Pressemitteilung

IHK-Studie zeigt resiliente Berliner Außenwirtschaft, warnt aber: handelspolitische Risiken können Tausende Jobs gefährden

Die Berliner Außenwirtschaft erweist sich laut aktueller IHK-Analyse trotz geopolitischer Spannungen als robust – und wächst: Im Jahr 2025 stiegen Exporte und Importe. Doch Berliner Unternehmerinnen und Unternehmen sehen die internationalen Handelshemmnisse auf Rekordniveau und das Risiko für einzelne Branchen steigt: Handelspolitische Schocks, insbesondere Strafzölle seitens der USA, können je nach Höhe der Zölle bis zu 18.500 Arbeitsplätze in Berlin gefährden. Entsprechende Handelsszenarien hat eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der IHK Berlin jetzt erstmals untersucht und konkrete Auswirkungen auf die Berliner Wirtschaft dargestellt. Ergänzend hat die IHK Berlin international aktive Unternehmen befragt.
Berliner Außenhandel wächst weiter:
Die Berliner Exporte stiegen im Jahr 2025 um +6,1 Prozent auf insgesamt 18,2 Milliarden Euro. Die USA bleiben zwar größter Absatzmarkt, verlieren jedoch an Dynamik (-5,9 % gegenüber 2024), während europäische Partner wie Frankreich (+17,1%) und Polen (+13,3%) deutliche aufholen und an Bedeutung gewinnen. Insgesamt legten die Berliner Exporte in die EU um +11,4% zu.
Die Berliner Importe legten sogar um +12,6 Prozent zu und erreichten einen Wert von 21,9 Milliarden Euro. Hier zeigen sich klare Veränderungen: China baut seine Rolle als zentraler Importmarkt weiter aus (+35,7%), während die USA auch hier an Gewicht verlieren (-8,1%).
Berliner Wirtschaft ist zwar insgesamt widerstandsfähig, Risiken für einzelne Branchen steigen aber
In den IW-Szenarien zu möglichen handelspolitischen Schocks (wie einer Entkopplung von China oder extremen US-Nachfrageausfällen infolge von US-Zöllen) sinkt die Berliner Bruttowertschöpfung insgesamt jeweils um weniger als 1 Prozent.
Allerdings steigen die Risiken auf Branchen- und Unternehmensebene. So hat sich die EU mit US-Präsident Trump im „Turnberry-Deal“ auf 15 Prozent Zölle auf EU-Exporte in die USA verständigt. Bleibt der Zoll dauerhaft in dieser Höhe, ist laut Studie mit einem Einbruch deutscher und europäischer Exporte um 22,5 Prozent zu rechnen. Als Folge wären in Berlin fast 11.000 Arbeitsplätze betroffen (0,5 Prozent aller Berliner Erwerbstätigen). In pessimistischeren Szenarien mit höheren Zöllen und möglichen Gegenzöllen wächst das Risiko auf bis zu 18.550 gefährdete Jobs in der Hauptstadt. Besonders tief wären die Einschnitte bei IT- und Informationsdienstleistern, Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatungen sowie Herstellern von Elektronik, Optik und Datenverarbeitungsgeräten.
Unternehmen melden Handelshemmnisse auf Allzeithoch:
Die ergänzende IHK-Unternehmensumfrage zeigt bereits eine deutliche Verschlechterung der Rahmenbedingungen im internationalen Geschäft: 70 Prozent der Unternehmen berichten von zunehmenden Handelshemmnissen. Am häufigsten genannt werden höhere Zölle, wobei fast 90 Prozent davon die USA betreffen.
Diversifizierung wird immer wichtiger
Alternative Märkte wie die EU oder die Mercosur-Staaten können Verluste abfedern, aber nicht vollständig kompensieren. Zum Vergleich: Im moderaten US-Szenario mit dauerhaften Zöllen von 15 Prozent müssten die Berliner EU-Exporte um 9,3% steigen, während sich die Exporte in die Mercosur-Staaten nahezu vervierfachen müssten.
Die IHK-Unternehmensumfrage zeigt allerdings auch: Gerade beim Mercosur-Abkommen bleibt bislang viel Potenzial ungenutzt. Über 90 Prozent der Berliner Unternehmen haben bisher keine Anpassungen ihrer Lieferketten oder Geschäftsaktivitäten vorgenommen. Mit 232 Millionen Euro Exportvolumen liegt der Anteil der Mercosur-Staaten bislang bei lediglich 1,3 Prozent der Berliner Ausfuhren.
Im Juni reist daher eine IHK-Wirtschaftsdelegation gemeinsam mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey nach Brasilien.
Sebastian Stietzel, Präsident der IHK Berlin:
„Berlins Außenwirtschaft ist robust aufgestellt, schafft Arbeitsplätze und stärkt die wirtschaftliche Kraft der Stadt insgesamt. Doch zunehmende protektionistische Handelspolitik, insbesondere die US-Zollpolitik und damit drohende Jobverluste setzen unsere Wirtschaft unter Druck. Unternehmen können diese geopolitischen Risiken nicht im Alleingang bewältigen. Wir fordern eine krisensichere Internationalisierungsstrategie, die gezielt neue Wachstumsmärkte erschließt. Ziel muss es sein, den Handel in bislang wenig erschlossenen Märkten wie Afrika, Indien oder den Mercosur-Staaten zu steigern und die Lieferketten weiter zu diversifizieren.“
Hintergrund zur Studie:
Die vollständige Studie lesen Sie anbei und hier:
Die Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft/ IW Consult GmbH im Auftrag der IHK Berlin analysiert erstmals umfassend die internationalen Wertschöpfungsketten der Berliner Außenwirtschaft. Sie verknüpft makroökonomische Modellierungen und Szenarioanalysen mit den Außenhandelsdaten des Statistischen Bundesamtes.