Statement
IHK-Präsident Stietzel: anstehende Novellierung Vergabegesetz ist eine vertane Chance
Morgen soll im Abgeordnetenhaus die Novellierung des Vergabegesetzes beschlossen werden. Dazu IHK-Präsident Sebastian Stietzel:
„Die Überarbeitung des Vergabegesetzes ist leider erneut ein Beispiel dafür, dass gut gemeint und gut gemacht nicht zwangsläufig dasselbe sind. Grundsätzlich ist es richtig, das Vergaberecht zu modernisieren. Es ist im Übrigen auch dringend notwendig, weil immer weniger Berliner Unternehmen an hiesigen Ausschreibungen teilnehmen. Mit der vorliegenden Novelle des Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetzes wird die Modernisierungschance allerdings nicht nur vertan, sondern die Situation sogar verschärft. Hauptgrund ist die radikale Absenkung der Wertgrenze für die Anwendung der Tarifbindung bei Liefer- und Dienstleistungen auf 1.000 Euro. Das wird im Ergebnis 80 Prozent der Berliner Unternehmen faktisch von öffentlichen Aufträgen ausschließen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Gute Arbeit muss natürlich angemessen bezahlt werden. Tarifbindung ist hierfür aber die falsche Bewertungsmatrix. Denn die Nicht-Tarifbindung ist Ausdruck der kleingewerblich und mittelständisch geprägten Berliner Wirtschaftsstruktur, nicht mangelnder Fairness. Der gesetzliche Mindestlohn setzt eine klare Untergrenze, und die große Mehrheit der Unternehmen zahlt darüberhinausgehende Löhne. Die neue Regelung wird den ohnehin rückläufigen Wettbewerb bei öffentlichen Ausschreibungen also weiter schwächen. Wenn die Koalition es ernst meint mit der Vereinfachung der Vergabe, muss sie den Fehler bei der Tarifbindung unverzüglich korrigieren.“