DIHK-Report: Gesundheitswirtschaft unter Druck

Das Risiko steigender Energie- und Rohstoffpreise – schon in der Vorumfrage auf einem Allzeithoch – klettert erneut auf einen Höchstwert. Über die gesamte Gesundheitswirtschaft hinweg ist das Risiko sogar stärker ausgeprägt als der Fachkräftemangel. Auch die Arbeitskosten als Geschäftsrisiko steigen weiter an und erreichen ein Allzeithoch.
Ein Blick in die Wirtschaftsbereiche zeigt, dass die Stimmung nach wie vor sehr unterschiedlich ist. In der Pharmabranche stehen die Zeichen – trotz eines massiven Einbruchs der Geschäfts- und Exporterwartungen für die nächsten 12 Monate – insgesamt weiterhin auf Wachstum: Die Unternehmen spüren zwar massiv den Kostendruck bei den Energie- und Rohstoffpreisen. Die Auftragsbücher sind allerdings weiterhin gut gefüllt und die Investitions- als auch die Beschäftigungsplanungen bleiben weiterhin expansiv. Mehr als jedes zweite Pharmaunternehmen plant dabei in den Kapazitätsaufbau zu investieren. In der Industrie insgesamt plant dies nur gut jedes dritte Unternehmen.
Die Wachstumsaussichten in der Medizintechnik sind hingegen eingetrübt. Zwar sind die Auftragsbücher auch hier weiterhin voll und Produkte „Made in Germany“ werden in Zukunft weltweit gefragt bleiben. Jedoch blicken die Betriebe seit der Herbstumfrage 2020 immer weniger optimistisch in die Zukunft. Auch die Beschäftigungs- und Investitionsplanungen gehen zum zweiten Mal in Folge zurück. Neben steigenden Preisen für Energie und Rohstoffe sowie Lieferproblemen wirkt sich auch die neue EU-Verordnung über Medizinprodukte (MDR) negativ aus, die eine allgemeine Belastung für die Branche ist.
Im Handel mit Gesundheitsgütern brechen die Erwartungen auf ein neues Allzeittief ein. Lieferprobleme und steigende Preise für Energie und Waren bereiten große Sorgen. Viele Betriebe wollen Beschäftigung abbauen. Dabei verfestigt sich ein negativer Trend: Seit der Herbstumfrage 2019 ist der Saldo fast immer negativ. Viele Unternehmen sind z. B. verunsichert, welche Auswirkungen die schleppende Einführung des E-Rezepts auf ihre Geschäftsentwicklung haben wird.
Im Branchenvergleich ist die aktuelle Geschäftslage bei den Gesundheits- und sozialen Diensten weiterhin am schlechtesten. Die Geschäftserwartungen erreichen den niedrigsten Wert seit Sommer 2020. Neben dem Fachkräftemangel und hohen Arbeitskosten machen den Betrieben auch die steigenden Energiepreise zu schaffen. Hier sind Unternehmen wie zum Beispiel ambulante Pflegedienste von höheren Preisen für Energie wie Kraftstoff betroffen. Positiv ist hingegen, dass die Gesundheits- und sozialen Dienste weiterhin mit hohen Investitionen für die kommenden 12 Monate planen.