Handelskammer-Konjunkturreport zum Frühjahr 2026: Erneuter Konjunkturdämpfer durch Nahostkonflikt / Verunsicherung sorgt für Investitionsaufschub 

(PM 21-2026, 29.04.2026) Nach vorsichtigem Optimismus zum Jahresbeginn hat der Nahostkonflikt die Stimmung in der bremischen Wirtschaft erneut gedämpft. Gestiegene Kosten für Energie und Materialien schlagen bereits auf das laufende Geschäft durch. Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage in der Summe wieder deutlich negativer als zuletzt. Noch stärker verschlechtert haben sich die Aussichten für die kommenden Monate, insbesondere im Exportgeschäft, das sich zum Jahreswechsel noch spürbar aufgehellt hatte. Die schwierigen Rahmenbedingungen und die Unsicherheit über die Energiepreise sorgen bei den Unternehmen wieder für mehr Zurückhaltung bei Investitionen. Die Personalpläne bleiben ebenfalls restriktiv. Das ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven zum Frühjahr 2026 unter 338 Betrieben aus Produzierendem Gewerbe, Handel und Dienstleistungen im Land Bremen.

Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger sagt: „Der Krieg im Nahen Osten trifft unsere Unternehmen unmittelbar über höhere Energie- und Materialkosten und über verschlechterte Exportaussichten. Die geopolitischen Risiken sind für die Betriebe derzeit nicht kalkulierbar. Umso wichtiger ist es jetzt, die hausgemachten Probleme am Standort entschlossen anzugehen. Bürokratie, Lohnnebenkosten und Energiepreise sind die Stellschrauben, an denen die Politik jetzt spürbar nachjustieren muss. Sie muss jetzt zügig handeln. Ohne klare Entlastung schieben die Unternehmen Investitionen weiter auf.“

Zur Lage der bremischen Industrie sagt Dr. Matthias Fonger: „Die bremische Industrie meldet derzeit gegen den Trend solide Geschäfte, auch dank Impul-sen aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Das zeigt, wie wichtig eine verlässliche öffentliche Investitionspolitik für den Standort ist. Diese Impulse dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Exporterwartungen in der Industrie eingebrochen sind. Für einen exportorientierten Standort wie Bre-men ist das ein deutliches Warnsignal.“

Mit Ausnahme der Industrie und den Kreditinstituten wird die aktuelle Geschäftslage in allen Branchen negativ bewertet. Besonders unzufrieden mit dem laufenden Geschäft ist der Groß- und Außenhandel. Für die kommenden Monate blickt nur die Industrie mit neutralen bis leicht positiven Erwartungen nach vorne. Alle übrigen Branchen rechnen mit deutlich schlechteren Geschäften. Alles in allem geht der Handelskammer-Konjunkturindikator für die bremische Wirtschaft um 10 auf 75 Punkte zurück (Zehn-Jahres-Mittelwert: 94 Punkte).

Geschäftsklima in der Stadt Bremen
In der stadtbremischen Wirtschaft trübt sich die Stimmung nach der leichten Verbesserung zum Jahreswechsel wieder ein. Stark gestiegene Energiepreise belasten das laufende Geschäft. Die Unternehmen bewerten es insgesamt etwas schlechter als zuletzt. Die Geschäftsprognosen haben sich branchenübergreifend verschlechtert und notieren in der Summe wieder sehr deutlich im negativen Bereich. Eine Ausnahme bildet die stadtbremische Industrie: Sie meldet für das erste Quartal eine verbesserte Geschäftslage, auch gestützt von Impulsen aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Die Geschäftserwartungen bleiben dort überwiegend positiv. Angesichts eingebrochener Exporterwartungen und der Sorge vor dauerhaft hohen Energiepreisen fallen sie aber deutlich weniger zuversichtlich aus als zum Jahresbeginn. Der Handelskammer-Konjunkturindikator für die stadtbremische Wirtschaft geht um 12 auf 74 Punkte zurück (Zehn-Jahres-Mittelwert: 94 Punkte).

Geschäftsklima in der Stadt Bremerhaven
In Bremerhaven trübt sich die Stimmung weiter ein, bereits zum Jahreswechsel hatte sie nachgelassen. Die Unternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage branchenübergreifend schlechter als zu Jahresbeginn. Die Rückmeldungen fallen zwar nach wie vor besser aus als in Bremen, liegen in der Summe aber erstmals wieder im negativen Bereich. Die Geschäftsprognosen sind zum zweiten Mal in Folge sehr negativ. Der Handelskammer-Konjunkturindikator für die Wirtschaft in Bremerhaven geht zum zweiten Mal in Folge um 3 auf 79 Punkte zurück (Zehn-Jahres-Mittelwert: 92 Punkte).

Geschäftsklima nach Branchen

In der bremischen Industrie fällt das Echo geteilt aus. Die Auftragseingänge haben insgesamt zugenommen, aus dem Ausland gingen aber weniger neue Aufträge ein. Die Unternehmen bewerten das laufende Geschäft deutlich besser als im Vorquartal und überwiegend positiv. Die Geschäftserwartungen haben sich demgegenüber abgekühlt und fallen nur noch neutral bis leicht positiv aus. Besonders deutlich eingebrochen sind die Exportaussichten. Den negativen Folgen des Nahostkriegs stehen derzeit solide Geschäfte aus dem ersten Quartal und Impulse aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie gegenüber. Der Indikator für die Industriekonjunktur wächst um 6 auf 104 Punkte (Zehn-Jahres-Mittelwert: 96 Punkte).

Im Baugewerbe trübt sich das Klima deutlich ein. Die Unternehmen melden nach wie vor rückläufige Auftragseingänge. Zu den andauernd schwierigen Rahmenbedingungen kommen nun stark gestiegene Energie- und Materialkosten hinzu. Das laufende Geschäft und die Aussichten fallen wieder deutlich negativ aus. Der Konjunkturindikator für die Bauwirtschaft geht um 15 auf 68 Punkte zurück (Zehn-Jahres-Mittelwert: 98 Punkte).

Im Einzelhandel bleibt die Stimmung eingetrübt. Die meisten Händler registrieren eine abnehmende Konsumneigung, stationär wie online sind die Umsätze rückläufig. Die Händler beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage nahezu unverändert sehr negativ. Die Erwartungen sind zwar weniger schlecht als zuletzt, bleiben in der Summe aber deutlich negativ. Der Konjunkturindikator für den Einzelhandel wächst um 10 auf 67 Punkte (Zehn-Jahres-Mittelwert: 85 Punkte).

Im bremischen Groß- und Außenhandel hat die Stimmung erneut nachgelassen. Die Händler melden im ersten Quartal weitere Umsatzeinbußen. Das laufende Geschäft fällt deutlich schlechter aus als zum Jahreswechsel. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate haben erneut nachgelassen. Der Konjunkturindikator geht um 16 auf 64 Punkte zurück (Zehn-Jahres-Mittelwert: 85 Punkte).

In den Verkehrs- und Logistikdienstleistungen trübt sich die Stimmung erneut ein. Die Unternehmen melden rückläufige Beförderungsvolumina. Aufgrund der stark gestiegenen Energiekosten müssen sie ihre Angebotspreise weiter anheben. Die Unternehmen bewerten das laufende Geschäft schlechter als zuletzt und in der Summe deutlich negativ. Auch die Geschäftsprognosen haben sich verschlechtert und fallen mehrheitlich negativ aus. Der Konjunkturindikator geht um 20 auf nur noch 53 Punkte zurück (Zehn-Jahres-Mittelwert: 93 Punkte).

In der Hotellerie und Gastronomie hat sich die Stimmung nach der leichten Verbesserung zum Jahreswechsel wieder verschlechtert. Das laufende Geschäft fällt etwas negativer aus als zuletzt. Die Rückmeldungen aus der Gastronomie bleiben dabei deutlich negativer als aus der Hotellerie. Der Ausblick auf die kommenden Monate ist in beiden Bereichen deutlich eingetrübt, die Erwartungen fallen mehrheitlich negativ aus. Der Konjunkturindikator geht um 8 auf 66 Punkte zurück (Zehn-Jahres-Mittelwert: 68 Punkte).

In den Sonstigen Dienstleistungen melden die Unternehmen nach wie vor rückläufige Umsätze und weniger Neuaufträge. Sie bewerten das laufende Geschäft zwar etwas besser als zum Jahreswechsel, es bleibt in der Summe aber negativ. Die Prognosen für die kommenden zwölf Monate fallen merklich ungünstiger aus als zuletzt. Als größte Risiken nennen die Dienstleister neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nun am häufigsten die Energie- und Rohstoffpreise sowie die Arbeitskosten. Der Konjunkturindikator geht um 5 auf 78 Punkte zurück (Zehn-Jahres-Mittelwert: 103 Punkte).

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