Jahresbericht 2025 der Handelskammer: Bremen trotzt der Krise – Geopolitik schafft neue Chancen für den Norden / Handelskammer fordert strukturelle Hafenfinanzierung und konsequente Bildungsoffensive

(PM 12-2026, 27.02.2026) Das Jahr 2025 war für die Wirtschaft im Land Bremen ein Jahr der Gegensätze: Während Deutschland das dritte Jahr in Folge ohne Wachstum blieb, hat sich Bremen besser entwickelt. Im ersten Halbjahr wuchs die bremische Wirtschaft um 2,9 Prozent. Gleichzeitig haben sich die geopolitischen Rahmenbedingungen grundlegend verändert – mit konkreten Chancen für den Norden. Die Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven sieht Bremen in zentralen Zukunftsfeldern gut aufgestellt, fordert aber entschlossenes Handeln bei der Hafenfinanzierung, der Bildungspolitik und der Sicherheitsinfrastruktur.

Handelskammer-Präses André Grobien sagte bei der Vorstellung des Jahresberichts 2025 im Haus Schütting: „Der Norden erweist sich als verlässlicher Standort – mit Zugang zu erneuerbaren Energien, leistungsfähigen Häfen und exzellenter Wissenschaft. Zwei neue Exzellenzcluster an der Universität Bremen belegen das eindrücklich. Global hat sich die geopolitische Lage grundlegend verändert. Entscheidend ist, wie wir darauf reagieren, um stark und handlungsfähig zu bleiben.“
Als Vorsitzender der IHK Nord – der Gemeinschaft der 13 Industrie- und Handelskammern in den fünf norddeutschen Bundesländern – betonte Präses André Grobien die strategische Bedeutung der Häfen: „Die Zusage des Bundes, 1,35 Milliarden Euro aus dem Verteidigungsetat in die Hafeninfrastruktur in Bremerhaven zu investieren, ist ein historischer Meilenstein. Hinzu kommt die beabsichtigte Milliarden-Investition von Maersk und EUROGATE in das North Sea Terminal Bremerhaven. Die Kombination aus Bundesinvestition und privatwirtschaftlichem Engagement zeigt: Bremerhaven ist ein Zukunftsstandort.“

Zugleich machte der Präses auf strukturelle Defizite aufmerksam: „Der Hafenlastenausgleich des Bundes stagniert seit 2005 bei rund 38 Millionen Euro jährlich – für alle fünf Küstenländer zusammen. Bei einem Investitionsbedarf von 15 Milliarden Euro ist das völlig unzureichend. Wir fordern eine strukturell verankerte Bundespauschale von 500 Millionen Euro pro Jahr. Ebenso muss die Vertiefung der Außenweser mit Priorität vorangetrieben werden. Sie ist für die geplanten Investitionen von Maersk und EUROGATE unabdingbar."
Im Rahmen des IHK Nord-Vorsitzes macht die Handelskammer in diesem Jahr zudem die Sicherheits- und Versorgungsinfrastruktur zu einem Schwerpunktthema. Präses André Grobien betonte: „Norddeutschland ist das sicherheitspolitische Rückgrat Deutschlands. Drohnen über Norddeutschland, beschädigte ommunikationsleitungen in der Ostsee, Cyberangriffe auf Energieunternehmen sind keine Einzelereignisse mehr. Der Bund muss den Norden als strategischen Raum begreifen und entsprechend handeln.“
Bildung bleibt nach Einschätzung der Handelskammer die größte Standortschwäche. Präses André Grobien sagte: „Bremen belegt im Bildungsmonitor zum fünften Mal in Folge den letzten Platz. Mehr als 700 Jugendliche verlassen jedes Jahr die Schule ohne Abschluss. Wir begrüßen ausdrücklich, dass Bildungssenator Mark Rackles mit seiner Qualitätsoffensive jetzt entschlossen handeln möchte. Bis 2031 sollen 30 Prozent weniger Schülerinnen und Schüler die Mindeststandards verfehlen. Das sind genau die richtigen Stellschrauben. Jetzt kommt es auf die konsequente Umsetzung an.“
Beim Ausbildungsfonds bekräftigte Präses André Grobien: „Der Fonds ist gescheitert und muss abgeschafft werden: Rund 350 Klagen sind beim Verwaltungsgericht anhängig, mehrere hundert Betriebe haben auch über ein Jahr nach Meldung ihrer Angaben noch nicht ihre Ausbildungsprämie erhalten. Dieses Instrument erzeugt Bürokratie statt Ausbildungsplätze. Statt daran festzuhalten, bieten wir einen konstruktiven Pakt für Berufsorientierung an, der jungen Menschen und Unternehmen tatsächlich hilft.“
Mit Blick auf zahlreiche Bauprojekte im Land Bremen zeigte sich der Präses op-timistisch: „Im gesamten Land Bremen ist Aufbruchstimmung spürbar. Entscheidend für die Transformation der Innenstadt sind das Parkhaus Mitte Areal, das Kaufhof-Gelände und das ehemalige C&A-Gebäude. Die Joh. Jacobs & Co. Gruppe investiert rund 100 Millionen Euro in das Balgequartier – ein klares Bekenntnis zum Standort. Mit dem geplanten BID Langenstraße, an dem die Handelskammer mitwirkt, wird das Quartier zusätzlich aufgewertet. Auch in Bremerhaven entstehen mit dem Novo, dem Werftquartier und dem Lunedelta zukunftsweisende Projekte.“

Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger ordnete die wirtschaftliche Lage ein: „Mit einem Zuwachs des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 0,2 Prozent ist die deutsche Wirtschaft 2025 nach zwei Rezessionsjahren wieder leicht gewachsen. Die bremische Wirtschaft hat sich besser entwickelt: Im ersten Halbjahr wuchs sie preisbereinigt um 2,9 Prozent, maßgeblich getrieben durch einen kräftigen Industrieumsatzzuwachs von 22,2 Prozent. In der zweiten Jahreshälfte hat sich das Umsatzwachstum der Industrie allerdings nicht fortgesetzt.“
Dr. Fonger zeichnete ein differenziertes Bild: Aus der Industrie seien rückläufige Auftragseingänge gemeldet worden. Das Baugewerbe und der Einzelhandel blieben unter Druck. Vergleichsweise positiv entwickelten sich die bremischen Häfen mit einem Anstieg des Containerumschlags um 9,3 Prozent. Auch der Arbeitsmarkt spüre die wirtschaftliche Schwäche: „Die Arbeitslosenquote wuchs auf 11,2 Prozent. Gleichzeitig berichtet weiterhin knapp die Hälfte der Unternehmen von Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. Die Unternehmen erwarten steigende Arbeitskosten und befürchten einen Verlust von betriebsspezifischem Wissen,“ so der Hauptgeschäftsführer.
Über die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2026 äußerte sich Dr. Fonger vorsichtig optimistisch: „Die DIHK hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland auf 1,0 Prozent angehoben. Auch unsere Konjunkturumfrage zeigt eine zaghafte Stimmungsaufhellung. Chancen bieten sich durch die zunehmenden Ausgaben für Verteidigung und Raumfahrt sowie durch langfristige Standortvorteile im Norden – vom Zugang zu Offshore-Windkraft bis zur Einfuhr von Wasserstoff über die norddeutschen Häfen. Die Investitionen in die bremischen Häfen und die angekündigte Milliarden-Investition von Maersk und EUROGATE sind starke Signale für unseren Standort.“