Sicherheit als Standortfaktor
In Kooperation mit dem Handelsverband Harz-Heide e. V. fand am 3. November die Veranstaltung „Sicherheit als Standortfaktor“ statt. Das Thema Sicherheit wird in der Öffentlichkeit zunehmend diskutiert und stellt Kommunen, Unternehmen und Sicherheitsbehörden vor vielfältige Aufgaben und Herausforderungen.
Haben sich für die Organisation zusammengetan (v. l.): Christian Scheffel (IHK Braunschweig), Dr. Florian Löbermann (IHK Braunschweig), Thomas Ring (Polizeidirektion Braunschweig), Anna Rau (Deutsch-Europäisches Forum für Urbane Sicherheit DEFUS e. V.), Dr. Tobias Pollmann (Ordnungsdezernat Stadt Braunschweig), Steffen Ahrens (Handelsverband Harz-Heide e. V.) und Olaf Jaeschke (IHK Braunschweig und Handelsverband Harz-Heide e. V.).
Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig, freute sich, die Veranstaltung zu eröffnen und machte gleich zu Beginn deutlich, dass attraktive Ortszentren Voraussetzung für lebendige Handelsstandorte sind: „Innenstädte sind identitätsstiftende Orte zwischenmenschlicher Begegnung. Das ist gleichermaßen Chance und Herausforderung. Das Aufeinandertreffen von Menschen mit unterschiedlicher Sozialisierung und vielfältigen Erfahrungshorizonten erzeugt automatisch divergierende Ansprüche und Erwartungen sowie dynamische soziale Interaktionen.“
Olaf Jaeschke, Vizepräsident der IHK Braunschweig und Präsident des Handelsverbandes Harz-Heide e. V., betonte, dass Innenstadtsicherheit aus wirtschaftspolitischer Sicht kein Randthema, sondern ein entscheidender Standortfaktor ist: „Sicherheit entscheidet mit darüber, ob Innenstädte besucht, gemieden oder nur noch kurz gezielt aufgesucht werden. Unsicherheit führt wahrscheinlich nicht zum Komplettverzicht, aber zu kürzeren, selteneren und stärker zweckorientierten Besuchen. Das hat direkte Folgen für Handel und Gastronomie in Dienstleistungen in den Zentren. Sicherheit, Ordnung und auch Sauberkeit sind damit zentrale Voraussetzungen für wirtschaftliche Stabilität, urbane Attraktivität und am Ende auch für Investitionen von Immobilieneigentümerinnen und -eigentümern.“
Thomas Ring, Polizeipräsident der Polizeidirektion Braunschweig, hat in einem Vortrag „Gefühlt sicher oder echt unsicher? Kriminalität in Innenstädten“ über objektive und subjektive Sicherheit berichtet: „Sicherheit bedeutet für uns, dass Menschen in unseren Innenstädten nicht nur objektiv sicher sind, sondern sich dort auch sicher fühlen. Die statistische Kriminalitätslage ist insgesamt stabil und entwickelt sich positiv. Gleichwohl nehmen wir bestehende Unsicherheiten ernst. Für objektive und subjektive Sicherheit in den Innenstädten ist entscheidend, dass Polizei, Kommunen, Netzwerkpartner sowie die Gesellschaft sehr eng und verzahnt zusammenarbeiten. Vorrangiges Ziel der gemeinsamen Anstrengungen sollte dabei sein, dass Brennpunkte erst gar nicht entstehen.“
Dr. Tobias Pollmann, Stadtrat und Ordnungsdezernent der Stadt Braunschweig, hat unter dem Titel „Sicherheit in der Braunschweiger Innenstadt sowie Handlungsmöglichkeiten, Präventionsmaßnahmen und Initiativen des Ordnungsdezernates“ aufgezeigt, in welchem Strukturwandel sich die Braunschweiger Innenstadt aktuell befindet. Leerstandsbekämpfung, Pocket Parks und die Organisation eines ansprechendes Veranstaltungsportfolios nannte Pollmann beispielhaft als Aufgaben, die eine grundlegende Rolle spielen. Beim Thema Veranstaltungen machte er Folgendes deutlich: „Bei der Planung von Veranstaltungen gibt es ein „Vor-Magdeburg“ und ein „Nach-Magdeburg“. Zweiteres hat die Planungen deutlich verkompliziert. Denn Sicherheit hat ihren Preis. Sowohl finanziell als auch in der Beschränkung der persönlichen Freiheit eines jeden Einzelnen.“
Anna Rau, Geschäftsführerin Deutsch-Europäisches Forum für Urbane Sicherheit (DEFUS e. V.), stellte praktische Lösungsansätze zur Erhöhung des individuellen Sicherheitsgefühls vor: „Deutschland ist nach wie vor ein sicheres Land. Globale Konflikte, Folgen der Wohnungskrise und die Drogenkrise spiegeln sich aber in Veränderungen in unseren Städten wider. Kommunen stehen deshalb vor der großen Herausforderung, auf diese Probleme reagieren zu müssen, können sie aber nicht ohne Bund und Land lösen. Dennoch können sie aber einiges tun, um attraktive Innenstädte für alle Nutzungsgruppen zu gestalten. Dafür braucht es Mut, Neues auszuprobieren, Pragmatismus und vor allem die Zusammenarbeit aller Verwaltungsbereiche nach dem Motto: Alle sind zuständig!“
Bei der abschließenden Podiumsdiskussion haben die Teilnehmenden die Gelegenheit genutzt, den Vortragenden ihre Fragen zu stellen. Es wurde deutlich, dass wir in Deutschland sicher leben, es dennoch gefühlte Unsicherheiten gibt, die von jedem unterschiedlich wahrgenommen werden. Alle Beteiligten waren sich einig, dass auch diese subjektive Wahrnehmung ihren Platz hat und Beachtung finden muss.
