Konjunkturumfrage 4. Quartal 2025
Regionale Konjunktur: Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Im Übergang zum neuen Jahr hat sich die Stimmung der Unternehmen im Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg zwar leicht verbessert, sie bleibt aber weiterhin merklich angespannt. Dies zeigt der gemeinsame Konjunkturbericht der IHK Braunschweig und der IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) für das vierte Quartal 2025. Demnach konnte der IHK-Konjunkturklimaindikator ein wenig zulegen, sein Anstieg von 80 auf 86 Punkte signalisiert allerdings eher eine Konsolidierung und noch keinesfalls eine nachhaltige Trendwende. Der Indikator liegt damit weiterhin deutlich unter dem neutralen Wert von 100. Diese Schwelle konnte er nun bereits seit vier Jahren nicht mehr erreichen. Nie zuvor hat es im Rahmen der regionalen Konjunkturbeobachtung eine derartig langanhaltende Schwächephase gegeben.
Ein Blick auf die sektoralen Konjunkturklimaindikatoren der einzelnen Branchen verdeutlicht, dass alle Wirtschaftsbereiche unter der anhaltend schwachen Dynamik des Konjunkturgeschehens zu leiden haben. Tristesse herrscht vor allem im Großhandel mit einem sektoralen Indikatorstand von 60. Kaum besser ist die Stimmung im Einzelhandel mit einem branchenbezogenen Indikatorwert von 72. Auch unter den Dienstleistern wird lediglich der eher bescheidene Wert von 93 erreicht. Und in der Industrie bleibt die Laune entsprechend dem sektoralen Indikatorstand von 95 ebenfalls durchwachsen. Immerhin konnten die Dienstleistungswirtschaft und die Industrie im Vergleich zum Vorquartal etwas Boden gutmachen. Beide Branchen verzeichneten eine spürbare Belebung ihrer Auftragseingänge. Hingegen haben Groß- und Einzelhandel zwischen Herbst und Winter an Boden verloren.
In der Gesamtschau gründet sich die auf niedrigem Niveau eingetretene Stabilisierung des IHK-Konjunkturklimaindikators auf zwei Faktoren: Zum einen auf leicht verbesserten Lagebeurteilungen und zum anderen auf nicht mehr ganz so düsteren Geschäftsprognosen. Derzeit bezeichnen 15 Prozent der befragten Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 62 Prozent sehen sie zumindest als befriedigend an. Etwas weniger als ein Viertel aller Unternehmen beurteilt seine Situation jedoch als schlecht. Der Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen beträgt aktuell -8 (nach -12 im Vorquartal). Gleichwohl sind die Aussichten der Unternehmen auf die Geschäftsentwicklung im neuen Jahr weiter von Skepsis geprägt. Aktuell rechnen immer noch 30 Prozent der befragten Unternehmen mit geschäftlichen Einbußen. Immerhin ist der Anteil der Betriebe, die meinen, ihr Geschäftsniveau halten zu können, mittlerweile auf die 60 Prozent angewachsen. An eine Aufhellung seiner Geschäftstätigkeit glaubt aber nur jedes zehnte Unternehmen. Die negativen Vorhersagen überwiegen damit zwar immer noch deutlich, der Blick nach vorn fällt aber etwas weniger pessimistisch aus als noch vor drei Monaten.
Die aktuellen Umfrageergebnisse kommentiert Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig, wie folgt: „Die wirtschaftliche Lage in der Region Braunschweig-Wolfsburg ist nach wie vor ernst. Unsere Betriebe kämpfen mit hohen Kosten für Energie, Personal und Steuern sowie mit lähmender Bürokratie. Zudem verschärft das unsichere außenwirtschaftliche Umfeld die Situation. Um nun endlich wieder auf einen langfristigen und belastbaren Wachstumspfad einzubiegen, muss aus dem zurückliegenden ‚Herbst der Reförmchen‘ nun ein neues Jahr der tiefgreifenden Strukturreformen werden.“ Nur so könne die Einleitung eines tragfähigen Aufschwungs gelingen. Im Übrigen ließen sich aus der IHK-Konjunkturumfrage durchaus erste zarte Hoffnungsschimmer herauslesen. So habe die Investitionsneigung der regionalen Unternehmen zuletzt eine erkennbare Tendenz nach oben gezeigt. Es gelte nun, die unternehmerische Investitionstätigkeit zu stützen und kraftvoll zu beschleunigen.
Dem schließt sich IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert an und betont: „Um die privaten Investitionen zu entfesseln, müssen die vielfältigen Belastungen der Unternehmen zeitnah reduziert werden. Dringlich sind zum Beispiel Kostenentlastungen durch stringente Strukturreformen der sozialen Sicherungssysteme. Aber auch die steuerlichen Belastungen, die im internationalen Vergleich viel zu hoch ausfallen, müssen runter. Um das Investitionsklima anzuheizen, wäre es nötig, die für 2028 geplanten Steuersatzsenkungen vorzuziehen.“ In die vollkommen falsche Richtung wiesen stattdessen Vorschläge, die Steuerlasten für eigentümer- und familiengeführte Unternehmen durch eine Umgestaltung der Erbschaftssteuer auch noch zu erhöhen. Dadurch würden unternehmerische Investitionen und Nachfolgeregelungen erheblich erschwert. Auch zusätzliche Bürokratielasten, wie etwa durch eine neue unausgereifte Entwaldungsverordnung, seien kontraproduktiv und stünden im Kontrast zum immer wieder vollmundig angekündigten Bürokratieabbau, so Zeinert.
Gesamtwirtschaft Region Braunschweig-Wolfsburg
Die leicht verbesserten Rückmeldungen der Unternehmen zu ihrer Geschäftslage und zu ihren Geschäftserwartungen spiegeln sich auch in einem Aufwärtstrend bei den betrieblichen Investitionsplanungen wider. So ist die Investitionsbereitschaft der regionalen Wirtschaft im Vergleich zur Vorumfrage erkennbar angewachsen. Erstmals seit knapp zwei Jahren bewegt sich der Saldo der entsprechenden Rückmeldungen nicht mehr unterhalb der Nulllinie. Stattdessen halten sich positives und negatives Feedback nunmehr die Waage. Aktuell rechnen 27 Prozent der befragten Unternehmen mit einer Ausweitung ihrer Investitionsbudgets (Vorquartal: 21 Prozent), ebenfalls 27 Prozent gehen von einer Kürzung aus (Vorquartal: 37 Prozent). Etwas weniger als die Hälfte beabsichtigt, ihr Investitionsvolumen unverändert zu belassen.
Eine Aufschlüsselung nach Investitionsmotiven (Mehrfachnennung möglich) zeigt, dass nach wie vor ein Großteil der geplanten Investitionen lediglich der Beschaffung von Ersatzbedarf (58,4 Prozent der Nennungen) und der Rationalisierung (38,7 Prozent) dient. Auf Wachstum ausgerichtete Investitionen zur Produktinnovation (31,9 Prozent) und zur Kapazitätserweiterung (17,0 Prozent) stehen dahinter deutlich zurück. Dabei ist der Bedarf an Investitionen in Zukunftstechnologien grundsätzlich ausgesprochen hoch, denn ohne entsprechende Investitionen werden die Herausforderungen der Digitalisierung oder der Transformation zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz kaum zu bewältigen sein. Vor diesem Hintergrund muss die zuletzt zwar wieder gewachsene, insgesamt aber immer noch recht zurückhaltende Investitionsneigung der heimischen Wirtschaft nachdenklich stimmen. Zumal auffällt, dass die auslandsaktiven Unternehmen insbesondere in der Industrie ihre Investitionen in der Fremde merklich forscher angehen. Hier liegt der Anteil derjenigen, die ihre ausländischen Investitionen steigern wollen, deutlich über dem Anteil derjenigen, die ihre auswärtigen Investments zurückfahren möchten. Offensichtlich werden die Investitionsbedingungen im Ausland verglichen mit denjenigen im Inland als attraktiver eingeschätzt. Dies kann als Signal für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland interpretiert werden.
Industrie
Dass der Konjunkturklimaindikator für die Industrie um fünf Punkte auf einen Stand von 95 angestiegen ist, resultiert aus den inzwischen wieder etwas verbesserten Geschäftserwartungen. Dagegen hat sich die geschäftliche Lage der regionalen Industrie im Vergleich zum Vorquartal kaum verändert. Momentan erfreuen sich 11 Prozent der Hersteller an guten Geschäften. Die große Mehrheit der Betriebe beschreibt ihre Situation als befriedigend bzw. saisonüblich. Über einen schlechten Geschäftsverlauf klagen hingegen 18 Prozent. Der Saldo aus positiven und negativen Rückmeldungen liegt damit wie bereits im Vorquartal bei -7. Der unveränderten Lagebeurteilung zum Trotz ergeben sich aus der Umfrage aber auch einige Lichtblicke. So ist es der regionalen Industrie zuletzt gelungen, ihre Umsätze und Erträge zu stabilisieren. Zudem haben die Auftragseingänge angezogen. Sowohl die inländische als auch die ausländische Nachfrage haben hierzu ihren Beitrag geleistet. Infolgedessen hat sich auch der Auftragsbestand wieder etwas erholt. Dennoch hält immer noch jeder vierte Industriebetrieb das eigene Auftragsvolumen für zu gering. Auf ein komfortables Auftragspolster blickt dagegen nur jedes zehnte Unternehmen. In den Blick nach vorn mischt sich mittlerweile wieder etwas mehr Zuversicht. 12 Prozent der Befragten erwarten im neuen Jahr bessere Geschäfte, annähernd drei Viertel rechnen zumindest mit einer gleichbleibenden Entwicklung. Geschäftliche Einbußen fürchten nur noch 14 Prozent. Vergleichbar günstige Relationen wurden zuletzt vor mehr als vier Jahren registriert.
Einzelhandel
Das Konjunkturklima im Einzelhandel bleibt trübe. Der Branchenindikator gab aufgrund schwächerer Geschäftsprognosen um fünf Punkte auf einen Stand von 72 nach. Wenigstens hat sich die geschäftliche Lage der Händler im Vergleich zum Vorquartal ein wenig gebessert. Trotzdem bezeichnen derzeit nur 7 Prozent der Händler ihre geschäftliche Situation als gut. Während eine große Mehrheit von 71 Prozent sie wenigstens noch als befriedigend empfindet, berichten 22 Prozent der Befragten von schlecht laufenden Geschäften. Immerhin haben sich die Umsätze in Teilen der Branche stabilisiert, wozu mitunter auch die Sonderverkaufstage im November und das Weihnachtsgeschäft ihren Beitrag leisten konnten. Obwohl die Konsumneigung der Handelskunden zuletzt wieder etwas zugelegt hat, leiden die Händler unter der anhaltenden Verunsicherung der Verbraucher. Angesichts zahlreicher Krisen und schlechter Nachrichten aus der Wirtschaft scheint eine nachhaltige Erholung des Konsumklimas vorerst nicht in Sicht. Zwar sind die Teuerungsraten ebenso wie die Zinsen mittlerweile merklich zurückgegangen, die Konsumenten halten aber weiterhin ihr Geld zusammen und kaufen nur sparsam und preissensibel ein. Dies gilt ganz besonders für den stationären Handel, aber durchaus auch für den Onlinehandel. Vor diesem Hintergrund fällt der Ausblick der Händler auf die Geschäfte im neuen Jahr zunehmend pessimistisch aus. Mittlerweile rechnen 44 Prozent der Befragten mit einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Gut die Hälfte geht von einem gleichbleibenden Geschäftsverlauf aus, bessere Geschäfte erwartet hingegen nur jedes zwanzigste Handelsunternehmen.
Großhandel
Der sektorale Konjunkturklimaindikator für den Großhandel ging um acht Punkte auf den schwachen Wert von 60 zurück. Dies gründet sich auf die Rückmeldungen der Branche zu ihrer geschäftlichen Lage, die im Winter merklich schlechter ausfallen als noch im Herbst. Derzeit berichtet nicht einmal jeder zwanzigste Grossist über gut laufende Geschäfte. 45 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Situation als befriedigend, gut die Hälfte beurteilt ihre Geschäftslage jedoch als schlecht. Natürlich kann sich auch der Großhandel der allgemeinen Konjunkturflaute nicht entziehen. Entsprechend zögerlich fällt das Bestellverhalten seiner Kunden aus. Weite Teile des Wirtschaftszweiges sind hiervon betroffen. So leidet der produktionsbezogene Großhandel unter der noch immer trägen Industriekonjunktur, den konsumnahen Großhandel trifft dagegen die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Somit bleiben die Umsätze und Erträge der Branche weiterhin unter Druck. Die Hoffnung auf Besserung hat zwar geringfügig zugenommen, sie bleibt jedoch ausgesprochen schwach. Dies zeigen die Prognosen für den Geschäftsverlauf im Jahr 2026. Demnach bewertet die Hälfte der Großhändler ihre geschäftlichen Aussichten als schlecht. Ein knappes Drittel geht zumindest von einer gleichbleibenden Entwicklung aus. Bessere Geschäfte erwartet dagegen nicht einmal jedes fünfte Großhandelsunternehmen.
Dienstleistungen
Obwohl der sektorale Konjunkturklimaindikator für die Dienstleistungswirtschaft um beachtliche 11 Punkte auf einen Stand von 93 zulegen konnte, bleibt die Stimmung der Branche insgesamt noch durchwachsen. Zwar fallen die Rückmeldungen der Dienstleister zu ihren Umsätzen, Erträgen und Auftragseingängen aktuell erkennbar besser aus als im zurückliegenden Herbst, eine nachhaltige Erholung ist damit jedoch noch nicht verbunden. Momentan bewerten 23 Prozent der Dienstleister ihre Geschäftslage als gut. 59 Prozent sehen sie als befriedigend an, 18 Prozent hadern hingegen mit seiner Situation. Immerhin ist der Dienstleistungssektor mit diesem Feedback derzeit der einzige an der Umfrage beteiligte Wirtschaftszweig, bei dem die geschäftlichen Lagebeurteilungen per Saldo in den Positivbereich hineinreichen. Von langjährigen Durchschnittswerten ist die Branche aber immer noch weit entfernt. Vielen unternehmensbezogenen Dienstleistern fehlen die Aufträge der heimischen Industrie- und Gewerbekunden und auch die personenbezogenen Dienstleister spüren die Zurückhaltung ihrer Klienten. Angesichts des trägen Geschäftsumfelds blickt die Branche weiterhin mit Skepsis auf die Geschäftsentwicklung im angebrochenen Jahr. Nur 12 Prozent der befragten Betriebe glauben, dass 2026 eine geschäftliche Aufhellung bringen wird. Gleichbleibende Geschäfte erwarten immerhin 58 Prozent. Drei von zehn Unternehmen rechnen jedoch mit einer geschäftlichen Eintrübung. Auch für die Dienstleister dürfte die nähere Zukunft also herausfordernd bleiben.
Teilnehmen an der Konjunkturumfrage
Je mehr Unternehmen sich an der IHK-Konjunkturumfrage beteiligen, desto repräsentativer und verlässlicher sind deren Ergebnisse. Das Ausfüllen des Fragebogens dauert maximal fünf Minuten - bei vier Befragungen im Jahr. Machen Sie mit und stärken Sie die Aussagekraft unserer regionalen Konjunkturberichterstattung. Hier geht es zur Konjunkturumfrage.
