Jahresbericht 2025
Zukunftsfähiges Unternehmertum
Mit neuen Formaten, digitalen Angeboten und internationalen Projekten hat die IHK Berlin 2025 wichtige Impulse für die Fachkräftesicherung, rechtliche Orientierung und Unternehmensnachfolge gesetzt. Ob Matchingformate, Beratungsangebote oder Nachfolgezentrale: Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Berliner Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig und zukunftsfest aufgestellt bleiben.
Fachkräfte finden, binden und halten
Auch im Jahr 2025 setzte die IHK Berlin mit praxisnahen Formaten und neuen Serviceangeboten wichtige Impulse zur Fachkräftesicherung. Im Fokus standen dabei sowohl die Gewinnung neuer Arbeitskräfte als auch die nachhaltige Bindung von Mitarbeitenden an Berliner Unternehmen.
Ein zentrales Highlight war erneut die Jobmesse FuTog (Future Together), die am 18. September 2025 im Ludwig‑Erhard‑Haus stattfand. In Kooperation mit den zwölf Berliner Jobcentern, der Bundesagentur für Arbeit und der Handwerkskammer Berlin brachte die Veranstaltung rund 50 Berliner Unternehmen mit mehr als 6.000 Geflüchteten zusammen. Die FuTog etablierte sich damit erneut als bedeutendes Matching‑Format für den Berliner Arbeitsmarkt. Neben konkreten Job‑ und Ausbildungsgesprächen boten bis zu zehn Informationsstände ergänzende Beratungsangebote zu Anerkennung, Qualifizierung, Integration und Sprachförderung. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie wirksam niedrigschwellige Begegnungsformate für Integration, Teilhabe und Fachkräftesicherung sind.
Mit der Veranstaltung Work in Berlin setzte die IHK Berlin zudem einen gezielten Akzent auf die Gewinnung internationaler Fachkräfte. Unternehmen erhielten kompakte Informationen zu rechtlichen Rahmenbedingungen, Rekrutierungswegen und Best Practices, während zugleich die Sichtbarkeit Berlins als attraktiver Arbeits‑ und Lebensstandort gestärkt wurde. Work in Berlin verbindet strategische Information mit konkreter Praxis und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur internationalen Fachkräftegewinnung.
Ergänzend zu den Veranstaltungsformaten und bestehenden digitalen Angeboten wie der Diversity‑Toolbox und der Checkliste „Wissenssicherung in Unternehmen“ entwickelte die IHK Berlin 2025 ihr Produktportfolio weiter. Mit dem neuen Angebot „Mitarbeitende binden“ wurde ein gezielter Fokus auf das Thema Retention gesetzt. Das digitale Produkt unterstützt Unternehmen mit kuratierten Inhalten, praxisnahen Tools und konkreten Handlungsempfehlungen in den Bereichen Mitarbeiterbindung, Unternehmenskultur und nachhaltige Fachkräftesicherung. Damit adressiert die IHK Berlin neben der Gewinnung auch das Halten von Fachkräften als zentralen Erfolgsfaktor für die Berliner Wirtschaft.
Der Business Immigration Service der IHK Berlin unterstützte Mitgliedsunternehmen mit Beratungen zur Einstellung und Rekrutierung von Drittstaatsangehörigen sowie zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Evaluation der mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Fachkräfteeinwanderung eingeführten Neuregelungen und Antragsverfahren. In diesem Zusammenhang erarbeitete die IHK Berlin gemeinsam mit relevanten Stakeholdern ein 10‑Punkte‑Papier für schnellere und praxistauglichere Verfahren der Erwerbsmigration und brachte die Bedarfe der Berliner Unternehmen gezielt in den politischen Dialog ein.
In den politischen Dialog brachte sich die IHK auch in Bezug auf die Berliner Fachkräftestrategie ein. Gemeinsam mit 24 weiteren Kammern und Verbänden erarbeitet die IHK Kernforderungen, die aus Sicht der Wirtschaft in der Strategie des Senats Berücksichtigung finden müssen: Eine bessere Nutzung der bestehenden Fach- und Arbeitskräftepotenziale, die Erschließung neuer Potenziale – insbesondere durch internationale Fachkräfte – sowie die Stärkung der Attraktivität des Standorts, beispielsweise durch bezahlbaren Wohnraum. Eine zentrale Lenkungsstelle mit ressortübergreifenden Strukturen sollte die Strategie effizient koordinieren und umsetzen.
Da der Fachkräftebedarf in Berlin in den kommenden Jahren nicht allein durch die in der Stadt lebenden Menschen gedeckt werden kann, befasst sich ein neues IHK‑Projekt unter dem Dach von Work in Berlin mit der Rekrutierung internationaler Fachkräfte. Das Pilotprojekt „TalentsBridge“ unterstützt die Ausbildung in Drittstaaten nach deutschem Standard. In Berlins Partnerstadt Windhoek begleitet die IHK den Aufbau eines Ausbildungszentrums und schafft die Voraussetzungen für eine sprachliche, kulturelle und duale Qualifizierung. Das Projekt „Hand in Hand for international Talents“ vermittelt Fachkräfte aus vier Staaten in Berufe, die in Berlin besonders schwer zu besetzen sind. Mit der Veranstaltung „Fachkräfte für ein internationales Berlin“ wurde zum Jahresende der Auftakt für eine Reihe von Netzwerk‑ und Matchingveranstaltungen gesetzt, die 2026 fortgeführt werden.
Rechts‑ und Steuerauskünfte
Um wettbewerbskonformes Handeln zu ermöglichen, Bußgelder zu vermeiden und rechtliche Risiken frühzeitig zu erkennen, bietet die IHK Berlin ihren Mitgliedsunternehmen umfassende Auskünfte zu Rechts‑ und Steuerfragen an. Neben der klassischen Beratung per E‑Mail und Telefon stehen zahlreiche digitale Angebote zur Verfügung, etwa zu Fragestellungen im Gewerberecht. Mit der Online‑Reihe „Rechtsänderungen“ hält die IHK ihre Mitgliedsunternehmen ganzjährig über neue gesetzliche Regelungen auf dem Laufenden. Auch 2025 war das Format mit insgesamt über 2.000 Teilnehmenden in drei Online‑Veranstaltungen sehr gut besucht und wird 2026 fortgesetzt.
Bei vertiefenden Fragestellungen unterstützt die IHK Berlin ihre Mitglieder zudem mit themenspezifischen Online‑Informationsveranstaltungen. Hervorzuheben sind im Jahr 2025 insbesondere Veranstaltungen im Themenfeld Fachkräfte – etwa zur Einstellung von Mitarbeitenden oder zu „Remote Work“ sowie im Bereich E‑Commerce die Veranstaltung „Onlinehandel rechtssicher gestalten“.
Um bei komplexen Rechtsfragen möglichst Folgekosten zu vermeiden, bietet die IHK Berlin ihren Mitgliedern gemeinsam mit dem Berliner Anwaltsverein das kostenfreie Sprechstundenformat „Recht für Unternehmen“ an. In halbstündigen Terminen beraten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zu konkreten Fragestellungen. Besonders die Sprechstunden zu Vertrags‑ und Arbeitsrecht waren 2025 regelmäßig ausgebucht. Beratungen zu den Grundlagen gewerblicher Schutzrechte erfolgen zudem in Kooperation mit dem Deutschen Patent‑ und Markenamt sowie der Patentanwaltskammer.
Sachverständigenwesen
In gerichtlichen Auseinandersetzungen sind Unternehmen häufig auf hochqualifizierte Sachverständige angewiesen. Damit sowohl Gerichte als auch Mitgliedsunternehmen auf diese Expertise zurückgreifen können, nimmt die IHK Berlin neben ihrer Rolle als Bestellungskörperschaft – sie ist für rund 200 öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige in etwa 90 Sachgebieten zuständig – insbesondere die Rekrutierung neuer Sachverständiger in den Blick. Nach bundesweit rückläufigen Zahlen in den vergangenen Jahren führten gezielte Maßnahmen zur passgenauen Ansprache und Gewinnung dazu, dass das Interesse wieder spürbar zunahm. Im Jahr 2025 konnte die IHK Berlin sieben Sachverständige öffentlich bestellen und vereidigen.
Unternehmensnachfolge
Mit Informations‑ und Netzwerkveranstaltungen zur Unternehmensnachfolge sowie dem Online‑Format „Nachfolge zum Frühstück“ sensibilisiert die IHK Berlin für die Bedeutung dieses Themas. Die Formate stärken das Verständnis für Herausforderungen und Erfolgsfaktoren von Übergabeprozessen und erhöhen die Handlungskompetenz der Beteiligten.
Zur weiteren Unterstützung bei Nachfolgesuche und ‑prozess wurde die Nachfolgezentrale Berlin in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Berlin und der Bürgschaftsbank Berlin weiter ausgebaut. Das Projekt wird von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe gefördert und bringt übergabebereite Unternehmen und Nachfolgeinteressierte zusammen, die sich sonst nur schwer finden würden. Trotz der durchschnittlich langen Dauer eines Nachfolgeprozesses von rund drei Jahren konnten bereits erste Erfolge erzielt werden. Ende 2025 liefen rund 150 aktive Nachfolgevorgänge zwischen Unternehmen und potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolgern über die Nachfolgezentrale.