Express-Betriebsprüfung in Sachsen
Jetzt den Praxistest konsequent nutzen
Die Dauer steuerlicher Betriebsprüfungen gehört seit Jahren zu den Themen, die Unternehmen immer wieder beschäftigen. Lange Prüfungszeiträume binden Personal, verursachen Unsicherheiten und erschweren die betriebliche Planung. Umso erfreulicher ist es, dass der Freistaat Sachsen mit der Pilotierung der sogenannten Express-Betriebsprüfung einen neuen Weg erprobt.
Seit 2026 wird das Konzept in den Betriebsprüfungsstellen Bautzen, Freiberg, Leipzig I und Plauen getestet. Ziel ist es, Betriebsprüfungen deutlich effizienter, planbarer und für beide Seiten ressourcenschonender durchzuführen. Bei erfolgreicher Erprobung soll das Verfahren ab 2027 schrittweise landesweit in allen 16 Betriebsprüfungsstellen der sächsischen Finanzverwaltung eingeführt werden.
Kooperation statt Überraschungen
Kern des zwischen Kammervertretern und der sächsischen Finanzverwaltung im April 2026 in der IHK Chemnitz abgestimmten Konzeptes ist eine frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Finanzverwaltung. Interessierten Unternehmen wird dabei die Möglichkeit eingeräumt, mit der Betriebsprüfung eine besonders zügige und effiziente Durchführung der Prüfung zu vereinbaren.
Die Prüfungsschwerpunkte werden risikoorientiert festgelegt und dem Unternehmen frühzeitig mitgeteilt. Auf dieser Grundlage schließen die Beteiligten zu Beginn der Prüfung eine schriftliche Vereinbarung zum Prüfungsablauf.
Pilotiert werden zwei unterschiedliche Modelle der Express-Betriebsprüfung. In einer Variante erhalten Unternehmen das Angebot zur Express-Betriebsprüfung, wenn sie ihre Daten frühzeitig bereitstellen. Dadurch kann der Prüfer die Prüfungsschwerpunkte bereits vor dem Eröffnungsgespräch festlegen.
In der zweiten Variante wird das Angebot grundsätzlich bereits gemeinsam mit der Prüfungsanordnung unterbreitet. In beiden Fällen erhalten Unternehmen vorab den Entwurf der Vereinbarung und können sich auf den Ablauf einstellen.
Klare Ziele: weniger Belastung, kürzere Verfahren
Die Express-Betriebsprüfung verfolgt ehrgeizige Ziele. Sowohl die Dauer der Prüfung als auch die Belastung des Unternehmens sollen auf das notwendige Maß begrenzt werden. Zwischen Prüfungsbeginn und Bekanntgabe des Prüfungsberichts sollen grundsätzlich nicht mehr als 90 Tage liegen.
Dazu gehören unter anderem:
- risikoorientierte Festlegung des Prüfungsumfangs,
- frühzeitige Bereitstellung der benötigten Daten,
- möglichst viele Prüfungshandlungen in den Geschäftsräumen des Unternehmens,
- ein direkter und kontinuierlicher Austausch zwischen Prüfern und Unternehmen,
- die Benennung einer festen Ansprechperson während der Prüfung.
Bewertung aus Sicht der Wirtschaft
Mit der Express-Betriebsprüfung erfolgt eine konsequente praktische Umsetzung des gemeinsam von den sächsischen Industrie- und Handelskammern und der Steuerverwaltung entwickelten Strategiepapiers zur Vereinfachung des Steuervollzugs.
Das Pilotprojekt überführt die dort vereinbarten Grundsätze – Kooperation, Risikoorientierung, frühzeitigen Datenaustausch und beschleunigte Verfahren – in einen konkreten Prüfungsablauf.
Unternehmen profitieren insbesondere von einer höheren Planungssicherheit und einer zeitlich deutlich besser kalkulierbaren Betriebsprüfung. Werden Prüfungsschwerpunkte frühzeitig benannt, können Unterlagen gezielt vorbereitet und personelle Ressourcen effizient eingesetzt werden. Das reduziert nicht nur den Verwaltungsaufwand, sondern schafft auch mehr Transparenz für beide Seiten.
Gleichzeitig zeigt das Projekt einen grundlegenden Kulturwandel im Steuervollzug: Weg von möglichst umfassenden Prüfungen, hin zu einer risikoorientierten und kooperativen Zusammenarbeit. Gerade für Unternehmen, die ihre steuerlichen Pflichten ordnungsgemäß erfüllen und bereit sind, aktiv mitzuwirken, bietet dieser Ansatz erhebliche Vorteile.
Fazit
Die Express-Betriebsprüfung kann ein wichtiger Beitrag zum Bürokratieabbau und zu einer modernen Steuerverwaltung werden. Voraussetzung ist jedoch, dass der angekündigte partnerschaftliche Ansatz in der Praxis funktioniert und die Verfahren tatsächlich schneller abgeschlossen werden.
Rückmeldungen aus der Praxis zur Express-Betriebsprüfung
Die IHK Chemnitz wird die Pilotphase weiterhin begleiten und sich dafür einsetzen, dass Erfahrungen der Unternehmen in die weitere Ausgestaltung der Express-Betriebsprüfung einfließen.
Ihre Rückmeldungen hierzu nimmt Herr Thümmel, Telefon: 0371/6900-1530, E-Mail: michael.thuemmel@chemnitz.ihk.de, bis zum 28.10.2026 gern entgegen.