Instrumente zur Fachkräftesicherung
Fach- und Arbeitskräftemonitor 2035
IHK-Fachkräftemonitor: Fachkräftemangel bleibt eine zentrale Herausforderung für Berlin
Der Fachkräftemangel bleibt eine der zentralen strukturellen Herausforderungen für die Berliner Wirtschaft. Das Sommerupdate des IHK-Fachkräftemonitors zeigt: Langfristig wird sich die Fachkräftelücke deutlich vergrößern.
Bis 2035 verlassen rund 439.000 Erwerbstätige den Berliner Arbeitsmarkt, während deutlich kleinere Jahrgänge nachrücken. Ohne zusätzliche Fachkräfte und eine bessere Nutzung vorhandener Erwerbspotenziale droht der Personalmangel damit zu einem immer größeren Hemmnis für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu werden.
Fachkräftelücke vervielfacht sich bis 2035
Schon heute fehlen der Berliner Wirtschaft zehntausende Arbeitskräfte: 2026 sind mehr als 46.000 Stellen unbesetzt. Bis 2035 könnte ihre Zahl auf rund 130.000 steigen. Die Vakanzquote würde damit von 1,6 auf 5,7 Prozent zunehmen. Rechnerisch bliebe dann etwa jede 18. Stelle unbesetzt. Ursache ist vor allem das demografisch bedingt schrumpfende Arbeitskräfteangebot. Der Wettbewerb um qualifizierte Beschäftigte wird sich deshalb in den kommenden Jahren weiter verschärfen.
Fachkräftemangel wird zum Wachstumsrisiko
Unbesetzte Stellen bleiben nicht ohne Folgen für die Wirtschaft. Fehlt Personal, können Unternehmen Aufträge nicht annehmen, Investitionen nicht umsetzen oder Innovationsvorhaben nur verzögert realisieren. Der IHK-Fachkräftemonitor beziffert den dadurch entstehenden kumulierten Wertschöpfungsverlust für Berlin bis 2035 auf rund 30,8 Milliarden Euro.
Die Fachkräftelücke hat nicht die eine Lösung
Berlin wird die Fachkräftelücke nicht mit einer einzelnen Maßnahme schließen können. Notwendig ist ein Gesamtansatz aus einer starken beruflichen Ausbildung, gezielter Zuwanderung, höherer Erwerbsbeteiligung und mehr Qualifizierung. Dafür braucht es bessere Rahmenbedingungen für Ausbildungsbetriebe, schnellere Anerkennungs- und Verwaltungsverfahren, eine verlässliche Kinder- und Pflegebetreuung sowie stärkere Weiterbildungsangebote. Nur wenn Berlin alle verfügbaren Potenziale nutzt, lassen sich Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.
Was jetzt notwendig ist:
- Berufliche Ausbildung stärken statt schwächen: Anstelle einer Debatte über eine sogenannte Ausbildungsplatzumlage braucht es konkrete Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die Ausbildung. Die Leistungen von Auszubildenden und ausbildenden Betrieben verdienen mehr Wertschätzung und Anerkennung. Berufsschulen müssen stärker in den politischen Fokus rücken – ebenso wie eine praxisnahe und flächendeckende Berufsorientierung an allen Schulformen.
- Zuwanderung ist unverzichtbar zur Fachkräftesicherung: Qualifizierte Zuwanderung ist unerlässlich, um den Fachkräftebedarf zu decken. Selbst bei maximaler Ausschöpfung inländischer Potenziale lässt sich die Lücke ohne Fachkräfte aus dem Ausland nicht schließen. Der demografische Wandel macht gezielte internationale Fachkräftegewinnung unverzichtbar.
- Gezielte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen sind notwendig: Die Überprüfung und Abschaffung von Anreizen für einen vorzeitigen Rückzug aus dem Erwerbsleben ist ebenso notwendig wie der Ausbau der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen. Nur so können Menschen, die stark in Care-Arbeit eingebunden sind, ihre Erwerbstätigkeit fortsetzen oder ausweiten.
- Alle Potenziale nutzen: Es braucht eine entschlossene Investition in Weiterbildung und Qualifizierung – insbesondere für geringqualifizierte und ältere Arbeitskräfte. Nur durch eine konsequente Förderung kann eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt gelingen und dem wachsenden Fachkräftemangel wirksam begegnet werden.