Südwestsachsen zwischen Kraftverlust & Potenzial
Ergebnisse der QUANT-Modell® Regionalanalyse
Die Region Südwestsachsen ist erschöpft und energetisch im Abstieg, dennoch zeigt sich noch immer Kampfgeist und Überlebenswille. Die Region verfügt über schlummerndes Potenzial, das leicht aktiviert werden kann.
Das ist das Ergebnis der QUANT-Modell® Regionalanalyse in Südwestsachsen, die über einen Zeitraum von 8 Monaten (November 2024 - Juli 2025) durchgeführt wurde. Knapp 200 Wirtschaftsakteure haben an der Regionalanalyse teilgenommen.
Dafür wurden sowohl Unternehmer aus den Bereichen Handel, Dienstleistung, Handwerk und Produktion als auch Behörden, Bildungseinrichtungen, Institutionen und Arbeitnehmer befragt. Wichtig waren dabei besonders die Aufdeckung von Diskrepanzen in der Wahrnehmung zwischen verschiedenen Wirtschaftsakteuren z.B. zwischen Unternehmern und Behörden und die Identifikation spezifischer Bereiche zur Stärkung und Förderung der regionalen Wirtschaft.
Die QUANT-Modell® Analysen ermitteln den Energiestatus eines Systems und damit aktuelle Wachstumschancen, Gefahren und Zukunftstendenzen. In enger Zusammenarbeit zwischen der IHK Chemnitz/ReUnion Sachsen und QUANT-LEADING® wurde das Modell mit Südwestsachsen erstmals auf eine Region angewendet. Gemessen wurde dabei die Ausprägung folgender Energien: Quellenenergie, Umsetzungsenergie, Analytisch-administrative Energie sowie Nähe- und Beziehungsenergie.
Positiv herausgestellt wurden durch die Befragten eine starke regionale Identität und Netzwerke, ausgeprägte Qualitätsorientierung, gründliche Verwaltungsprozesse und eine hohe Prozesssicherheit und Beständigkeit.
Negativ schlugen überbordende Bürokratie und Verwaltung, mangelnde Energie und Zukunftsperspektive, erschwerte Wertschöpfung für Unternehmen sowie Risikoaversion und Innovationshemmung zu Buche.
Die Region und ihre Wirtschaftsstruktur analysiert hat auch die Initiative Transformation Automobilregion Südwestsachsen (ITAS). Sie begleitet seit Juli 2022 Zulieferer und ihre Beschäftigten bei der Transformation des Automobil-Sektors und unterstützt regionalen Unternehmen mit spezifischen Angeboten. Gefördert wurde es bisher vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Kürzlich wurde die Laufzeit vom Bund um ein Jahr verlängert.
Nach drei Jahren Projektlaufzeit wird die wirtschaftliche Lage der Region unter anderem wie folgt beschrieben: Die Automobilindustrie trägt maßgeblich zur Bruttowertschöpfung und damit zum Wohlstand der Region bei. An ihr hängen viele Arbeitsplätze gut ausgebildeter Fach- und Arbeitskräfte.
Nach drei Jahren Projektlaufzeit wird die wirtschaftliche Lage der Region unter anderem wie folgt beschrieben: Die Automobilindustrie trägt maßgeblich zur Bruttowertschöpfung und damit zum Wohlstand der Region bei. An ihr hängen viele Arbeitsplätze gut ausgebildeter Fach- und Arbeitskräfte.
„Insgesamt sind in der regionalen Wertschöpfungskette rund 135.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. Dies entspricht einem Viertel der Gesamtbeschäftigung in Südwestsachsen. Weitere rund 84.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte entfallen auf die angrenzenden Branchen Mobilität und Logistik. Damit zählt der Anteil derer, die entlang der automobilen Wertschöpfungskette beschäftigt sind, zu den höchsten im gesamten Bundesgebiet“,
sagt Projektleiter Patrick Korn.
„Dass in Südwestsachsen, wie in Ostdeutschland insgesamt, nur wenige eigenständige und viele extern gesteuerte Unternehmen angesiedelt sind, erweist sich als anhaltende Herausforderung Die sich weiter zuspitzende Personalsituation infolge eines demografischen Wandels, der bereits deutlicher vorangeschritten ist als in den alten Bundesländern, verkompliziert die Aufgabe zusätzlich“,
erklärt Martin Witschaß, IHK-Geschäftsführer Standortpolitik.
Die Standortattraktivität sei in Bezug auf die Verkehrsanbindung, die Demografie oder den Arbeitsmarkt im bundesweiten Vergleich unterdurchschnittlich, so Witschaß weiter. Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit in der strukturprägenden Automobilindustrie sei, unternehmensstrukturell bedingt, in Südwestsachsen eher schwach ausgeprägt. Auch die Löhne seien vergleichsweise niedrig. Abwanderungsdynamiken prägten Südwestsachsen deutlich stärker als viele andere Regionen.
Martin Witschaß weiter:
Die Standortattraktivität sei in Bezug auf die Verkehrsanbindung, die Demografie oder den Arbeitsmarkt im bundesweiten Vergleich unterdurchschnittlich, so Witschaß weiter. Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit in der strukturprägenden Automobilindustrie sei, unternehmensstrukturell bedingt, in Südwestsachsen eher schwach ausgeprägt. Auch die Löhne seien vergleichsweise niedrig. Abwanderungsdynamiken prägten Südwestsachsen deutlich stärker als viele andere Regionen.
Martin Witschaß weiter:
„Die gegenwärtige Krise in Südwestsachsen inmitten des drängenden Transformationsdrucks stellt kein singuläres Ereignis dar. Sie reiht sich ein in eine Geschichte wiederholter Strukturbrüche, die die Region tief geprägt haben. Die angekündigte Reduzierung der Produktionsumfänge bei Volkswagen in Zwickau ist somit nicht nur Ausdruck unternehmerischer Strategien oder branchenspezifischer Transformation. Vielmehr spiegelt sie eine tiefere strukturelle Fragilität wider, die historisch gewachsen ist.“
Südwestsachsen stehe daher nicht nur vor der Herausforderung, die aktuelle Krise zu bewältigen, sondern ist aufgefordert, aus der wiederkehrenden Erfahrung externer Abhängigkeit und abrupter Umbrüche eine neue, resilientere Entwicklungsstrategie zu entwickeln. Die gegenwärtige Transformation eröffnet dabei auch die Chance, um auf höhere Wertschöpfung, unabhängige Innovationsfähigkeit und tragfähige regionale Strukturen zu setzen.