250 Jahre USA – 250 Jahre transatlantische Partnerschaft: Warum die Vereinigten Staaten für Bremen und Bremerhaven so wichtig sind
Die Beziehungen zwischen Bremen und den Vereinigten Staaten reichen bis in die Anfangszeit der amerikanischen Republik zurück. Bereits kurz nach der Unabhängigkeitserklärung entwickelten sich intensive Handelskontakte zwischen Bremer Kaufleuten und den jungen Vereinigten Staaten. 1794 wurde auf Veranlassung von George Washington ein US-Konsulat in Bremen eröffnet – eines der ersten amerikanischen Konsulate auf dem europäischen Kontinent. Bremen wiederum etablierte bereits Anfang des 19. Jahrhunderts eigene Konsulate in New York, Baltimore, Philadelphia und Boston und schuf damit die Grundlage für dauerhafte wirtschaftliche und politische Beziehungen.
Der transatlantische Handel entwickelte sich in dieser Zeit zu einem wesentlichen Wachstumstreiber für die Hansestadt. Historiker sprechen von einer „goldenen Periode des bremischen Handels“. Bereits 1827 schlossen Bremen und die USA einen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag, der den Warenverkehr weiter intensivierte. Mitte des 19. Jahrhunderts waren rund 176 Bremer Firmen in den USA vertreten – mehr als aus jedem anderen europäischen Handelsplatz. Bremen exportierte vor allem Fertigwaren, Textilien und Eisenwaren, während Baumwolle, Tabak, Reis, Zucker und später Erdöl über die Häfen an der Weser nach Europa gelangten.
Bremerhaven – Tor nach Amerika
Kaum ein anderer Ort in Europa ist so eng mit der Geschichte der Vereinigten Staaten verbunden wie Bremerhaven. Zwischen 1832 und 1974 verließen mehr als sieben Millionen Menschen Europa über Bremerhaven – mehr als 90 Prozent von ihnen mit dem Ziel Amerika. Die Verbindung Bremerhaven–New York entwickelte sich zeitweise zur meistbefahrenen Überseeroute der Welt.
Die Auswanderung war dabei weit mehr als ein gesellschaftliches Phänomen. Sie wurde zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor für Bremen und Bremerhaven. Reedereien, Werften, Hotels, Gastwirtschaften und zahlreiche Dienstleister profitierten vom transatlantischen Passagierverkehr. Insbesondere der Norddeutsche Lloyd machte das Amerikageschäft zu einem zentralen Bestandteil seines Erfolgs und trug zugleich maßgeblich zur Entwicklung des modernen Schiffbaus bei. Bis heute verbinden Millionen amerikanischer Familien ihre Herkunft mit Bremerhaven – für viele Nachfahren europäischer Auswanderer ist die Stadt der symbolische Ausgangspunkt ihrer Familiengeschichte.
Die USA bleiben Bremens wichtigster Handelspartner außerhalb Europas
Die historische Verbundenheit spiegelt sich bis heute in den Wirtschaftsbeziehungen wider. Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand Bremens wichtigster Handelspartner außerhalb der Europäischen Union. Rund zehn Prozent des gesamten bremischen Außenhandels entfallen auf den Austausch mit den USA. Darüber hinaus dienen die Vereinigten Staaten vielen Unternehmen als logistisches Drehkreuz für Geschäfte mit Kanada sowie Mittel- und Südamerika.
Nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie entwickelte sich der Handel zunächst ausgesprochen dynamisch. Im Jahr 2024 erreichte das Handelsvolumen rund 6,4 Milliarden Euro und lag damit deutlich über dem Vorkrisenniveau. Die Exporte beliefen sich auf 5,4 Milliarden Euro und machten rund 84 Prozent des gesamten Handelsvolumens aus. Zu den wichtigsten Ausfuhrgütern zählen Kraftfahrzeuge und Pkw, Produkte der elektronischen Datenverarbeitung und Messtechnik, Maschinen und Anlagen, Stahl- und Metallerzeugnisse sowie Nahrungs- und Futtermittel. Importiert werden vor allem Kohle, Papier- und Pappwaren, Produkte der elektronischen Datenverarbeitung und Messtechnik, Nahrungs- und Futtermittel sowie sonstige Fahrzeuge.
Neue Herausforderungen im transatlantischen Handel
Die Zahlen für 2025 zeigen jedoch, wie stark internationale Rahmenbedingungen den Außenhandel beeinflussen können. Die bremischen Ausfuhren gingen auf rund 4,6 Milliarden Euro zurück. Während die Exporte gegenüber dem Vorjahr um rund 800 Millionen Euro sanken, lagen auch die Importe aus den USA etwa 150 Millionen Euro unter dem Niveau des Jahres 2024.
Diese Entwicklung dürfte mehrere Ursachen haben: Nach den außergewöhnlich starken Nachholeffekten des Vorjahres normalisierte sich die Nachfrage. Gleichzeitig belasteten gestiegene US-Zölle, handelspolitische Unsicherheiten sowie die schwierige Lage wichtiger Industriezweige – insbesondere der Automobilindustrie – die Exportentwicklung. Die Zahlen verdeutlichen, wie sensibel der Wirtschaftsstandort Bremen auf Veränderungen der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen reagiert und wie wichtig stabile und verlässliche Rahmenbedingungen für international tätige Unternehmen sind.
Wirtschaftliche Partnerschaft weit über den Warenhandel hinaus
Die Beziehungen zwischen Bremen und den USA beschränken sich längst nicht auf den Güteraustausch. Mehr als 400 bremische Unternehmen unterhalten regelmäßige Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten. Über 80 Unternehmen aus Bremen verfügen über eigene Niederlassungen in den USA. Gleichzeitig sind mehr als 30 US-amerikanische Unternehmen im Land Bremen ansässig. Sie stammen unter anderem aus den Bereichen Automobilzulieferindustrie, Logistik, Maschinen- und Anlagenbau, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Lebensmittelwirtschaft und Dienstleistungen.
Auch in Zukunft bietet die Zusammenarbeit großes Potenzial – etwa in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, maritime Wirtschaft, Digitalisierung, Wasserstofftechnologien und Künstliche Intelligenz. Gerade für exportorientierte Regionen wie Bremen und Bremerhaven bleiben offene Märkte und verlässliche internationale Partnerschaften entscheidende Voraussetzungen für Wachstum und Beschäftigung.
250 Jahre Partnerschaft mit Blick nach vorn
Das 250-jährige Bestehen der Vereinigten Staaten erinnert daran, wie eng Geschichte und wirtschaftlicher Erfolg miteinander verbunden sein können. Kaum eine andere deutsche Region wurde über einen so langen Zeitraum von den Beziehungen zu den USA geprägt wie Bremen und Bremerhaven. Was einst mit mutigen Kaufleuten, den ersten Konsulaten und den großen Auswandererschiffen begann, ist heute eine moderne Wirtschafts- und Innovationspartnerschaft.
Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten zeigt sich der Wert dieser gewachsenen Beziehungen. Für uns als Handelskammer Bremen ist das Jubiläum daher nicht nur ein Anlass zum Rückblick, sondern vor allem ein Bekenntnis zu einer starken transatlantischen Partnerschaft. Denn auch nach 250 Jahren gilt: Offene Märkte, internationale Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen bleiben die Grundlage für Wohlstand, Innovation und wirtschaftlichen Erfolg – auf beiden Seiten des Atlantiks.