Konjunkturumfrage 1. Quartal 2026

Nahost-Konflikt drückt auf die Stimmung der regionalen Wirtschaft

Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und die in der Folge rasant gestiegenen Energiepreise haben sich die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung im Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg vorerst zerschlagen. Stattdessen sieht sich die regionale Wirtschaft in einer bereits seit mehreren Jahren andauernden Abfolge von Krisen nun erneut mit gravierenden Herausforderungen konfrontiert. Die Aussicht auf gestörte Transportwege, Verwerfungen in den Lieferketten und mangelnde Verfügbarkeiten oder hohe Kosten für Energie und Rohstoffe erhöht die Unsicherheitswahrnehmung massiv und schlägt sich in der Stimmung der Unternehmen nieder. Dies ergibt sich aus dem gemeinsamen Konjunkturbericht der IHK Braunschweig und der IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) für das erste Quartal 2026.
Demnach gab der IHK-Konjunkturklimaindikator im Zeitraum zwischen der Jahreswende und Frühjahr um sieben Punkte nach, weshalb er aktuell nur noch einen Stand von 79 aufweist. Der Abstand zum neutralen 100er-Wert ist damit wieder merklich angewachsen. Diesen Neutralwert konnte der Indikator nun schon seit mehr als vier Jahren nicht mehr überspringen. Ein Blick auf die sektoralen Konjunkturklimaindikatoren der einzelnen Branchen zeigt, dass in allen Wirtschaftsbereichen Sorgenfalten das Bild bestimmen. Tristesse herrscht vor allem im Einzelhandel mit einem sektoralen Indikatorstand von 69. Kaum besser ist die Stimmung im Großhandel mit einem branchenbezogenen Indikatorwert von 76. Auch unter den Dienstleistern wird lediglich der bescheidene Wert von 80 erreicht. Und in der Industrie bleibt die Laune entsprechend dem sektoralen Indikatorstand von 84 ebenfalls sehr durchwachsen. Verglichen mit dem Vorquartal haben damit die Indikatorstände aller Branchen an Boden verloren. Lediglich der Großhandel konnte vor dem Hintergrund eines ausgesprochen niedrigen Ausgangsniveaus etwas Boden gutmachen.
Zu der jüngsten Abkühlung des regionalen Konjunkturklimas haben nachlassende Lagebeurteilungen, vor allem aber die wieder erkennbar pessimistischeren Geschäftserwartungen der befragten Unternehmen beigetragen. Aktuell bezeichnen gerade einmal 16 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. 57 Prozent schätzen sie immerhin als befriedigend ein. Mit 27 Prozent beurteilt jedoch mehr als jeder vierte Betrieb seine momentane Situation als schlecht. Noch schwächer als die Lagebeurteilungen fallen die geschäftlichen Aussichten der regionalen Wirtschaft auf die kommenden Monate aus. Der Blick nach vorn war bereits in den Vorquartalen stark eingetrübt. Zum Frühjahr hin ist die Skepsis nun nochmals angewachsen. Mittlerweile rechnen 40 Prozent der befragten Betriebe mit geschäftlichen Einbußen. Die Hälfte meint, das Geschäftsniveau zumindest halten zu können. An eine Aufhellung der Geschäftstätigkeit glaubt inzwischen aber nur noch jedes zehnte Unternehmen.
Welche Sorgen die regionale Wirtschaft derzeit umtreiben, verrät ein Blick auf die größten Risiken, die die Unternehmen für ihre künftige Geschäftsentwicklung sehen. So befürchtet mehr als die Hälfte, dass die Entwicklung der Arbeitskosten zu einer schweren Last wird. 60 Prozent der Befragten sorgen sich um die Inlandsnachfrage. An allererster Stelle der Risiken werden aber die hohen Energie- und Rohstoffpreise sowie die herrschenden wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen genannt. Für sieben von zehn Unternehmen stellen diese beiden Faktoren ein beträchtliches Problem dar.
An diesen Punkt knüpft IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert an und sagt: „Der Nahost-Konflikt verschärft die Lage für unsere Unternehmen in einer ohnehin angespannten Phase deutlich. Schon vorher standen viele Betriebe unter erheblichem Druck durch hohe Energie- und Arbeitskosten, steuerliche Belastungen und bürokratische Hemmnisse. Damit der Standort Deutschland wettbewerbsfähig bleibt, braucht es jetzt spürbare Reformen bei den Energie- und Arbeitskosten, beim Bürokratieabbau und bei besseren Rahmenbedingungen für Investitionen und Wachstum. Nur so schaffen wir neue Perspektiven für Unternehmen und Beschäftigte.“
Dem schließt sich Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig, an und ergänzt: „Wir brauchen endlich strukturelle Reformen, die die Wirtschaft in ihrer Breite entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Der durch den Nahost-Konflikt ausgelöste Energiepreisschock erfordert jedoch auch kurzfristige Krisenreaktionen. Dass die Energiesteuer bei Benzin und Diesel um jeweils rund 17 Cent pro Liter befristet gesenkt wird, ist zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, schöpft aber das Entlastungspotenzial nicht aus, da beim Benzin eine Entlastung um rund 35 Cent pro Liter möglich wäre. Zudem sollten auch Gas und Heizöl in die Energiesteuersenkung einbezogen werden. Hier plädieren wir für entsprechenden Nachschärfungen. Und auch die Stromsteuer muss jetzt dauerhaft für alle auf EU-Mindestniveau gesenkt werden. Auf diese Weise ließen sich die gravierenden Folgen des Nahost-Krieges für unsere Wirtschaft zumindest abfedern.“
Allgemeine Konjunkturlage 1/2026

Gesamtwirtschaft Region Braunschweig-Wolfsburg

Angesichts der ernüchternden Rückmeldungen der Unternehmen zu ihrer Geschäftslage, ihren Geschäftserwartungen und der aktuell besonders zahlreichen Unsicherheitsfaktoren überrascht es nicht, dass die Investitionsbereitschaft der regionalen Wirtschaft auf mäßigem Niveau verharrt. Dabei ist der Bedarf an Investitionen in Zukunftstechnologien oder innovative Produkte grundsätzlich ausgesprochen hoch, denn ohne umfassende private Investitionen werden die Herausforderungen der Digitalisierung, der Verteidigungsfähigkeit oder der Transformation zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz kaum zu bewältigen sein. Immerhin bewegt sich der Saldo der entsprechenden Rückmeldungen nicht mehr unterhalb der Nulllinie. Stattdessen halten sich positives und negatives Feedback wie schon im Vorquartal die Waage. Aktuell rechnen 28 Prozent der befragten Unternehmen mit einer Ausweitung ihrer Investitionsbudgets, ebenso viele gehen allerdings von einer Kürzung aus. 44 Prozent beabsichtigen, ihr Investitionsvolumen unverändert zu belassen.
Die nun schon mehrere Jahre andauernde konjunkturelle Flaute schlägt immer mehr auch auf den Arbeitsmarkt durch. Wie die aktuelle Umfrage zeigt, tritt die regionale Wirtschaft bei ihren Beschäftigungsplanungen mittlerweile kräftig auf die Bremse. So beabsichtigt derzeit nicht einmal mehr jeder zehnte Betrieb, seinen Personalbestand auszubauen. Dagegen rechnen 35 Prozent der Unternehmen damit, die Anzahl ihrer Mitarbeiter reduzieren zu müssen. Innerhalb der letzten fünf Jahre sind die Beschäftigungsprognosen der regionalen Wirtschaft nur ein einziges Mal schlechter ausgefallen. Dennoch sind die meisten Unternehmen sehr darum bemüht, ihre wertvollen Fachkräfte trotz aller konjunkturellen und strukturellen Probleme zu halten, denn trotz rückläufiger Beschäftigungsprognosen besteht grundsätzlich bei vielen Unternehmen noch Personalbedarf. Und so sieht auch jetzt noch fast jedes dritte Unternehmen im Fachkräftemangel ein erhebliches Geschäftsrisiko.
Indikatoren Gesamtwirtschaft 1/2026

Industrie

Dass der Konjunkturklimaindikator für die Industrie um elf Punkte auf einen Stand von 84 zurückfiel, liegt in erster Linie an den inzwischen wieder deutlich verschlechterten Geschäftsaussichten. Dagegen hat sich die geschäftliche Lage der regionalen Industrie im Vergleich zum Vorquartal nur geringfügig verändert. Momentan berichten 16 Prozent der Hersteller von guten Geschäften. Die große Mehrheit der Betriebe beschreibt ihre Situation als befriedigend bzw. saisonüblich. Über einen schlechten Geschäftsverlauf klagt mit 24 Prozent jedoch fast jeder vierte Produzent. Der Saldo aus positiven und negativen Rückmeldungen beträgt demnach -8 und verharrt nun schon seit einem Jahr konstant auf durchwachsenem Niveau. Trotz der unveränderten Lagebeurteilung enthalten die Umfrageergebnisse aber auch einzelne Hoffnungsschimmer. So ist es der regionalen Industrie zuletzt gelungen, ihre Umsätze und Erträge weiter zu stabilisieren. Zudem haben sich die Auftragseingänge und in der Folge auch die Auftragsbestände weiter konsolidiert. Dennoch hält immer noch jeder vierte Industriebetrieb das eigene Auftragsvolumen für zu gering. Auf ein komfortables Auftragspolster blickt dagegen nur jedes zehnte Unternehmen. Der Blick nach vorn hat sich durch die Auswirkungen des Nahost-Konfliktes wieder stark eingetrübt. Nur noch 11 Prozent erwarten bessere Geschäfte im weiteren Jahresverlauf, ein gutes Drittel fürchtet hingegen geschäftliche Einbußen.

Einzelhandel

Auch den Einzelhandel stellt der Iran-Krieg vor neue Herausforderungen. Steigende Kosten für Kraftstoffe sowie drohende Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Transport und Energieversorgung verunsichern die Handelskunden und lassen erwarten, dass sich die ohnehin schwache Konsumneigung der Verbraucher weiter eintrüben wird. Und so fällt das Konjunkturklima im Einzelhandel aktuell sogar noch etwas trüber aus als zu Jahresbeginn. Der entsprechende Branchenindikator gab um drei Punkte auf einen Stand von 69 nach. Derzeit bezeichnen nur noch 3 Prozent der Einzelhändler ihre geschäftliche Situation als gut. Eine große Mehrheit von 70 Prozent empfindet sie immerhin als befriedigend. 27 Prozent der Einzelhändler berichten hingegen von schlecht laufenden Geschäften. Unter Druck steht insbesondere der stationäre Einzelhandel, aber auch im Onlinehandel bleibt das Wachstum sehr moderat. Da sich momentan keine Besserung der Lage andeutet, bleibt der Ausblick des Handels auf die Geschäfte im weiteren Jahresverlauf wenig hoffnungsvoll. 44 Prozent rechnen mit einer Eintrübung ihrer Geschäftslage. Während jeder zweite Händler eine gleichbleibende Entwicklung prognostiziert, erwarten nur noch 6 Prozent der befragten Handelsunternehmen in den kommenden Monaten bessere Geschäfte. Vor diesem Hintergrund fallen auch die Investitions- und Personalplanungen des regionalen Einzelhandels sehr zurückhaltend aus.

Großhandel

Der aktuelle Anstieg des Konjunkturklimaindikators für den Großhandel ist vor dem Hintergrund seines außerordentlich niedrigen Ausgangsniveaus aus dem Vorquartal zu betrachten. Trotz einer Zunahme um beachtliche 16 Punkte kletterte der Branchenwert im Frühjahr daher lediglich auf einen Stand von 76. Obwohl die Branche ihre Umsätze zuletzt stabilisieren konnte, bleibt ihr konjunkturelles Umfeld schwach und von hoher Unsicherheit geprägt. Dies zeigen die Rückmeldungen der Großhändler zu ihrer geschäftlichen Lage. So berichten zwar 22 Prozent der Grossisten über gut laufende Geschäfte und ein knappes Drittel der Betriebe bezeichnet seine Situation als befriedigend – mit 47 Prozent beurteilt jedoch fast jedes zweite Großhandelsunternehmen seine Geschäftslage als schlecht. Natürlich können sich auch die Großhändler der anhaltenden Konjunkturflaute nicht entziehen. Entsprechend zögerlich fällt das Bestellverhalten seiner Kunden aus. So leidet der Produktionsverbindungshandel unter der trägen Industriekonjunktur, den konsumnahen Großhandel trifft die fortdauernde Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Auch wenn die Hoffnung auf eine Normalisierung des Geschäftsverlaufs im Frühjahr wieder etwas angewachsen ist, bleibt sie verhalten. So bewertet immer noch mehr als die Hälfte der Großhändler die geschäftlichen Aussichten als schlecht. Bessere Geschäfte erwartet demgegenüber nur ein gutes Viertel.

Dienstleistungen

Die anhaltende Konjunkturflaute setzt auch die Dienstleister immer stärker unter Druck. So sackte der sektorale Konjunkturklimaindikator für die Dienstleistungswirtschaft im Frühjahr um ganze 13 Punkte auf einen schwachen Wert von 80 ab. Ins Minus gerissen wird die Dienstleistungskonjunktur durch rückläufige Lagebeurteilungen, vor allem aber durch die merklich verschlechterten Geschäftserwartungen der Branche. Derzeit bewertet nur noch ein gutes Fünftel der Dienstleister seine Geschäftslage als gut. 58 Prozent sehen sie als befriedigend an, ein weiteres gutes Fünftel hadert hingegen mit ihrer Situation. Eine erkennbare Abwärtstendenz zeigen die Rückmeldungen der Branche zu ihren Auftragseingängen, Umsätzen und Erträgen. Vielen unternehmensbezogenen Dienstleistern fehlen Aufträge der heimischen Industrie- und Gewerbekunden und auch die personenbezogenen Dienstleister spüren die Zurückhaltung ihrer Klienten. Zudem leiden auch die Dienstleistungsbetriebe unter gestiegenen Kosten für Energie, Material und Personal. Vor diesem Hintergrund haben sich die Aussichten auf die kommenden Monate wieder verdüstert. Inzwischen glaubt nicht einmal mehr ein Zehntel der befragten Betriebe an eine geschäftliche Aufhellung. Etwas weniger als die Hälfte erwartet immerhin gleichbleibende Geschäfte, 44 Prozent rechnen jedoch mit einer geschäftlichen Eintrübung. Auch für die Dienstleistungswirtschaft dürfte die nähere Zukunft also herausfordernd bleiben.

Teilnehmen an der Konjunkturumfrage

Je mehr Unternehmen sich an der IHK-Konjunkturumfrage beteiligen, desto repräsentativer und verlässlicher sind deren Ergebnisse. Das Ausfüllen des Fragebogens dauert maximal fünf Minuten - bei vier Befragungen im Jahr. Machen Sie mit und stärken Sie die Aussagekraft unserer regionalen Konjunkturberichterstattung. Hier geht es zur Konjunkturumfrage.