Maritime Wirtschaft im Spannungsfeld sicherheitspolitischer Bedrohungen / IHK Nord fordert zur 14. Nationalen Maritimen Konferenz klare bundespolitische Prioritäten für Häfen, Infrastruktur und maritime Sicherheit

Gemeinsame Pressemitteilung der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven und der IHK Nord e.V.
(PM 20-2026, 24.04.2026) Die norddeutschen Seehäfen sichern Lieferketten, Energieversorgung und im Ernstfall die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands – und sie sind unterfinanziert. Mit diesem Befund legt die IHK Nord ihr Positionspapier zur 14. Nationalen Maritimen Konferenz am 29. und 30. April in Emden vor. Darin fordert die Wirtschaft im Norden von der Bundesregierung, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der maritimen Wirtschaft in Deutschland zu sichern.

„Die maritime Wirtschaft ist eine Hightech-Branche mit rund 400.000 Beschäftigten. Sie zählt zu den wichtigsten und innovativsten Wirtschaftszweigen des Landes. Die Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ist auch angesichts der aktuellen geo- und sicherheitspolitischen Spannungen eine nationale Aufgabe“, betont der Vorsitzende der IHK Nord, André Grobien.

Die deutschen Seehäfen spielen nach Ansicht der IHK Nord eine Schlüsselrolle für den deutschen Außenhandel und die sicherheitspolitische Resilienz Deutschlands: „Um Liefer- und Versorgungsketten sowie zivile und militärische Transporte zu sichern, müssen Häfen sowie ihre Hinterlandanbindungen umfassend modernisiert und ertüchtigt werden“, so der IHK Nord-Vorsitzende.

Die norddeutschen Industrie- und Handelskammern fordern, dass der Bund seine finanzielle Verantwortung für die Häfen stärker wahrnehmen muss: „Mit Blick auf die nationale Bedeutung der Häfen ist eine dauerhaft strukturell verankerte Finanzierung der deutschen Seehäfen von mindestens 500 Millionen Euro jährlich aus Bundesmitteln nötig“, betont Grobien. In diesem Zusammenhang ist auch eine aktive Umsetzung der Nationalen Hafenstrategie sowie der Europäischen Hafenstrategie mit klarer Ausrichtung der EU-Förderpolitik auf nationale Hafenanlagen und Hinterlandanbindungen notwendig.

Grobien fordert, die Planungs- und Genehmigungsverfahren für maritime Infrastruktur deutlich zu beschleunigen und zu verschlanken. Die Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität müssen zusätzlich, priorisiert und zügig in baureife Projekte fließen. Auch das Umweltrecht der EU muss in diesem Zusammenhang praxistauglicher ausgestaltet werden.

Norddeutschland verfügt über eine hohe Dichte kritischer maritimer Infrastrukturen und Industrien. Dazu zählen Häfen, Werften, Reedereien, LNG-Terminals sowie Offshore-Windparks, Pipelines und Unterseekabel. Hinzu kommt eine leistungsfähige maritime Verteidigungs- und Schiffbauindustrie. Die Schifffahrt und die deutsche Handelsflotte spielen insbesondere in Krisen und Verteidigungsfällen eine Schlüsselrolle für die Versorgung von Bevölkerung und Streitkräften. Schutz und Stärkung dieser Infrastrukturen erfordern aus Sicht der norddeutschen Wirtschaft ein koordiniertes Schutzkonzept mit klaren Zuständigkeiten zwischen zivilen und militärischen Akteuren.

Die IHK Nord spricht sich zudem für eine gezielte Förderung maritimer Technologien aus. Vor allem im Offshore-Energiebereich, bei der Munitionsbergung aus dem Meer oder bei autonomen Systemen ist Deutschland heute schon führend. Dieser Vorsprung bei Know-how und Technologien muss durch eine weitere Innovationsförderung ausgebaut werden. „Wir erwarten von der Bundesregierung ein klares Bekenntnis zum weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie“, so Grobien abschließend.
Das Positionspapier der IHK Nord zur Nationalen Maritimen Konferenz steht online unter: https://www.ihk-nord.de/nmk-2026

Die IHK Nord ist der Zusammenschluss von 13 Industrie- und Handelskammern in Norddeutschland und vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen der norddeutschen Wirtschaft auf nationaler und europäischer Ebene.