Afrika gewinnt für deutsche Unternehmen und die bremische Wirtschaft an strategischer Bedeutung
Schwiderowski sieht deshalb in einer engeren Zusammenarbeit zwischen Entwicklungszusammenarbeit und Wirtschaft einen wichtigen Hebel, um Unternehmen frühzeitig in Projekte einzubinden und nachhaltige Partnerschaften zu fördern. Sein Appell:
„Wir sehen eine große Offenheit in der internationalen Zusammenarbeit, sich stärker mit der Wirtschaft zu verzahnen. Das ist sehr begrüßenswert, aber jetzt brauchen wir auch die Prozesse dazu. Wir würden uns wünschen, wirtschaftliche Aspekte systematischer in die Planung und Umsetzung von Projekten einzubeziehen.“
Afrika – ein Zukunftsmarkt auch für Bremen
Auch für die Wirtschaft im Land Bremen gewinnt der afrikanische Kontinent zunehmend an Bedeutung – selbst wenn sich dies in den absoluten Handelszahlen bislang noch nicht im gleichen Umfang widerspiegelt wie bei den traditionellen Märkten in Europa, Nordamerika oder Asien. Afrika entwickelt sich immer stärker sowohl zu einem wichtigen Beschaffungsmarkt als auch zu einem attraktiven Absatzmarkt für bremische Unternehmen. Gleichzeitig eröffnen sich neue Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen Logistik, Maschinen- und Anlagenbau, Erneuerbare Energien, Gesundheitswirtschaft sowie bei der Fachkräftequalifizierung und -gewinnung.
Darüber hinaus gewinnt die maritime Infrastruktur Afrikas zunehmend an strategischer Bedeutung. Die anhaltenden Krisen im Nahen Osten – insbesondere die Einschränkungen der Schifffahrt im Roten Meer sowie die Unsicherheiten rund um den Suezkanal und die Straße von Hormus – haben gezeigt, wie anfällig globale Lieferketten sind. Dadurch rücken alternative Seerouten entlang der afrikanischen Küsten verstärkt in den Fokus der internationalen Schifffahrt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an afrikanische Häfen, deren Hinterlandanbindungen sowie an leistungsfähige Logistik- und Umschlaginfrastrukturen. Gerade hier verfügen Bremen und Bremerhaven mit ihrer jahrzehntelangen Kompetenz in den Bereichen Hafenmanagement, Logistik, Digitalisierung, Hafenplanung und maritime Dienstleistungen über umfassendes Know-how. Bremische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hafenakteure können einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung afrikanischer Hafen- und Logistikstandorte leisten und gleichzeitig neue wirtschaftliche Partnerschaften aufbauen.
Afrika ist kein einheitlicher Markt
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist der differenzierte Blick auf den Kontinent. Die 54 Staaten Afrikas unterscheiden sich erheblich hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, politischen Rahmenbedingungen und Marktpotenziale. Diese Unterschiede spiegeln sich auch in den Handelsbeziehungen wider: Während in einigen Ländern vor allem landwirtschaftliche Produkte, Textilien, Rohstoffe oder Lebensmittel gehandelt werden, stehen in anderen Märkten Maschinen, Industrieanlagen, Fahrzeuge, technische Ausrüstung oder Dienstleistungen im Vordergrund.
Ebenso unterschiedlich sind die Kooperationsmöglichkeiten. Sie reichen von klassischen Handelsbeziehungen über Investitionen und Infrastrukturprojekte bis hin zu Kooperationen in den Bereichen Berufsbildung, Fachkräftequalifizierung, Forschung, Digitalisierung und Innovation. Für Unternehmen lohnt sich daher eine individuelle Betrachtung der jeweiligen Zielmärkte.
Partnerschaften auf Augenhöhe
Ein modernes Afrikabild bedeutet auch, den Kontinent als Innovationspartner wahrzunehmen. Einige afrikanische Länder zählen heute zu den Vorreitern bei digitalen Lösungen – etwa im Bereich des mobilen Bezahlens, digitaler Verwaltungsleistungen, E-Commerce oder innovativer Plattformökonomien. Gerade in der Digitalisierung entstehen vielerorts Lösungen, die international Beachtung finden und teilweise als Vorbild für andere Weltregionen gelten.
Unternehmen sollten ihre afrikanischen Geschäftspartner daher nicht nur als Absatz- oder Beschaffungsmärkte betrachten, sondern als leistungsfähige Partner auf Augenhöhe. Erfolgreiche Kooperationen basieren auf gegenseitigem Respekt, lokalem Marktverständnis und langfristigen Partnerschaften, bei denen beide Seiten ihr Know-how einbringen und voneinander lernen.
Die wichtigsten Handelspartner Bremens in Afrika
Zu den wichtigsten Handelspartnern des Landes Bremen zählen insbesondere:
- Südafrika – mit Abstand wichtigster Handelspartner Afrikas für Bremen; Schwerpunkte sind Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Logistik, Lebensmittel sowie industrielle Güter.
- Marokko – wachsender Partner für Fahrzeugtechnik, Agrarprodukte, Düngemittel und Industriekomponenten.
- Ägypten – bedeutender Markt für Maschinen- und Anlagenbau, Hafen- und Infrastrukturprojekte sowie Chemieprodukte.
- Tunesien – wichtiger Industrie- und Zulieferstandort mit engen Verflechtungen zur europäischen Automobil- und Elektroindustrie.
- Nigeria – größter Binnenmarkt Afrikas mit Potenzial in den Bereichen Energie, Infrastruktur, Konsumgüter und Hafenwirtschaft.
- Kenia – regionales Wirtschaftszentrum Ostafrikas; Schwerpunkte sind Agrarwirtschaft, Digitalisierung, Logistik und Gesundheitswirtschaft.
- Algerien – wichtiger Markt für Energie, Maschinenbau, Industrieausrüstung sowie Infrastrukturprojekte.
- Ghana – enger Partner in Westafrika mit Handelsbeziehungen insbesondere bei Kakao, Agrarprodukten, Hafenlogistik sowie Maschinen und Ausrüstung.
- Namibia – traditioneller Partner Norddeutschlands mit Bedeutung für maritime Wirtschaft, Logistik, Bergbau, Wasserstoffwirtschaft und Fachkräftekooperationen.
- Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) – eine der dynamischsten Volkswirtschaften Westafrikas mit wachsender Nachfrage nach Maschinen, Logistiklösungen und Infrastruktur sowie als Lieferant von Agrarprodukten.
Die Handelsbeziehungen zeigen die große Bandbreite der Zusammenarbeit – von Agrar- und Lebensmittelprodukten über Maschinen und industrielle Ausrüstung bis hin zu Logistikdienstleistungen, Hafenwirtschaft sowie Kooperationen in der Aus- und Weiterbildung und der Gewinnung qualifizierter Fachkräfte. Auch wenn Afrika derzeit noch einen vergleichsweise kleinen Anteil am gesamten Außenhandel des Landes Bremen ausmacht, unterstreichen die zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtungen, zu denen beispielsweise auch die Städtepartnerschaften mit Durban in Südafrika oder Windhoek in Namibia zählen, und die geopolitische Entwicklung das wachsende Potenzial des Kontinents. Für die exportorientierte Wirtschaft im Land Bremen bietet Afrika vielfältige Chancen – sowohl als Zukunftsmarkt als auch als strategischer Partner für resiliente Lieferketten und nachhaltige Wirtschaftskooperationen.
Unterstützung durch die Auslandshandelskammern (AHKs)
Unternehmen, die Geschäftsmöglichkeiten in Afrika erschließen möchten, können auf das Netzwerk der Auslandshandelskammern (AHKs) zurückgreifen. Mit Standorten in zahlreichen afrikanischen Ländern begleiten die AHKs Unternehmen beim Markteintritt – von Marktanalysen und Brancheninformationen über die Suche nach geeigneten Geschäftspartnern und B2B-Matchmaking bis hin zu Rechts-, Zoll- und Steuerinformationen, Investitionsberatung, Fachkräftethemen sowie der Organisation von Geschäftsreisen und Messebeteiligungen.
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen bieten die AHKs einen wertvollen Einstieg in die vielfältigen Märkte Afrikas und tragen dazu bei, langfristige und erfolgreiche Wirtschaftsbeziehungen aufzubauen. Für die bremische Wirtschaft sind sie wichtige Partner, um Chancen frühzeitig zu erkennen, belastbare Netzwerke aufzubauen und neue Märkte zu erschließen. Angesichts der wachsenden wirtschaftlichen und geopolitischen Bedeutung des afrikanischen Kontinents wird dieses Netzwerk künftig weiter an Relevanz gewinnen.
Das gesamte Interview von Heiko Schwiderowski bei der GIZ und Informationen zu den AHKs in Afrika finden Sie hier: