weiterhin von Einschränkungen im Betriebsablauf aufgrund fehlenden Fachpersonals.
Während im Herbst 2025 noch 67 Prozent der Betriebe von gleichbleibenden oder besseren Geschäften ausgingen, erwartet aktuell keiner der Befragten eine Verbesserung. Die Hälfte rechnet vielmehr mit einer weiteren Verschlechterung der Lage. Als wesentliche Risiken gelten die Entwicklung der Energie-, Kraftstoff- und Warenpreise sowie steigende Personalkosten.
Die angespannte Situation wirkt sich auch auf die Investitionsbereitschaft aus: 52 Prozent der Unternehmer investieren weniger als im Vorjahr, 14 Prozent können sich Investitionen gar nicht mehr leisten. Verfügbare Mittel fließen überwiegend in Ersatzbeschaffungen, etwa ein Viertel der Betriebe plant zudem Rationalisierungsmaßnahmen.
Reisebüros und -veranstalter: Zögerliche Nachfrage durch politische und wirtschaftliche Krisen
Kriege und wirtschaftliche Unsicherheiten beeinflussen das Reiseverhalten deutlich. Weniger ein genereller Verzicht auf Reisen als vielmehr eine höhere Preissensibilität, kurzfristigere Buchungen und veränderte Reisepläne prägen derzeit die Nachfrage. Diese Entwicklungen belasten Reisebüros und -veranstalter in Südwestsachsen spürbar.
Der aktuelle Klimaindex liegt bei 55,9 Punkten und damit deutlich unter dem Wert von 100,9 Punkten im Herbst 2025. Ursache sind sowohl eine stark negative Einschätzung der aktuellen Lage als auch pessimistische Erwartungen.
Nur noch sechs Prozent der befragten Unternehmen berichten von einer guten Geschäftslage (vor eine halben Jahr 41 Prozent), während 44 Prozent ihre Situation als schlecht bewerten. Vor allem die schwache Nachfrage und sinkende Einnahmen bereiten Sorge: Bei 57 Prozent sind die Umsätze zurückgegangen, mehr als die Hälfte verzeichnet eine schlechtere Ertragslage. Lediglich 38 Prozent erzielen noch Gewinne, während 19 Prozent Verluste schreiben. Entsprechend berichten ebenso viele Unternehmen von Eigenkapitalrückgängen. Zudem geben 19 Prozent Forderungsausfälle an.
Mehr als die Hälfte der Unternehmen erwartet eine weitere Verschlechterung der Geschäftslage und rechnet mit zusätzlichen Umsatzrückgängen. Als Risiken werden insbesondere die Entwicklung der Kraftstoffpreise sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen infolge der unsicheren Weltlage genannt.
Dennoch halten 88 Prozent der Betriebe an ihrem Personalbestand fest. Geeignete Fachkräfte sind jedoch schwer zu finden: Fast ein Drittel der Unternehmen sieht weiterhin Beeinträchtigungen im Betriebsablauf durch Personalmangel.
In dieser, nach der Corona-Pandemie erneut schwierigen Situation, bleibt vielen Reisebüros und -veranstaltern vor allem die Hoffnung auf eine Entspannung der internationalen Krisenlagen. Diese wäre entscheidend, um weitere Preissteigerungen zu vermeiden und den Kunden auch künftig sicheres Reisen mit einer breiten Angebotsvielfalt zu ermöglichen.