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Eurocamp Spreewaldtor - Weber und der Wandel

Größer als der Zweifel war die Zuversicht, als Alexander Weber 2015 den Campingplatz am Groß Leuthener See übernahm. „Damals wurde hinter vorgehaltener Hand gesagt: Der schafft das auch nicht“, erinnert sich der 41-Jährige. Gründe für die Skepsis gab es genug, denn die Gemeinde Groß Leuthen hatte den Platz nach der Wende mit EU-Mitteln aufgebaut, ihn aber nie wirtschaftlich stabilisieren können. Weniger als 10.000 Übernachtungen pro Jahr und aufgegebene Areale prägten das Bild.
Heute zeigt sich ein völlig anderer Eindruck. Mit mehr als 50.000 Übernachtungen pro Saison gilt das Eurocamp Spreewaldtor als touristischer Ankerpunkt in der strukturschwachen Region. Märkische Heide ist eine Flächengemeinde mit 3.806 Einwohnern und 17 Ortsteilen – darunter Groß Leuthen, landschaftlich reizvoll, aber infrastrukturell herausfordernd. Der Wandel trägt eine klare Handschrift: die von Alexander Weber.

Weber stammt aus Paderborn und ist seit seiner Jugend in der Branche zu Hause. Am Alfsee in Niedersachsen absolvierte er die seinerzeit bundesweit einzige Ausbildung zum Bürokaufmann auf einem Campingplatz. Sein Ausbilder Anton Harms war zugleich Präsident des Bundesverbandes für Campingwirtschaft – ein direkter Zugang zu Strukturen, Netzwerken und Qualitätsstandards. Früh lernte Weber, wie professionell geführte Plätze funktionieren und welche Stellschrauben wirtschaftlich entscheidend sind.

Nach der Ausbildung wechselte er zur Regenbogen AG – einst die größte Campingkette Deutschlands – und übernahm bereits mit 22 Jahren die ersten Plätze. Die Jahre dort prägten ihn: Personalführung, Qualitätsmanagement, Investitionslogik – Kompetenzen, die später in Groß Leuthen entscheidend wurden. Gemeinsam mit seinen Eltern Annette (73) und Siegmund (71) Weber suchte der Sohn einen eigenen Standort. In der Märkischen Heide fand die Familie schließlich, was sie suchte: viel Natur, Potenzial – und Arbeit. Mehr als zwei Millionen Euro flossen seither in Modernisierung, Infrastruktur und neue Angebote.
„Wir stecken 80 Prozent der Gewinne wieder in die Anlage“, betont Weber – ein Satz, der seine Haltung präzise beschreibt: langfristig, bodenständig, wachstumsorientiert.

Fördermittel als Motor für Wachstum

Für Weber sind Fördermittel kein Fremdkörper, sondern ein strategisches Werkzeug.
„Gerade im stark saisonabhängigen Tourismus braucht es Unternehmen, die mutig investieren – und Institutionen, die diesen Mut mit Expertise und Netzwerken flankieren“, sagt Cornelia Bewernick, Leiterin des Regionalcenters Dahme-Spreewald der Industrie- und Handelskammer Cottbus.
Den erfolgreichen Ausbau des Eurocamps habe die IHK als Türöffner und Übersetzer zugleich begleitet.
„Die IHK war immer erreichbar“, lobt Alexander Weber. Bei Gesprächen für geplante Projekte saßen frühzeitig Experten der Investitionsbank des Landes Brandenburg mit am Tisch. Etwa als es darum ging, finanzielle Unterstützung im Rahmen des Programms Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) zu erlangen. Dieses zentrale Förderinstrument von Bund und Ländern stößt Investitionen in strukturschwachen Regionen an. Für das Eurocamp bedeutete die GRW-Förderung den entscheidenden Schub beim Aufbau von Mietobjekten. Wetterunabhängige Unterkünfte verlängern die Saison und erhöhen die Auslastung – ein Baustein, der maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität beiträgt.

Investieren trotz Hürden

Der Just Transition Fund (JTF) flankierte eine weitere Investition, um den Strukturwandel in der Lausitz zu unterstützen. Das Eurocamp nutzte JTF-Mittel für den 2026 eröffneten, 250.000 Euro teuren, zu 70 Prozent geförderten Aquapark. Mit Rutsche, Kinderpool, Spiel- und Kletterelementen entstand ein attraktives Familienangebot.
Mit dem Aquapark hatte sich Alexander Weber um den diesjährigen Zukunftspreis Brandenburg beworben.
Für den Geschäftsführer war die Bewerbung folgerichtig: „Der Aquapark steht für das, was wir hier seit Jahren machen – mutig investieren, die Saison verlängern und die Region stärken.“
Förderprogramme können viel bewegen – der Aquapark zeigt das eindrucksvoll. Doch sie lösen nicht alles. Die Realität vor Ort bleibt anspruchsvoll, und manche Hürden lassen sich nur durch eigene Initiativen überwinden.
Beispielsweise bremse die veraltete Campingplatzverordnung des Landes Investitionen, kritisiert Weber. Mietobjekte gelten in Brandenburg schnell als Wochenendhäuser – mit aufwendigen Genehmigungsverfahren.
„Im europäischen Ausland lacht man sich darüber kaputt.“

Familienfreundlich und international

Unzufrieden ist Weber auch mit der Busanbindung. „Die Verbindung nach Lübben ist schlecht. Für Gäste ohne Auto ist das ein echtes Problem.“ Deshalb richtete er einen eigenen Shuttle-Service ein, der dreimal täglich mit zwei Kleinbussen unterwegs ist und die Gäste entweder ins Stadtzentrum der Kreisstadt bringt – wo die Spreewaldkähne ablegen – oder direkt zum Bahnhof. Ein Angebot, das längst unverzichtbar geworden ist und die Attraktivität des Standorts spürbar erhöht.
Das Eurocamp Spreewaldtor ist kein klassischer Campingplatz, sondern ein Platz, der in der Hauptsaison bewusst auf Familienfreundlichkeit setzt – mit Kinderabendschwimmen, Schwimmkursen und täglichem Ferienprogramm, der zugleich internationale Zielgruppen anspricht: von Dänen und Niederländern über Polen bis hin zu einer wachsenden Zahl britischer Gäste.
Bis zu 1.000 Gäste finden gleichzeitig auf dem 14 Hektar großen Areal Platz. Hier fühlen sich 240 Dauercamper wohl, gibt es 130 Stellplätze für Wohnwagen und Mobile-Camper sowie rund 60 Mietobjekte: vom Tiny House über Campingfässer, Safari- und Sky-Lodges bis hin zu Mobile Homes.
Die Wertschöpfung bleibt konsequent in der Region: Baustoffe kommen überwiegend vom örtlichen Händler. Mit dem Edeka-Markt in Groß Leuthen hat sich eine enge Kooperation entwickelt, aus der sogar eine gemeinsame „Mitfahrbank“ hervorgegangen ist.
„Ohne das Eurocamp wäre der Edeka-Markt nicht gebaut worden“, sagt Alexander Weber rückblickend.
Erst die deutlich gestiegenen Übernachtungszahlen hätten die Supermarktkette überzeugt, hier zu investieren. Auch gastronomisch ist der Platz fest verankert: Seit Jahren arbeitet Weber mit dem ortsansässigen Pächter Siegfried Jung zusammen, der das Restaurant betreibt und zusätzlich den Imbiss am Aquapark versorgt.

Zukunft gestalten, Region stärken

Zwischen 15 und 20 Mitarbeitende, viele aus der unmittelbaren Umgebung, halten das Eurocamp am Laufen. Reinigungskräfte aus der Ukraine wohnen während der Saison auf dem Platz. Die Fachkräftesicherung bleibt für Weber eine ständige Herausforderung – und er setzt dabei auf regionale Bindung, Ausbildungsplätze, verlässliche Saisonjobs und Perspektiven über den Sommer hinaus. So entsteht ein Team, das im Ort verwurzelt ist und die kommenden Entwicklungsschritte mitträgt.
Auch die nächsten Projekte entstehen im Zusammenspiel mit der IHK. Acht neue Premium-Stellplätze mit eigenem Bad – Investition 70.000 Euro, zu 70 Prozent gefördert – sind bereits in Planung. Parallel soll im bevorstehenden Winter ein altes Sanitärgebäude zu einem Seminarraum für Firmen und Schulklassen umgebaut werden. Beide Vorhaben schärfen das Profil des Platzes weiter: wetterunabhängig, saisonverlängernd, zielgruppenorientiert – und erneut mit klarer regionaler Handschrift.
„Die gestiegene Attraktivität des Platzes verlängert die Aufenthaltsdauer von in- und ausländischen Gästen – und genau das stärkt Gastronomie, Handel und Dienstleister in der gesamten Umgebung“, sagt Cornelia Bewernick. „Laut aktuellen Branchenzahlen geben Touristikcamper fast 60 Euro pro Kopf und Tag aus. Rund 32 Euro davon entfallen auf Einzelhandel und Gastronomie“, weiß Alexander Weber.
Er sieht die erfolgreiche Entwicklung des familiär geführten Eurocamps mit einer Mischung aus Stolz und Gelassenheit. Früher wurde hinter vorgehaltener Hand gezweifelt, heute hört er eine andere Frage immer häufiger: Wie konnte die Gemeinde den Platz damals bloß aus der Hand geben? Für ihn ist das die schönste Rückmeldung – nicht als Triumph, sondern als Bestätigung dafür, dass sich Beharrlichkeit, Professionalität und ein klarer Plan auszahlen.

Der Artikel wurde geschrieben von Brandenburg Media/Frank Pechhold und erschien im FORUM 9|2026