Verleihung des 39. Technologietransferpreises der IHK Braunschweig

Die Industrie- und Handelskammer Braunschweig verleiht den Technologietransferpreis seit 40 Jahren und zeichnet damit herausragende Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in der Region aus. Rund 160 Gäste aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Politik kamen zusammen, um innovative Projekte und den erfolgreichen Austausch zwischen Forschung und Praxis zu würdigen. Gewonnen hat das Projekt „EdgeAdapt“.

Das feierliche Rahmenprogramm

Zum Auftakt der Veranstaltung betonte Dr. Ralf Utermöhlen, 1. Stellvertreter des Präsidenten, die besondere Bedeutung des Technologietransfers: „In einer Zeit, in der sich Technologien, Märkte und ganze Wertschöpfungsketten rasant verändern, ist der enge Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wichtiger denn je. Nur durch konsequenten Technologietransfer lassen sich Wettbewerbsfähigkeit sichern, Transformation gestalten und nachhaltige Lösungen schnell in die Anwendung bringen."
Gleichzeitig gab er einen Ausblick auf das Gauß-Jahr 2027: Neben dem Technologietransferpreis wird die IHK Braunschweig einmalig einen zusätzlichen Gauß-Preis vergeben. Dieser wird bundesweit ausgeschrieben und ist ebenfalls mit 10.000 Euro dotiert.
Für einen inspirierenden Impuls sorgte anschließend der bekannte Moderator und Comedy-Entwickler Klaus-Jürgen „Knacki“ Deuser mit seinem Vortrag „Keine Angst vor neuen Ideen“. Mit Humor und persönlichen Erfahrungen zeigte er, wie wichtig Mut, Kreativität und Offenheit für Innovationen sind.
Darüber hinaus wurden im Verlauf des Abends die Mitglieder der Jury vorgestellt und für ihr Engagement im Bereich Innovation und Technologietransfer gewürdigt. Neu in der Jury ist Prof. Dr. Ina Schiering, Vizepräsidentin für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften.
Ein weiterer Höhepunkt war der Talk „Wo alles begann!“, in dem Dr. Sebastian Röthele, Geschäftsführer der Sympatec GmbH, auf die Anfänge des Technologietransferpreises zurückblickte. „Die Auszeichnung vor 40 Jahren war für Sympatec und die TU Clausthal ein wichtiger Impuls, wissenschaftliche Innovation konsequent in industrielle Anwendungen zu überführen. Dass wir heute auf diese Anfänge zurückblicken können, zeigt, wie nachhaltig erfolgreicher Technologietransfer wirken kann“, betonte Dr. Sebastian Röthele.
Im Anschluss wurde Peter Peckedrath, Innovationsberater i. R. der IHK Braunschweig und Mitorganisator der ersten Preisverleihung vor 40 Jahren, auf die Bühne geholt. Gemeinsam mit Röthele wurde er für seinen Beitrag zum Technologietransfer in der Region gewürdigt. Dr. Florian Löbermann betonte: „Beide stehen sinnbildlich für den Ursprung und die Kontinuität des Technologietransfers in unserer Region – ohne engagierte Persönlichkeiten zu Beginn und den stetigen Einsatz im weiteren Verlauf würde der Technologietransferpreis heute nicht das sein, was er ist. Die Verleihung des Technologietransferpreises in unserem IHK-Bezirk bietet der so bedeutenden Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft die notwendige Bühne, die sie für unsere Zukunft braucht.“

Die Entscheidung

Im Mittelpunkt des Abends standen die drei Finalistenprojekte, die in kurzen Filmen vorgestellt wurden: der COAD®-Prozess zur Plasmabeschichtung des Fraunhofer IST gemeinsam mit der Rohloff AG und Tantec A/S, die Akustiktechnologie „EdgeAdapt“ der Technischen Universität Braunschweig und der CompositeEdge GmbH sowie „Topticlock“ – ein hochpräzises Zeitmesssystem der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt und TOPTICA Photonics SE.
Mit Spannung wurde die Entscheidung des Publikums erwartet. Unter großem Applaus zeichnete Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig, die Technische Universität Braunschweig und die CompositeEdge GmbH mit dem Technologietransferpreis 2026 aus. „Das Projekt „EdgeAdapt“ zeigt in besonderer Weise, wie aus exzellenter Forschung eine praxisnahe und nachhaltige Lösung entsteht, die echten industriellen Mehrwert schafft“, betonte Löbermann bei der Preisverleihung. Mit dem Projekt „EdgeAdapt“ ist aus universitärer Forschung eine serienreife Technologie für nachhaltigen Lärmschutz entstanden. Das ultradünne Sound Panel absorbiert über 95 Prozent des Lärms unter 1000 Hz, ist vollständig recycelbar, feuerfest und deutlich leichter als herkömmliche Lösungen. Die Entwicklung zeigt beispielhaft, wie erfolgreich Technologietransfer aus der Forschung in konkrete industrielle Anwendungen gelingen kann – von Wärmepumpen über Fahrzeuge bis hin zu Rechenzentren.

Das Siegerprojekt

EdgeAdapt - Ultradünne Akustiktechnologie für nachhaltigen Lärmschutz

Als Spin-off der Technische Universität Braunschweig hat CompositeEdge eine serienreife Akustiktechnologie realisiert, die Dämmung neu definiert: Das EdgeAdapt Sound Panel absorbiert über 95 % des Lärms unter 1000 Hz bei unter 1 mm Dicke – herkömmliche Schäume erreichen mit 40 mm nur etwa 20 %. Das kleberfreie, vollständig recycelbare Faserverbund- oder Metallmaterial ist feuerfest (>1000 °C) und 80 % leichter. Das Panel findet Einsatz überall dort, wo Lärm entsteht und Raum begrenzt ist — in Wärmepumpen, Kompressoren, Fahrzeugen, Industriemaschinen, Rechenzentren und im Bauwesen.

Die Finalistenprojekte

Topticlock – Präzision in Anwendung

In Zusammenarbeit mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) treibt TOPTICA Photonics die Kommerzialisierung optischer Uhren voran, die künftig die heute gut etablierten und weltweit genutzten Atomuhren ablösen sollen. Durch die rund 100.000-fach höhere Frequenz optischer Übergänge ermöglichen sie deutlich präzisere Messungen. Die gemeinsam entwickelte Technologie wurde erfolgreich in das kommerzielle System TOPTICLOCK überführt, umfassend charakterisiert und ist bereits bei einem ersten Kunden im Einsatz. Neben der Anwendung als Zeitgeber, soll die optische Uhr auch für Satellitennavigation, zur Synchronisation im Bereich digitaler Infrastruktur und in der Geodäsie genutzt werden.

Der COAD®-Prozess – Plasmabeschichtung zur kontrollierten Haftung

Das Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST entwickelte mit dem COAD®-Prozess ein nachhaltiges Kaltplasmaverfahren, das Oberflächen vollautomatisiert reinigt und mit einer nanodünnen, hochreaktiven Schicht aktiviert, um die Haftung zwischen Materialien deutlich zu verbessern – ganz ohne Lösungsmittel. Für die Rohloff AG wurde der Prozess gezielt für die Abdichtung von Metallwellen im Fahrradnabengetriebe optimiert. Gemeinsam mit Tantec A/S entstand daraus ein industrielles Anlagensystem, das lizenziert wurde und nun unter dem Namen VacuTEC+ vermarktet wird.

Die Videos

  • EdgeAdapt - Ultradünne Akustiktechnologie für nachhaltigen Lärmschutz: „EdgeAdapt“
  • Topticlock – Präzision in Anwendung: „Topticlock“
  • Der COAD®-Prozess – Plasmabeschichtung zur kontrollierten Haftung: COAD®-Prozess
Stand: 07/2026