Jahresbericht 2025
Wirksame Bildung
Mit Projekten zur Berufsorientierung, neuen Impulsen für Ausbildung und innovativen Weiterbildungsangeboten hat die IHK Berlin 2025 wirksame Bildung entlang der gesamten Bildungskette gestärkt. Von MINT-Förderung über EdTech und Open Badges bis zu KI-gestütztem Lernen stand im Mittelpunkt, Talente früh zu fördern, praxisnah zu qualifizieren und Zukunftskompetenzen sichtbar zu machen.
- BOOM – Berufsorientierung organisiert und modular
- Kooperationsmanager im 11. Pflichtschuljahr
- Ja zur Ausbildung. Nein zur Ausbildungsplatzabgabe.
- Netzwerk „Kinder forschen“
- Begabtenförderung
- Digital Education Lab
- Open Badges – digitale Kompetenznachweise
- IHK AILA – KI‑gestütztes Lernen
- Weiterbildungen durchführen
- Digitale Reichweite durch die WeiterbildungsSuchAssistentin ISA
BOOM – Berufsorientierung organisiert und modular
Das Projekt BOOM wurde 2025 von der Willy‑Brandt‑Schule auf den Campus Rütli, die Friedrich‑Bergius‑Schule sowie die Wilhelm‑Bölsche‑Schule ausgeweitet und durch zwei zusätzliche BO‑Stellen begleitet. Die Evaluation nach zwei Jahren an der Pilotschule zeigt eine steigende Berufswahlkompetenz insbesondere im neunten Jahrgang und bestätigt, dass Lehrkräfte ihre Rolle und Zielsetzung in der Berufsorientierung heute deutlich klarer verstehen. Darüber hinaus profitieren die Schulen von mehr Struktur, Transparenz und Verbindlichkeit bei der Planung und Umsetzung ihrer BO‑Maßnahmen. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die weitere Weiterentwicklung und Skalierung des Projekts im kommenden Jahr.
Kooperationsmanager im 11. Pflichtschuljahr
Die IHK Berlin begleitet das neue elfte Pflichtschuljahr mit drei Kooperationsmanagern an sechs Oberstufenzentren: dem OSZ IMT, dem OSZ KIM, der Ruth‑Cohn‑Schule, dem OSZ für Ästhetik und Technik sowie der Lise‑Meitner‑Schule. Die Kooperationsmanager unterstützen die Schulen dabei, im multiprofessionellen Team verlässliche Strukturen für eine gelingende Berufsorientierung aufzubauen. Sie eröffnet Schülerinnen und Schülern Unternehmenskontakte und entwickeln daraus nachhaltige berufsübergreifende Kooperationsnetzwerke. Ziel ist es, die Stellen perspektivisch an allen 15 Ankerschulen zu verstetigen.
Infolge des Ausbaus der BO‑Stellen an Schulen wurde der Bereich Berufsorientierung und Schulkooperation bei der IHK Berlin neu etabliert. Damit werden Schulen systematisch bei der Entwicklung tragfähiger BO‑Strukturen unterstützt und die Zusammenarbeit mit Unternehmen strategisch gebündelt und ausgebaut.
Ja zur Ausbildung. Nein zur Ausbildungsplatzabgabe.
Gemeinsam mit den Berliner Unternehmen ist es der IHK Berlin gelungen, die Zahl der Ausbildungsverhältnisse in der Stadt zu steigern. Im Zeitraum von Ende 2023 bis 2025 wurden in Industrie und Handel zusätzliche Ausbildungsverträge abgeschlossen – entgegen der insgesamt angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt. Diese positive Entwicklung bei den Neuabschlüssen zeigt, dass die Programme der IHK wirken und die Berliner Unternehmen weiterhin ausbildungsbereit sind.
Eine vom Berliner Senat geplante Ausbildungsplatzabgabe würde hingegen die duale Ausbildung schwächen, da sie Unternehmen zusätzlich belastet, ohne die strukturellen Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen. Die IHK Berlin spricht sich daher entschieden gegen dieses Instrument aus und plädiert für eine Verlängerung des Bündnisses für Ausbildung. Verbesserte Berufsorientierung und passgenaue Vermittlung benötigen Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Deshalb gilt für die Berliner Wirtschaft klar: Ja zur Ausbildung – nein zur Ausbildungsplatzabgabe.
Netzwerk „Kinder forschen“
Mit ihrem Engagement im Netzwerk „Kinder forschen“ trägt die IHK Berlin dazu bei, Kinder frühzeitig auf die Welt von morgen vorzubereiten. Das Jahr 2025 war von besonderer Dynamik und weiterem Wachstum geprägt: Mehr als 700 pädagogische Fach‑ und Lehrkräfte konnten fortgebildet und das Angebot damit deutlich ausgeweitet werden.
Neben Fortbildungen und Inhouse‑Schulungen wurden 2025 neue Angebote für Unternehmen entwickelt, um die Zusammenarbeit mit den IHK‑Mitgliedern weiter zu intensivieren. Mit dem Serviceangebot „Kinderbetreuung mit MINT‑Bildung“ ermöglicht die IHK Unternehmen, bei eigenen Veranstaltungen eine hochwertige, pädagogisch begleitete Kinderbetreuung anzubieten. Kita‑Kinder entdecken dabei spielerisch Berufe aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – etwa durch Experimente, Geschichten und praktische Aktivitäten. Unternehmen bringen eigene Personalressourcen ein und stellen Experimentierkisten, unter anderem zu den Themen Wasser und Luft.
Besondere Highlights waren der Vorlesetag mit 23 Vorleserinnen und Vorlesern aus zwei Unternehmen, ein Adventskalender mit Forscherexperimenten sowie die Entwicklung eines Medien‑Kits in Kooperation mit der Media University of Applied Sciences. Kooperationen mit der Fachschule für Sozialpädagogik am Elisabethstift und dem SFBB unterstreichen die Bedeutung von Vernetzung und praxisnaher MINT‑Bildung für Kinder und Unternehmen gleichermaßen.
Begabtenförderung
Über das Weiterbildungsstipendium werden junge Erwachsene unter 25 Jahren nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung (mindestens 87 Punkte) über eine Förderperiode von drei Jahren mit bis zu 9.135 Euro unterstützt. Seit dem 1. Januar 2025 erhielten 53 weitere berufliche Talente aus Berlin diese Förderung. Die Mittel werden durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Förderprogramms der SBB – Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung – bereitgestellt.
Im Jahr 2025 nahmen die 151 aktiven Stipendiatinnen und Stipendiaten an insgesamt 115 Weiterbildungen teil oder schlossen diese ab. Dafür wurden rund 219.000 Euro ausgezahlt. Gefördert wurden unter anderem Ausbilderlehrgänge, Sprachkurse, Weiterbildungen zum Techniker oder Fachwirt sowie Studiengänge bis zum Bachelorabschluss.
Seit Januar 2025 ergänzt die ideelle Förderung der SBB das Angebot. Sie umfasst Mentorenprogramme sowie virtuelle Veranstaltungen, die das Studium begleiten und Impulse für die persönliche Entwicklung geben. Diese Angebote wurden von den Stipendiatinnen und Stipendiaten sehr gut angenommen und werden zusätzlich finanziert, ohne auf die Fördersumme angerechnet zu werden.
Auch das Pilotprojekt „TidA – das Stipendium für Talente in der Ausbildung“, das 2024 in Berlin und Düsseldorf gestartet ist, wurde 2025 erfolgreich fortgeführt. Insgesamt wurden 49 Auszubildende neu in das Förderprogramm aufgenommen, davon 17 in Berlin.
Digital Education Lab
Das Digital Education Lab (DEL) im Ludwig‑Erhard‑Haus bietet einen Ort, an dem Akteurinnen und Akteure aus dem Bildungsbereich zusammenkommen, um mit ihrem unterschiedlichen Know‑how Prototypen im Bereich Educational Technologies (EdTech) zu entwickeln und ihre Netzwerke auszubauen.
Die Community des DEL wuchs 2025 weiter; die Büros vor Ort sind aktuell mit zehn Bildungs‑Start‑ups vollständig belegt. Ein Höhepunkt war die Open‑House‑Veranstaltung im April mit 116 Teilnehmenden, bei der die EdTech‑Community mit Ausbildungsverantwortlichen, Lehrkräften und weiteren Akteuren aus dem Bildungsökosystem zusammenkam. Innovative Bildungsanwendungen konnten getestet und Workshops besucht werden. Zudem etablierten sich die EdTech Meetups Berlin als regelmäßiges Austauschformat der Szene.
Mit dem Ziel, Berlin als führenden EdTech‑Hub in Deutschland zu positionieren, setzt das DEL seinen Wachstumskurs fort und ist von einem Projekt zu einer dauerhaften Größe innerhalb der Berliner Wirtschaft geworden.
Open Badges – digitale Kompetenznachweise
Im Jahr 2025 setzte der Bereich Weiterbildung einen wichtigen Schritt zur Modernisierung der Berliner Weiterbildungslandschaft um. Mit der Einführung der IHK Open Badges wurde ein sichtbares und zeitgemäßes digitales System für Kompetenznachweise geschaffen. Bereits zwölf Zertifikatslehrgänge und zehn Seminare wurden erfolgreich mit Open Badges ausgestattet.
Seit dem 1. Juli 2025 erhalten Teilnehmende aller Seminare und Zertifikatslehrgänge kostenfrei ein IHK Open Badge. Bis Jahresende wurden insgesamt 270 Open Badges vergeben. Die digitalen Kompetenznachweise lassen sich problemlos in LinkedIn‑Profile, digitale Lebensläufe oder persönliche Portfolios integrieren und erhöhen sowohl die Sichtbarkeit individueller Qualifikationen als auch die Reichweite der IHK‑Bildungsangebote.
Damit unterstützt die IHK Berlin aktiv die bundesweite Bildungsinitiative der DIHK zur digitalen Sichtbarkeit von Weiterbildungsabschlüssen. Bis 2026 sollen alle Bildungsprodukte – einschließlich der Weiterbildungsprüfungen – vollständig in das Open‑Badge‑System integriert sein.
IHK AILA – KI‑gestütztes Lernen
Im Februar 2025 setzte der Weiterbildungsbereich der IHK Berlin im Rahmen eines Strategietreffens mit der DIHK‑Bildungs‑gGmbH wichtige Impulse zur Weiterentwicklung KI‑basierter Bildungsangebote. Dabei wurde Paul Hermann, Co‑Founder und CPO des Start‑ups acemate.ai aus dem Netzwerk des Digital Education Lab, vorgestellt und gezielt mit der DIHK vernetzt – ein wichtiger Schritt zur Stärkung von Innovationspartnerschaften im IHK‑Bildungsverbund.
Seit September 2025 beteiligt sich die IHK Berlin aktiv an der Pilotierung der KI‑gestützten Lernplattform IHK AILA. Aus dem Berliner Weiterbildungsbereich nehmen zwei Lehrgänge „Geprüfte/-r Wirtschaftsfachwirt/-in“ (Präsenz und Blended Learning) sowie drei Durchgänge des Online‑Lehrgangs „KI‑Manager/-in“ an der Pilotphase teil. Bundesweit umfasst die Pilotierung 37 Lehrgänge mit rund 260 Teilnehmenden und 55 Dozierenden.
Mit dieser Beteiligung setzt die IHK Berlin einen wichtigen Meilenstein für die Digitalisierung des Lernens. IHK AILA unterstützt Teilnehmende beim Organisieren, Verstehen und Vertiefen ihrer Lerninhalte. Funktionen wie KI‑generierte Zusammenfassungen, automatisierte Übungsaufgaben und Quizze, dynamische Lernkarten sowie ein rund um die Uhr verfügbarer KI‑Lernassistent ermöglichen eine personalisierte und adaptive Lernumgebung.
Weiterbildungen durchführen
Ein Schwerpunkt des Weiterbildungsbereichs lag 2025 auf dem Ausbau von Partnerschaften und der Erweiterung des Weiterbildungsportfolios. Ziel war es, neue Kooperationspartner zu gewinnen, zusätzliche Bildungsprodukte zu erschließen und passende digitale Lernumgebungen aufzubauen.
Das Angebot wurde gezielt ausgebaut und um vier neue Weiterbildungsformate erweitert, insbesondere im Bereich künstliche Intelligenz. Dazu zählen die Online‑Sprints „EU‑Verordnung verstehen und anwenden“ sowie „KI verstehen und anwenden“ und die Online‑Zertifikatslehrgänge „Agiler Projektmanager/-in“ und „Fachexperte für Elektromobilität“. Insgesamt umfasst das Portfolio nun 22 Weiterbildungsangebote mit Schwerpunkten auf digitalen Technologien, KI und Nachhaltigkeit.
Digitale Reichweite durch die WeiterbildungsSuchAssistentin ISA
Mehr als 67 IHKs bieten ihre Online‑Zertifikatslehrgänge über die KI‑basierte WeiterbildungsSuchAssistentin ISA – ihk‑kompetenz.plus an. Auch die Online‑Zertifikatslehrgänge des Shared‑Service‑Bereichs der IHK Berlin sind vollständig eingebunden und direkt buchbar. Derzeit umfasst das Shared‑Service‑Portfolio 16 Online‑Angebote, darunter neun Online‑Zertifikatslehrgänge. Besonders nachgefragt sind Formate wie KI‑Manager/-in (IHK), Agiler Projektmanager (IHK) und Data Analyst (IHK).
weiterbildung.berlin
Seit zwei Jahren unterstützt die Gemeinschaftsinitiative weiterbildung.berlin Berliner Unternehmen und ihre Beschäftigten bei allen Fragen der beruflichen Weiterbildung. Auch 2025 fiel die Bilanz der Partner – darunter Handwerkskammer Berlin, Agentur für Arbeit, SenASGIVA und SenWEB – positiv aus: Rund 200 Beratungen wurden durchgeführt, und sechs zielgerichtete Veranstaltungen mit insgesamt etwa 800 Teilnehmenden stießen auf großes Interesse.
Zudem konnte die Sichtbarkeit der Initiative weiter gesteigert werden. Mit einer regelmäßig tagenden Unterstützerkonferenz wurde das Netzwerk strategisch erweitert, und das Beratungsangebot um die Validierung beruflicher Abschlüsse ergänzt. Für das kommende Jahr steht der weitere Ausbau der Reichweite im Fokus, insbesondere durch verstärkte Marketingaktivitäten, zusätzliche Veranstaltungen und passgenaue Beratungsangebote für Unternehmen.