Editorial

2025 – ein Jahr der Neujustierung

Nach 22 Jahren wurde Jan Eder als Hauptgeschäftsführer offiziell verabschiedet und Manja Schreiner übernahm am 1. Januar 2025 den Staffelstab an der Spitze des Hauses. Ohne lange Einarbeitungszeit ging es für sie und die IHK Berlin in ein ereignisreiches Jahr der Neujustierung. Die Bundestagswahl sowie geopolitische Verschiebungen – insbesondere mit Blick nach Washington – mischten die Karten neu. Was hingegen konstant blieb, war die anhaltend angespannte konjunkturelle Lage. Spätestens 2025 wurde deutlich, dass die deutsche Wirtschaft mit strukturellen Wachstumshemmnissen zu kämpfen hat. Auch wenn deren Bewältigung in der Verantwortung von Landes- und Bundesregierung liegt, unterstützte die IHK Berlin die Unternehmen bei zentralen wirtschaftlichen Herausforderungen: mit vielfältigen Angeboten zur Erschließung von Fach- und Arbeitskräftepotenzialen im In- und Ausland, mit konsequentem Einsatz für Bürokratieabbau auf allen Ebenen sowie mit couragiertem Engagement für mehr Planungssicherheit in unruhigen Zeiten.
Im stetigen Dialog mit Senat und Abgeordnetenhaus warb die IHK Berlin dafür, Unternehmen in der angespannten konjunkturellen Lage spürbar zu entlasten – sei es durch eine effizientere Verwaltung, eine einfachere öffentliche Vergabe oder bessere Rahmenbedingungen für den Technologietransfer. Ebenso klar positionierte sich die IHK gegen das Vorhaben einer Ausbildungsplatzabgabe. In Zeiten des Fach- und Arbeitskräftemangels dürfen Unternehmen nicht zusätzlich bestraft werden, wenn sie keine Auszubildenden finden. Die politische Auseinandersetzung gegen diese Strafabgabe wird die IHK auch 2026 entschlossen fortführen.
Gut Ding will Weile haben – das galt auch für zwei politische Großprojekte, die 2025 (zunächst) abgeschlossen wurden. Nachdem die IHK sie über viele Jahre hinweg eingefordert hatte, wurde 2025 endlich die Berliner Verwaltungsreform beschlossen. Mit der Verabschiedung des Landesorganisationsgesetzes und der dazugehörigen Verfassungsänderung hat der Senat einen wichtigen Schritt getan, um das Behörden-Pingpong künftig zu beenden. Nun kommt es darauf an, die PS der Reform auch auf die Straße zu bringen. Genau dort wurde nach insgesamt 32 Jahren Planungs- und Bauzeit der 16. Bauabschnitt der A100 feierlich eröffnet. Dieser spürbare Gewinn muss genutzt werden, um neuen Schwung für den zügigen Weiterbau des Innenstadtrings zu erzeugen.
Ein möglicher Hebel für den wirtschaftlichen Aufbruch Berlins ist das Sondervermögen Infrastruktur. Die zusätzlichen Milliarden – unter anderem für das Tegel-Areal oder die Sanierung maroder Brücken – können ein wichtiger erster Schritt sein. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass strukturelle Probleme nicht allein mit Geld überdeckt, sondern nachhaltig angegangen werden. Eine effizientere Vergabe, die Konsolidierung und Priorisierung des Kernhaushalts sowie ein klarer Fokus der Mittelvergabe auf wirtschaftliches Wachstum müssen die Konsequenz sein.

Im Jahr 2025 konzentrierte sich die IHK Berlin auf ein zentrales Asset der Stadt: ihre Innova­tions­fähigkeit. Nach der Unterzeichnung des inzwischen vierten Kooperationsvertrages zwischen der IHK mit den Berliner Hochschulen (dieses Mal mit der Technischen Universität) zu Jahresbeginn, wurden die Großveranstaltungen der IHK unter das Leitthema Innovation gestellt. Wie gelingt eine bessere Verzahnung von
Wissenschaft und Wirtschaft? Wie kann der Transfer geistigen Eigentums gestärkt werden? Und wie lässt sich die Innovationskraft der Region entfesseln? Dass Innovation nicht in der Ferne stattfinden muss, zeigt das Projekt 100m Zukunft. Direkt im und um das Ludwig Erhard Haus sollen innovative Projekte aus unterschiedlichen Bereichen sichtbar gemacht werden und Raum erhalten, sich auszuprobieren.
Ein weiteres Schlüsselthema für Berlin ist die internationale Strahlkraft der Stadt. Auch hier lieferte 2025 wichtige Impulse: Im Rahmen einer Innovationsscoutingreise der IHK-Fachausschüsse nach Madrid – gemeinsam mit Senatorin Bonde – wurden Best Practices ausgetauscht und neue Perspektiven gewonnen. Zudem sprachen sich zahlreiche Berliner Wirtschaftsverbände für die sogenannte Zukunftsdekade aus. Innerhalb von zehn Jahren soll Berlin mit einer Internationalen Bauausstellung, der EXPO 2035 und den Olympischen Spielen eine globale Bühne erhalten. Die Umsetzung dieser Vision wird die IHK Berlin im Jahr 2026 weiter aktiv vorantreiben.
Auch 2026 wird die IHK Berlin ihren Einsatz für die Interessen der Berliner Wirtschaft fortsetzen. Insbesondere im Zuge der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus eröffnet sich ein wichtiges Fenster, um den Anliegen der Unternehmen Gehör zu verschaffen und wachstumsfreundliche Weichen für die kommenden fünf Jahre zu stellen – damit Berlin auch künftig eine starke Weltmetropole bleibt. Was es dafür braucht und was im vergangenen Jahr bereits angestoßen und erreicht wurde, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

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Sebastian Stietzel
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Manja Schreiner