Konjunkturumfrage 2. Quartal 2026

Konjunkturflaute in der Region Braunschweig-Wolfsburg hält an

Auch zur Jahresmitte zeichnet sich für die regionale Wirtschaft keine konjunkturelle Trendwende ab. Die Stimmung der Unternehmen verharrt stattdessen auf dem schwachen Niveau der Vorquartale – und Besserung scheint vorerst nicht in Sicht. Dies zeigt der gemeinsame Konjunkturbericht der IHK Braunschweig und der IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) für das zweite Quartal 2026. Demnach notiert der IHK-Konjunkturklimaindikator, der sowohl die aktuelle geschäftliche Lage als auch die Geschäftserwartungen der Unternehmen abbildet, im Sommer wie bereits im Frühjahr auf einem unveränderten Stand von 79 Punkten. Damit liegt der Indikator weiterhin deutlich unter dem neutralen Wert von 100. Diese Schwelle konnte er nun bereits seit viereinhalb Jahren nicht mehr erreichen. Eine derartig langanhaltende Schwächephase hat es im Rahmen der regionalen Konjunkturbeobachtung nie zuvor gegeben.
Branchen im Vergleich
Ein Blick auf die sektoralen Konjunkturklimaindikatoren der einzelnen Branchen verdeutlicht, dass die anhaltend schwache Dynamik des Konjunkturgeschehens alle Bereiche der regionalen Wirtschaft fest im Griff hat. Tristesse herrscht vor allem im Großhandel mit einem sektoralen Indikatorstand von 42. Nur wenig besser ist die Stimmung im Einzelhandel mit einem branchenbezogenen Indikatorwert von 60. Auch in der Industrie wird lediglich der eher bescheidene Wert von 83 erreicht. Und unter den Dienstleistern bleibt die Laune entsprechend dem sektoralen Indikatorstand von 89 ebenfalls sehr durchwachsen. Immerhin konnten der Indikatorwert für die Dienstleistungswirtschaft im Vergleich zum Vorquartal etwas Boden gutmachen, derjenige für die Industrie blieb nahezu unverändert. Die Indikatoren für den Groß- und Einzelhandel entwickelten sich zwischen Frühjahr und Sommer hingegen erkennbar rückläufig.
Dass sich der IHK-Konjunkturklimaindikator in der Gesamtschau nicht von der Stelle bewegt, gründet sich auf die weitgehend unveränderten Rückmeldungen der Unternehmen – und zwar gleichermaßen zu ihrer Geschäftslage wie auch zu ihren Geschäftserwartungen. Auf die Frage nach der geschäftlichen Lage bezeichnet derzeit nicht einmal jeder fünfte Betrieb diese als gut. Etwas mehr als die Hälfte sieht sie wenigstens als befriedigend an, drei von zehn Unternehmen beurteilen ihre Situation hingegen als schlecht. Aus den guten und schlechten Lagebewertungen ergibt sich ein Saldo von - 12, eine nur unwesentliche Veränderung gegenüber dem Vorquartal (- 11). Konstant fällt auch die Vorausschau der regionalen Wirtschaft auf die Geschäftsentwicklung im weiteren Jahresverlauf aus – leider konstant pessimistisch: So erwartet nur jeder zehnte befragte Betrieb eine geschäftliche Aufhellung. Jeder zweite geht zumindest von einem unveränderten Geschäftsverlauf aus. 40 Prozent befürchten jedoch eine geschäftliche Eintrübung. Folglich fällt der Saldo aus günstigen und ungünstigen Geschäftserwartungen mit - 30 genauso schlecht aus wie im Vorquartal.
Was der regionalen Wirtschaft die Sorgenfalten ins Gesicht treibt, verrät ein Blick auf die größten Risiken, die die Unternehmen für ihre künftige Geschäftsentwicklung sehen. So befürchtet mehr als die Hälfte, dass die Entwicklung der Arbeitskosten zu einer schweren Last wird. 60 Prozent der Befragten sorgen sich um die hohen Energie- und Rohstoffpreise und gut 70 Prozent um die Inlandsnachfrage. An allererster Stelle der Risiken werden aber die herrschenden wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen genannt. Drei Viertel aller befragten Unternehmen sehen darin ein beträchtliches Problem.
An diesem Punkt hakt Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig, ein und sagt: „Die anhaltend schlechte Stimmung der regionalen Wirtschaft gründet sich auf tiefgreifende strukturelle Defizite des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Daher müssen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die zugehörigen Entscheidungen nun endlich konsequent darauf ausgerichtet werden, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu stärken und wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen. Das Reformpaket, auf das sich der Koalitionsausschuss der bundesdeutschen Regierungsparteien geeinigt hat, enthält hierzu wichtige Schritte. Insbesondere beim Bürokratieabbau sind der pauschale Entfall von Berichtspflichten und die Einführung der Beweislastumkehr für Belastungen zu begrüßen. Auch die Genehmigungsfiktion nach vier Monaten behördlicher Liegezeit sowie die längere sachgrundlose Befristung sind positive Beispiele. In dieser langanhaltenden Schwächephase ist für die Unternehmen aber entscheidend, dass die Beschleunigung bei Anträgen möglichst schnell kommt und nicht erst ab Ende 2027.“
Auch IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert fordert eine zügige und unbürokratische Umsetzung der positiven Maßnahmen des Reformpakets. Kritisch fügt er jedoch an: „Die Unternehmen brauchen jetzt mehr Spielräume, mehr Tempo und mehr Verlässlichkeit. Deshalb ist es enttäuschend, dass die im Koalitionsvertrag versprochene Flexibilisierung der Arbeitszeit fehlt. Ebenso falsch ist es, in der aktuellen Wachstumsschwäche zusätzliche Steuerbelastungen vorzusehen. Die Anhebung der sogenannten Reichensteuer trifft vor allem mittelständische Personengesellschaften und Familienunternehmen, die vor Ort investieren, Beschäftigung sichern und Ausbildung ermöglichen. Wer Wachstum will, darf Leistungsträger nicht weiter belasten, sondern muss Ausgaben überprüfen, Prioritäten setzen und Unternehmen spürbar entlasten.“

Gesamtwirtschaft Region Braunschweig-Wolfsburg

Vor dem Hintergrund der schwachen Geschäftslage, pessimistischer Erwartungen und zahlreicher wirtschafts- und geopolitischer Unsicherheiten bleibt die Investitionsbereitschaft der regionalen Wirtschaft weiterhin ausgesprochen verhalten. Sie hat sich zum Sommer hin sogar noch einmal merklich verschlechtert. Derzeit beabsichtigen 37 Prozent der befragten Betriebe, ihre Investitionsbudgets zu kürzen. 38 Prozent wollen ihr Investitionsvolumen unverändert belassen. An eine Ausweitung seiner Investitionen denkt hingegen nur jedes vierte Unternehmen. Aus den Rückmeldungen zum Investitionsverhalten ergibt sich somit ein deutlicher Negativsaldo, der als Hinweis für die mangelnde Attraktivität der Investitionsbedingungen am Standort Deutschland verstanden werden kann. Dabei ist der Bedarf an Investitionen in Zukunftstechnologien und innovative Produkte enorm. Denn ohne private Investitionen werden die Herausforderungen der Digitalisierung, der Transformation zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz sowie der Verteidigungsfähigkeit kaum zu bewältigen sein.
Die nun schon seit mehreren Jahren anhaltende Konjunkturflaute hinterlässt zunehmend tiefere Spuren auch auf dem Arbeitsmarkt. So zeigt die aktuelle Umfrage, dass die regionale Wirtschaft bei ihren Beschäftigungsplanungen mittlerweile kräftig auf die Bremse tritt. Aktuell beabsichtigt nicht einmal mehr jeder zehnte Betrieb, seinen Personalbestand auszubauen. Dagegen rechnen 40 Prozent der Unternehmen damit, die Anzahl ihrer Mitarbeiter reduzieren zu müssen. Die Beschäftigungsprognosen der regionalen Wirtschaft befinden sich damit auf einem Niveau, das in den vergangenen Jahren nur selten so schwach ausfiel. Dennoch sind die meisten Unternehmen sehr darum bemüht, ihre wertvollen Fachkräfte trotz aller konjunkturellen und strukturellen Probleme zu halten, denn ungeachtet rückläufiger Beschäftigungsprognosen besteht grundsätzlich bei vielen Unternehmen noch Personalbedarf. Daher sieht auch jetzt noch fast jedes dritte Unternehmen im Fachkräftemangel ein erhebliches Geschäftsrisiko.
Indikatoren Gesamtwirtschaft

Industrie

Im Vergleich zum Vorquartal ist das Konjunkturklima in der regionalen Industrie weitgehend unverändert geblieben. Mit einem Konjunkturklimaindikator von 83 Punkten bleibt die Stimmung der Branche jedoch weiterhin gedämpft. Dabei hat sich die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage gegenüber dem Vorquartal kaum verändert. Bezogen auf die künftige Geschäftsentwicklung deuten die Umfrageergebnisse aber auf eine weitere Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik hin. Darauf weisen insbesondere die rückläufigen Auftragseingänge und die eingetrübten Exporterwartungen hin. Aktuell geben 47 Prozent der regionalen Industriebetriebe an, dass ihre Auftragszahlen gesunken sind (Vorquartal: 20 Prozent). Für 45 Prozent der Unternehmen ist die Entwicklung der Auftragseingänge gleichgeblieben (Vorquartal: 54 Prozent). Nur 8 Prozent der Betriebe verzeichnen einen Anstieg (Vorquartal: 26 Prozent). Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Exporterwartungen wider. So rechnen 44 Prozent der Industrieunternehmen mit einem sinkenden Auslandsabsatz (Vorquartal: 21 Prozent), während 51 Prozent von einem unveränderten Ausfuhrgeschäft ausgehen. Lediglich 5 Prozent erwarten steigende Exporte (Vorquartal: 28 Prozent). All dies weist auf die anhaltenden Belastungen für die regionale Industrie hin – und lässt erwarten, dass den Produzenten noch schwierige Monate bevorstehen.
Indikatoren Industrie

Einzelhandel

Das Konjunkturklima im Einzelhandel hat sich weiter eingetrübt. So fiel der Branchenindikator gegenüber dem Vorquartal um neun Punkte auf einen sehr schwachen Wert von 60. Die geschäftliche Lage der Einzelhändler zeigt sich zunehmend angespannt. Gegenwärtig berichten 54 Prozent der Einzelhändler von schlecht laufenden Geschäften. Während 37 Prozent die derzeitige Lage als befriedigend empfinden, bezeichnen nur 9 Prozent der Einzelhändler ihre geschäftliche Situation als gut. Die Umsatzentwicklung hat sich sowohl im stationären Einzelhandel als auch im Onlinehandel abgeschwächt. Während im stationären Einzelhandel auch künftig rückläufige Umsätze erwartet werden, fallen die Umsatzprognosen für den Onlinehandel erkennbar günstiger aus. Und so bleibt speziell der stationäre Einzelhandel einem hohen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Die anhaltend schwache Konsumneigung der Verbraucher belastet jedoch die gesamte Branche. Und so bleibt der Ausblick des Handels auf die künftige Geschäftsentwicklung überwiegend pessimistisch. Vier von zehn Einzelhändlern rechnen in den kommenden Monaten mit schlechteren Geschäften, 55 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine unveränderte Entwicklung. Nur jeder zwanzigste Händler sieht einer Verbesserung seiner Geschäftslage entgegen. Entsprechend zurückhaltend fallen insbesondere die Investitions-, aber auch die Beschäftigungsplanungen des regionalen Einzelhandels aus.
Indikatoren Einzelhandel

Großhandel

Der sektorale Konjunkturklimaindikator für den Großhandel legte einen steilen Absturz hin und fiel auf den ausgesprochen niedrigen Wert von 42 zurück. Dies korrespondiert mit den Rückmeldungen der Branche zu ihrer geschäftlichen Lage, die im Sommer merklich schlechter ausfallen als noch im Frühjahr. Derzeit berichten lediglich 3 Prozent der Grossisten über gut laufende Geschäfte. 40 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Situation als befriedigend, mit 57 Prozent beurteilt jedoch mehr als die Hälfte ihre Geschäftslage als schlecht. Natürlich kann sich auch der Großhandel der allgemeinen Konjunkturflaute nicht entziehen. Entsprechend zögerlich fällt das Bestellverhalten seiner Kunden aus. Weite Teile des Wirtschaftszweiges sind hiervon betroffen. So leidet der produktionsbezogene Großhandel unter der noch immer trägen Industriekonjunktur, den konsumnahen Großhandel trifft dagegen die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Somit bleiben die Umsätze und Erträge der Branche weiterhin unter Druck. Die Hoffnung auf Besserung bleibt schwach, vielmehr ist der Pessimismus sogar noch einmal angewachsen. Dies zeigen die Prognosen für den Geschäftsverlauf in der zweiten Jahreshälfte. Demnach bewerten zwei Drittel der Großhändler ihre geschäftlichen Aussichten als schlecht. Ein knappes Drittel geht zumindest von einer gleichbleibenden Entwicklung aus. Bessere Geschäfte erwarten dagegen nur einzelne Großhandelsunternehmen.
Indikatoren Grosshandel

Dienstleistungen

Der branchenbezogene Konjunkturklimaindikator für die Dienstleistungswirtschaft konnte zwar neun Punkte gutmachen und einen Wert von 89 erreichen – die Stimmung bleibt aber auch unter den Dienstleistern angespannt, zumal sich der Anstieg allein auf die leicht verbesserten Geschäftsaussichten gründet. Gegenwärtig prägen aber rückläufige Umsätze, Erträge und Auftragseingänge das Bild der Branche. So berichten 43 Prozent der Dienstleistungsunternehmen von gesunkenen Umsätzen, während diese bei 37 Prozent auf dem Niveau des Vorquartals liegen. Lediglich jedes fünfte Dienstleistungsunternehmen konnte Umsatzsteigerungen verbuchen. Vielen unternehmensbezogenen Dienstleistern fehlen Aufträge der heimischen Industrie- und Gewerbekunden und auch die personenbezogenen Dienstleister spüren die Zurückhaltung ihrer Klienten. In der Folge bewerten auch nur noch 23 Prozent der Dienstleister ihre geschäftliche Lage als gut. Die Hälfte sieht sie als befriedigend an, 27 Prozent hadern hingegen mit ihrer Situation. Angesichts des trägen Geschäftsumfelds bleiben die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung im weiteren Jahresverlauf weiterhin verhalten. So glauben nur 15 Prozent der befragten Dienstleistungsbetriebe an eine geschäftliche Aufhellung. Gleichbleibende Geschäfte erwarten immerhin 54 Prozent. Ein knappes Drittel rechnet jedoch mit einer geschäftlichen Eintrübung.
Indikatoren Dienstleistungen

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