Handelshemmnisse auf Rekordniveau

Going International 2026

Auch wenn der Pessimismus der auslandsaktiven deutschen Unternehmen abnimmt, sehen sie doch massiven Gegenwind für freien Welthandel: Die DIHK-Umfrage Going International 2026 zeichnet ein ambivalentes Stimmungsbild.
Die Geschäftserwartungen im Auslandsgeschäft hellen sich leicht auf, bleiben aber insgesamt negativ. 69 Prozent der 2.400 international aktiven Unternehmen, die sich an der Umfrage im Februar 2026 beteiligt haben, berichten von steigenden Handelshemmnissen – ein Allzeithoch. Besonders die US-Zollpolitik, neue Exportkontrollen sowie komplexe Regulierung aus Deutschland und der EU setzen die exportorientierte deutsche Wirtschaft unter Druck. Lichtblicke gibt es in Indien und Teilen Lateinamerikas.

Was meinten die befragten Unternehmen im Kammerbezirk Südwestsachsen?

Die Abkehr der großen Mächte vom Freihandel trifft die Wirtschaft hart: Höhere oder unkalkulierbare Zölle als immer drückenderes Handelshemmnis beklagen 61 Prozent der Firmen im Kammerbezirk Chemnitz, die an der jährlichen Umfrage der Industrie- und Handelskammern vom 2. bis 13. Februar 2026 teilgenommen haben. Verschärfte Exportkontrollen, die Bumerangeffekte insbesondere bei Dual-Use-Gütern verhindern sollen, machen 39 Prozent der Unternehmen zu schaffen – verschärfte Anforderungen an lokale Sicherheits- und Zertifizierungsregeln nicht einbegriffen.
Die stärksten Hürden in Zollfragen treten bei Exporten in die USA auf – mit 82 Prozent sind nicht ganz so viele Firmen in Südwestsachsen betroffen wie bundesweit (86 %). Im Bestandsgeschäft gehen 42 Prozent der Firmen von gleichbleibenden Beziehungen aus, was für erhebliche Anpassungskräfte unter gewachsenen Kunden spricht – dagegen ist im Schnitt aller Firmen im Bezirk (auch ohne US-Geschäft) nur jede Fünfte zu neuen Investitionen mit USA-Bezug bereit. Wer trägt die höheren Zölle? 66 Prozent der Firmen mit US-Geschäft geben die Kosten an Kunden bzw. Importeure weiter, 24 Prozent geben an, die Zollkosten selbst zu tragen.
Positiv sind die Freihandelsabkommen mit Indien und den Mercosur-Staaten in Lateinamerika hervorzuheben, die zugleich auf Regionen hinweisen, in denen relativ gesehen die Friedensdividende neues Interesse an Markterschließung begründet, während andere Regionen (nach Ende der Umfrage) durch Bombeneinschläge in einer ungeahnten Weise ins Chaos stürzen – vor allem im Nahen Osten. Neben den Emiraten leiden hier auch Geschäfte mit Israel.
Der Trend zur Suche nach stabilen Märkten vor allem in der Nähe und in der europäischen Peripherie („vor dem Suez-Kanal“) hält an. Geschäftsbeziehungen in Richtung Türkei beurteilen weniger sächsische Unternehmen negativ (7 Prozent) als im Bundestrend (12 Prozent). Nachdenklich muss alle Freunde eines starken europäischen Binnenmarkts stimmen, dass 47 Prozent der Unternehmen in der Produktzertifizierung in Europa starke Hürden sehen, der digitale Produktpass ist überfällig.
Regulierungen wie bei Stahlausgleichszöllen (CBAM) werden ebenso wie Lieferkettennachweise (44 Prozent) als bürokratische Hemmnisse gesehen. Genehmigungen des BAFA kritisieren 52 Prozent als langwierig und intransparent, Mitarbeiterentsendungen sehen über ein Drittel der Firmen als Hürde. Das neue Prinzip „Buy European“ wird ebenso stark als Mittel für eine verbesserte Position im globalen Wettbewerb wie als neue Herkunftsbürokratie eingeschätzt.
Russland ist als Handelspartner faktisch bedeutungslos geworden, Exporte in die Ukraine haben – auf dem niedrigen Kriegsniveau im Vergleich zu früher – 2025 um 10 Prozent zugenommen. Da viele sächsische Unternehmen generell zurückhaltend sind, weitere Internationalisierungsmaßnahmen zu ergreifen und sich auf neuen Märkten umzuschauen, hilft vielleicht die Empfehlung: Nehmen Sie Märkte in den Blick, die bisher nicht prioritäre Exportziele waren. Einige Länder in Lateinamerika haben angesichts der Unruheherde in anderen Weltgegenden an Attraktivität deutlich gewonnen (ohne in absoluten Zahlen verbesserte Grunddaten aufzuweisen).

Die vor dem Irankrieg leicht verbesserten Geschäftsperspektiven sind als zartes Pflänzchen anzusehen, das gegossen werden muss, da die Inlandsgeschäfte vieler Industriebetriebe im Kammerbezirk kaum Aufwärtstrends zeigen.

Die wesentlichen Ergebnisse der Umfrage (deutschlandweit)

  • Die Geschäftsperspektiven der exportierenden deutschen Unternehmen sind weniger pessimistisch als in den vergangenen beiden Jahren. Doch die zunehmenden Handelshemmnisse sorgen international für massiven Gegenwind bei den Auslandsgeschäften. Das verhindert eine positivere Entwicklung des globalen Handels. Die Geschäftsperspektiven bleiben damit unter dem Strich weiterhin negativ. Lichtblicke sind die positiven Erwartungen an die Geschäfte in Indien und Lateinamerika. Diese werden allerdings durch eine starke Eintrübung im US-Markt und eine immer noch überbordende europäische Regulierung überschattet.
  • Die globalen Handelshemmnisse für deutsche Unternehmen bei ihren Auslandsgeschäften haben einen Höchststand erreicht (69 Prozent nach zuvor 58 Prozent). Geopolitische Spannungen und wachsender Protektionismus vieler Staaten sorgen für Verschiebungen im Welthandelssystem. Die zunehmende Abkehr vom freien Welthandel trifft besonders die exportorientierte deutsche Wirtschaft und dabei den Mittelstand hart.
  • Die Belastungen für die Auslandsgeschäfte deutscher Unternehmen unterscheiden sich je nach Weltregion deutlich. Unternehmen, die eine Zunahme an Handelshemmnissen bei ihren internationalen Geschäften wahrnehmen, nennen dabei folgende Hürden: Knapp zwei Drittel sehen sich mit höheren Zöllen konfrontiert – darunter sind die Zollerhöhungen beim US-Geschäft das Hauptthema. Bei ihren internationalen Geschäften nehmen die Unternehmen zudem Nicht-tarifäre Handelshemmnisse in Form von lokalen Zertifizierungsvorschriften oder verstärkten Sicherheitsanforderungen wahr (51 Prozent sowie 37 Prozent). Exportkontrollen stellen ebenfalls für mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Unternehmen eine Herausforderung dar – vor allem bei ihren Geschäften mit den USA (41 Prozent) und mit China (29 Prozent).
  • 83 Prozent der Unternehmen sehen hausgemachte Handelshemmnisse in Deutschland und Europa als Herausforderung für ihr internationales Geschäft. Die Regulierung im EU-Binnenmarkt beziehungsweise deutsche Vorgaben wirken für viele Unternehmen wie ein Bremsklotz. Beispiele sind die Sorgfalts- und Berichterstattungspflichten in Lieferketten, Auflagen der Verpackungsrichtlinie oder den EU-CO2-Grenzausgleich (CBAM). 42 Prozent der Unternehmen, die hausgemachte Herausforderungen beklagen, haben Probleme bei der Abwicklung ihres Auslandsgeschäfts, etwa durch lange Genehmigungszeiten des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder durch komplexe Verfahren bei der Zollabwicklung.
  • Die Handelsbeziehungen zu den USA werden für deutsche Unternehmen zunehmend zum Risiko. Neugeschäfte haben erheblich abgenommen. In einer Sonderauswertung zu den USA sind die Meinungen zusammengefasst.
Die Umfrageergebnisse im Detail sowie die deutsche und englische Fassung zum Download finden Sie auf der Website der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).