Manja Schreiner zu den aktuellen Arbeitsmarktzahlen

Zu den aktuellen Arbeitsmarktzahlen sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner:
„Berlin erlebt ein arbeitsmarktpolitisches Paradox: Fachkräfte fehlen, Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt – gleichzeitig bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Um diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen und die Arbeitslosenquote zu senken, hat die IHK Berlin gemeinsam mit 17 anderen Kammern und Verbänden Vorschläge für die langfristige Vitalisierung des Arbeitsmarktes entwickelt und an die Politik geschickt.
An erster Stelle stehen Qualifizierung und passgenaue Vermittlung als zentrale Stellschrauben, um aktuell arbeitssuchende Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Wir müssen aber über den Tag hinausdenken, um die Herausforderungen durch demographischen Wandel und technologische Transformation zu meistern. Berlin braucht eine langfristige Fach- und Arbeitsmarktstrategie, die Bildung, Qualifizierung, Zuwanderung und die bessere Nutzung vorhandener Potenziale systematisch verbindet. Internationale Fachkräfte bleiben unverzichtbar. Damit diese Fachkräfte kommen und bleiben, braucht es schlanke digitale Verfahren, die zügige Anerkennung von Abschlüssen und gezielte Sprachförderung. Gleichzeitig müssen wir inländische Potenziale besser erschließen – dazu gehören verlässliche Kinderbetreuung, Weiterbildung, Inklusion sowie die Integration von Menschen mit Migrationsgeschichte und Geflüchteten in Arbeit und Ausbildung. Auch ohne bezahlbaren Wohnraum ist Fachkräftesicherung nicht möglich. Eine vorausschauende Standortpolitik muss daher Beschäftigten- und Azubiwohnen mitdenken.
Die beste Arbeitsmarktpolitik bringt allerdings wenig, wenn die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen insgesamt nicht stimmen. Hierzu zählen zum Beispiel die drohende Ausbildungsplatzabgabe aber auch die schwelende Vergesellschaftungsdebatte. Beides würde den Wirtschaftsstandort Berlin langfristig schwächen.“