DIHK-Sonderumfrage zum Wettbewerb mit China
Insgesamt beteiligten sich rund 1.300 Unternehmen, darunter 22 aus Bremen und Bremerhaven. Die zentralen Erkenntnisse der Umfrage sind:
- 67 Prozent der befragten Unternehmen spüren eine wachsende Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber.
- In den Freitextantworten werden insbesondere hohe Arbeits- und Energiekosten, Bürokratie sowie erhebliche Kostennachteile am Standort Deutschland als Belastungen genannt. Auf chinesischer Seite sehen viele Unternehmen Wettbewerbsverzerrungen durch Subventionen, eingeschränkten Marktzugang oder die Umgehung europäischer Regeln. Gleichzeitig macht die Umfrage deutlich: Nicht jeder Wettbewerbsvorteil Chinas ist auf Wettbewerbsverzerrungen zurückzuführen – und nicht jeder deutsche Wettbewerbsnachteil hat seine Ursache in China.
- Die Unternehmen reagieren überwiegend offensiv auf den zunehmenden Wettbewerb. Am häufigsten genannt werden Produktinnovationen (60 Prozent) sowie Maßnahmen zur Kostensenkung (50 Prozent).
- Von der Europäischen Union erwarten die Unternehmen vor allem ein geeintes Auftreten in der Außenwirtschaftspolitik (67 Prozent). Weniger als ein Drittel spricht sich für stärkere handelspolitische Schutzmaßnahmen aus. Gleichzeitig wünschen sich 25 Prozent den Abbau von Handels- und Investitionshemmnissen und 18 Prozent erleichterte Innovationspartnerschaften.
- Insgesamt befürworten 55 Prozent stärkere handelspolitische Maßnahmen gegenüber China – selbst wenn das eigene Unternehmen dadurch Nachteile erfahren könnte. 37 Prozent lehnen dies ab. Bemerkenswert ist zudem, dass selbst unter den Unternehmen, die keinen unmittelbaren Wettbewerbsdruck durch China wahrnehmen, 46 Prozent stärkere handelspolitische Maßnahmen unterstützen. Dies deutet darauf hin, dass die Bewertung der China-Politik nicht ausschließlich auf eigenen Markterfahrungen basiert, sondern auch von der intensiven öffentlichen Debatte geprägt wird.
Rückmeldungen aus Bremen und Bremerhaven
Die Ergebnisse aus Bremen und Bremerhaven zeichnen ein differenziertes Bild. Auf die Frage, ob eine wachsende Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber wahrgenommen wird, antworteten 13 der 22 Unternehmen mit „Nein“, drei Unternehmen berichteten von einer moderaten Zunahme und sechs Unternehmen von einer starken bis sehr starken Zunahme des Wettbewerbs.
Der zunehmende Wettbewerbsdruck wird vor allem auf dem chinesischen Markt sowie auf Drittmärkten wahrgenommen. Als Reaktionen nennen die Unternehmen insbesondere die Diversifizierung von Lieferketten, Produktanpassungen, Maßnahmen zur Kostensenkung, Kooperationen mit chinesischen Unternehmen sowie vereinzelt auch den Rückzug aus einzelnen Geschäftsfeldern.
Die Erwartungen an die Europäische Union entsprechen im Wesentlichen den bundesweiten Rückmeldungen. Im Vordergrund stehen ein geschlossenes außenwirtschaftspolitisches Auftreten sowie – von einem Teil der Unternehmen – stärkere handelspolitische Schutzmaßnahmen. Gleichzeitig sprechen sich andere Unternehmen für den Abbau von Handels- und Investitionshemmnissen sowie für erleichterte Innovationspartnerschaften mit China aus.
Auch wenn 22 Rückmeldungen nicht repräsentativ für den gesamten Chinahandel Bremens und Bremerhavens sind, lassen sich insgesamt ähnliche Tendenzen wie auf Bundesebene erkennen.
Schätzungsweise rund 400 Unternehmen in Bremen und Bremerhaven unterhalten regelmäßige Handelsbeziehungen mit China. Etwa 200 Unternehmen verfügen über eigene Standorte in China, während rund 180 chinesische Unternehmen in Bremen ansässig sind. Das Handelsvolumen zwischen Bremen und China belief sich im Jahr 2025 auf rund 2,5 Milliarden Euro. Davon entfielen rund 1,5 Milliarden Euro auf Importe aus China und etwa 1,0 Milliarde Euro auf Exporte nach China.
Damit bleibt China trotz der zunehmenden Wettbewerbsintensität und der geopolitischen Herausforderungen ein bedeutender Wirtschafts- und Handelspartner für den Standort Bremen.