Jahresbericht 2025

Innovatives Wachstum

Innovatives Wachstum entsteht aus dem Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft und Politikdort. Die IHK Berlin hat 2025 gezielt daran gearbeitet, den Transfer zu stärken, KI-Potenziale für Unternehmen nutzbar zu machen, wirtschaftliche Resilienz zu erhöhen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Berlins auszubauen. Kooperationen, Netzwerkformate und Serviceangebote halfen dabei, Innovationen schneller in Wertschöpfung und Beschäftigung zu überführen.

Rolle von Transfer im Innovationskontext wächst

Der Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gewinnt zunehmend an Bedeutung und übernimmt als verbindendes Element eine zentrale Rolle im Innovationssystem. Nur so kann Forschungswissen entlang einer Innovationspipeline weiterentwickelt und in wirtschaftliches Wachstum am Standort überführt werden. Mit der Gründung des Berliner Transferrates im Jahr 2025 erfüllte das Land Berlin eine zentrale Forderung der IHK, um maßgebliche Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie die strategische Steuerung auf politischer Ebene zusammenzuführen. Die IHK bringt ihre zentralen Forderungen zur Steigerung der Transferleistung in das Gremium ein und treibt die fachliche wie politische Diskussion aktiv voran.
Gegenüber der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege bekräftigte die IHK erneut ihre Forderung nach weiterentwickelten Hochschulverträgen. Diese müssen von der Politik stärker als Steuerungsinstrument verstanden werden – auch mit Blick auf den Wissenstransfer von Hochschulen zu regionalen und mittelständischen Unternehmen. Vor diesem Hintergrund ist die Politik nun gefordert, die Initiative zu ergreifen, damit die ab 2029 geltenden Hochschulverträge mit messbaren Kennzahlen und einem wirksamen Anreizsystem für eine höhere Transferleistung ausgestattet werden.
Mit der Unterzeichnung der vierten Kooperationsvereinbarung mit einer Berliner Hochschule setzte die IHK Berlin ihren strategischen Kurs in der Hochschulzusammenarbeit konsequent fort. Die neue Partnerschaft mit der Technischen Universität Berlin umfasst elf konkrete Maßnahmen zur gezielten Förderung von Talenten und Innovationen. Dazu gehören unter anderem die frühzeitige Unterstützung internationaler Studierender beim Übergang in den Arbeitsmarkt, ein Pilotprojekt zur verbesserten Nutzung geistigen Eigentums sowie die engere Vernetzung von Universität und Wirtschaft. Darüber hinaus wurden zwei weitere Hochschulkooperationen vorbereitet und eine bestehende Vereinbarung evaluiert und weiterentwickelt.
Auch im Jahr 2025 förderte die IHK Berlin den Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und schlug mit Veranstaltungsformaten und aktivem Netzwerkengagement neue Brücken. Gemeinsam mit Partnern aus dem Wissenschaftsökosystem wurden dabei zentrale Herausforderungen adressiert:
  • die Sensibilisierung von Unternehmen für die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft,
  • der Abbau bürokratischer Hürden sowie
  • die Identifikation konkreter Kooperationspotenziale.
Ein besonderes Highlight war das erste IP‑Festival am 25. November, das in Kooperation mit der Humboldt‑Innovation GmbH und acht Berliner Forschungseinrichtungen stattfand. Über 200 Teilnehmende erlebten 32 Patent‑Pitches, bei denen zahlreiche – darunter viele Deep‑Tech‑Innovationen – vorgestellt wurden. Paneldiskussionen, Impulsvorträge und Erfahrungsberichte aus Unternehmen rundeten das Programm ab und förderten den intensiven Austausch.
Auch das IHK‑Festival der Berliner Wirtschaft, das 2025 unter dem Schwerpunkt Innovation stand, bot dem für die Zukunftsfähigkeit der Berliner Wirtschaft zentralen Thema eine große Bühne. Am 11. September 2025 zogen frische Impulse zu innovativen Prozessen rund um Digitalisierung und KI, Marketing, HR sowie das Potenzial von Standards und Regulierung knapp 900 Teilnehmende an. Das Festival bot 40 Speaker, neun Erfahrungsberichte aus Berliner Unternehmen, 22 Aussteller, zwei Podien, sieben Vorträge sowie sechs gezielte Networking‑Sessions zum Thema Innovation. Das Leitmotiv „von Unternehmen für Unternehmen“ prägte den gesamten Veranstaltungstag.

Einsatz für das KI‑Ökosystem in Berlin

Die IHK Berlin setzte sich dafür ein, dass die Hauptstadt ihre Potenziale im Bereich der künstlichen Intelligenz konsequent nutzt und ihre Führungsrolle bei dieser Schlüsseltechnologie weiter ausbaut. Voraussetzung dafür ist der Aufbau eines eng verzahnten KI‑Ökosystems, das Wissenschaft und Wirtschaft ebenso zusammenbringt wie KI‑Start‑ups und mittelständische Anwender. Als offizieller Launch‑Partner unterstützte die IHK Berlin daher die Initiative #ai_Berlin sowie den im Oktober 2025 eröffneten Hub von Berlin Partner. #ai_Berlin fungiert als Vernetzungsplattform mit vielfältigen Angeboten für das KI‑Ökosystem und stärkt zugleich die gemeinsame Dachmarke des Standorts.
Bei der Eröffnung des Hubs kam erstmals der neue #ai_Berlin‑Showroom powered by IHK Berlin zum Einsatz. Ziel des Showrooms ist es, KI „made in Berlin“ sichtbar zu machen und Start‑ups, KI‑Initiativen sowie Forschungsprojekten eine Bühne zu bieten, auf der sie ihre Innovationen einem Unternehmenspublikum präsentieren können. Das mobile und moderne Ausstellungskonzept wird seither regelmäßig bei größeren IHK‑Veranstaltungen sowie externen Events eingesetzt, etwa beim Berlin Creative Tech Summit oder beim Treffpunkt Gesundheitswirtschaft.
Die IHK Berlin bot Berliner Unternehmen verschiedene Service‑ und Informationsformate zum Einsatz von künstlicher Intelligenz an. Dazu zählte unter anderem das digitale Format „KI – Wie Unternehmen heute KI wirklich nutzen“, das mit über 300 Teilnehmenden praxisnahe Einblicke ermöglichte und den Austausch zwischen Unternehmen förderte. Praxisberichte und Vernetzungsangebote standen dabei im Mittelpunkt.

Resilienz und Unternehmenssicherheit stärken

Vor dem Hintergrund der herausfordernden weltpolitischen Lage befasste sich die IHK Berlin verstärkt mit den Themen Sicherheit, Verteidigung und Resilienz und baute ihr Service‑ und Informationsangebot in diesem Bereich kontinuierlich aus. Im September lud die IHK Berlin über 150 Gäste zur Veranstaltung „Gemeinsam krisenfest: Resilienz und Sicherheit in der Berliner Wirtschaft“ ein. Gemeinsam mit Brigadegeneral Busch, Kommandeur des Landeskommandos Berlin, sowie weiteren Expertinnen und Experten wurde diskutiert, wie sich die Hauptstadt und ihre Unternehmen angesichts geopolitischer Spannungen, hybrider Bedrohungen und der russischen Aggression resilient aufstellen und zu mehr Sicherheit beitragen können.
Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem eine neue Website der IHK Berlin vorgestellt, die zentrale Informationen rund um Unternehmenssicherheit, Resilienz und die zivil‑militärische Zusammenarbeit bündelt. Das Angebot reicht von praxisnahen Leitfäden und aktuellen Sicherheitshinweisen über Vorsorgepläne bis hin zu relevanten Ansprechpartnern.

IHK‑Außenwirtschaftspolitik: neue Strategien, Resilienzaufbau und globale Vernetzung

In der Außenwirtschaft setzte die IHK Berlin im Jahr 2025 drei eng miteinander verknüpfte Schwerpunkte: die Aktualisierung der Berliner Internationalisierungsstrategie (KIW), den Aufbau des Themenfelds Resilienz in der Berliner Außenwirtschaft sowie die Positionierung Berlins im internationalen Standortwettbewerb. Ziel war es, frühzeitig sowohl inhaltliche als auch politische Grundlagen zu schaffen, um die Berliner Außenwirtschaft nachhaltig weiterzuentwickeln.
Im Rahmen des Updates der Internationalisierungsstrategie (KIW) brachte die IHK die Perspektive der Wirtschaft systematisch in den Prozess des Senats ein. In enger Zusammenarbeit mit dem Ausschuss international agierende Stadt wurden über Ausschusssitzungen, Arbeitskreise und Konsultationen mit der SenWEB politische Prioritäten geschärft und strategische Empfehlungen erarbeitet. Ergänzend initiierte die IHK erstmals grundsätzliche Überlegungen zur Rolle von Städten als internationale Wirtschaftshubs, um das Profil Berlins als global vernetzten Standort weiter zu stärken. Durch diese strukturierte und konsensorientierte Herangehensweise wurde sichergestellt, dass die Bedürfnisse und Erfahrungen der Unternehmen in die Weiterentwicklung des KIW 2025–2027 einflossen.
Die Außenwirtschaftskonferenz Berlin‑Brandenburg 2025 unter dem Titel „Zukunft der Weltwirtschaft – Das globale Kräftemessen zwischen EU, USA und China“ brachte im Ludwig‑Erhard‑Haus rund 150 Teilnehmende aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammen. Unter Federführung der IHK Berlin und mit starker politischer Präsenz aus Land, Bund und EU wurden die aktuellen geopolitischen, handelspolitischen und wirtschaftlichen Machtverschiebungen zwischen den drei großen Wirtschaftsblöcken intensiv diskutiert. Im Fokus standen die Auswirkungen auf international tätige Unternehmen der Hauptstadtregion sowie konkrete Handlungsoptionen. Zentrale Themen waren dabei Strategien zur Stärkung der Resilienz, zur Diversifizierung von Lieferketten und Absatzmärkten sowie zur Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Berlin und Brandenburg.
Zur Stärkung der internationalen Vernetzung der Berliner Wirtschaft begleitete die IHK Berlin drei hochrangige Delegationsreisen des Berliner Senats nach Indien, Japan und Polen. Die von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey angeführten Delegationen nach Indien und Japan standen unter dem Leitmotiv „Tech & Innovation“ und setzten gezielt auf Markterschließung, Investorenansprache, Fachkräftescouting und den Ausbau technologischer Kooperationen – insbesondere mit den Start‑up‑Ökosystemen in Bangalore und Tokio. Darüber hinaus wurde auf der EXPO 2025 in Osaka die internationale Sichtbarkeit Berlins als Innovations‑ und Technologiestandort gestärkt. Die Delegationsreise nach Warschau vertiefte die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Berlins wichtigstem Handelspartner, insbesondere in den Zukunftsfeldern Cybersecurity, Digitalwirtschaft, Optik, Photonik und Quantentechnologien. Ziel war es, bestehende Netzwerke auszubauen, neue Kooperationsprojekte anzustoßen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit als zentralen Pfeiler der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Warschau weiter zu festigen.

Außenwirtschaft (Service)

Die IHK Berlin unterstützt ihre Unternehmen bei der Internationalisierung, beantwortet Anfragen zu Im‑ und Exportfragen und bietet Beratungen sowie Workshops zu Zoll‑ und außenwirtschaftlichen Themen an. Mit dem Format „Zoll‑Update“ informiert sie jeweils zu Jahresbeginn über aktuelle Entwicklungen, insbesondere im Zollrecht. Bei den „AHK‑Ländersprechtagen“ nutzten rund 100 Teilnehmende persönliche Gespräche, um die Entwicklungsmöglichkeiten ihres Unternehmens in den jeweiligen Zielmärkten zu sondieren.
Auch bei der Ausstellung von Außenwirtschaftsdokumenten wurde der Digitalisierungsgrad weiter erhöht. Im Jahr 2025 konnten insgesamt 88 Prozent aller Dokumente elektronisch bearbeitet werden. Diese Entwicklung soll 2026 weiter vorangetrieben werden. Seit Ende 2025 ist bei Ursprungszeugnissen die vollständig digitale Beantragung und Ausstellung (dUZ) möglich. Zudem startete Mitte des Jahres eine Pilotphase für das „vollelektronische Carnet A.T.A.“.