Standortpolitik
Brasilien im Fokus: Berliner Wirtschaftsdelegation erschließt neue Chancen im Mercosur
Anfang Juni reiste eine Berliner Wirtschaftsdelegation rund um Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, IHK-Vizepräsident Robert Rückel und IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner nach Rio de Janeiro und São Paulo. Zur Delegation gehörten knapp 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Wissenschaft und Wirtschaftsförderung. Die IHK Berlin organisierte die Reise gemeinsam mit den Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammern. Im Mittelpunkt standen neue Marktchancen, strategische Partnerschaften und die wirtschaftliche Diversifizierung Berlins.
Brasilien gewinnt für die Berliner Wirtschaft spürbar an Bedeutung. Mit dem vorläufigen Inkrafttreten des Handelsteils des EU-Mercosur-Abkommens verbessern sich die Rahmenbedingungen für Handel und Investitionen deutlich. Gleichzeitig entwickelt sich Brasilien in zahlreichen Zukunftsfeldern – von Künstlicher Intelligenz über GreenTech bis hin zu Gesundheitswirtschaft und urbaner Resilienz – dynamisch weiter.
Die Delegation brachte Berliner Unternehmen aus den Bereichen Energie, Verkehr, Gesundheitswirtschaft, Industrie und Digitale Wirtschaft direkt mit politischen Entscheidungsträgern, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zusammen. In Gesprächen, Besuchen und Netzwerkformaten prüften die Teilnehmer konkrete Geschäftsmöglichkeiten und bauten Kontakte für Markteintritt oder Expansion auf.
Besonders eindrucksvoll waren die Besuche des Operations- und Resilienzzentrums der Stadt Rio de Janeiro (COR) sowie des nationalen Stromnetzbetreibers ONS. Beide Institutionen zeigten, wie Brasilien digitale Technologien, Echtzeitdaten und Künstliche Intelligenz bereits heute nutzt, um kritische Infrastrukturen resilienter zu gestalten und Millionenstädte sicher zu steuern. Für die Teilnehmenden boten diese Einblicke wertvolle Impulse für den Transfer innovativer Lösungen nach Berlin.
Ebenso großes Interesse weckten die Termine am Forschungszentrum RCGI der Universität São Paulo sowie am Instituto de Pesquisas Tecnológicas (IPT). Beide Einrichtungen verdeutlichten eindrucksvoll, welche Rolle Forschung und Innovation für Energiewende, Dekarbonisierung und industrielle Transformation spielen – und wo Berliner Unternehmen anknüpfen können.
Ein weiterer Höhepunkt war die Teilnahme am Web Summit Rio, einem der größten Technologie- und Innovationskongresse Lateinamerikas. Im Rahmen einer Veranstaltung zum Innovationsstandort Berlin präsentierten sich die Delegationsteilnehmenden auf der Bühne einem internationalen Publikum aus Investoren, Start-ups und Unternehmen. Ergänzt wurde das Programm durch Networking-Empfänge in den Deutschen Generalkonsulaten in Rio de Janeiro und São Paulo, bei denen weitere Kontakte zu brasilianischen Unternehmen, Institutionen und Multiplikatoren geknüpft wurden.
Neben den wirtschaftlichen Gesprächen wurden auch politische Weichen für die zukünftige Zusammenarbeit gestellt. So unterzeichnete Senatorin Franziska Giffey gemeinsam mit dem Bundesstaat São Paulo ein Memorandum of Understanding zur Vertiefung der wirtschaftlichen Kooperation. Auch der weitere Ausbau der Beziehungen zwischen Berlin und São Paulo war Thema.
„Brasilien entwickelt sich für Berlin zunehmend zu einem strategischen Partner in Lateinamerika. Die Reise hat gezeigt, wie groß das Interesse an Kooperationen mit Berliner Unternehmen ist – insbesondere in den Bereichen Innovation, Digitalisierung, Gesundheitswirtschaft und nachhaltige Industrie. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten ist es wichtiger denn je, internationale Partnerschaften auszubauen und neue Märkte zu erschließen. Delegationsreisen schaffen dafür den direkten Zugang zu den richtigen Ansprechpartnern und eröffnen konkrete Geschäftschancen für Berliner Unternehmen“, betont Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin.
Die Reise machte zugleich deutlich: Das Zeitfenster für den Ausbau der deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen ist günstig, aber nicht unbegrenzt. Internationale Wettbewerber investieren bereits intensiv in den brasilianischen Markt. Umso wichtiger ist es, dass Berliner Unternehmen die neuen Möglichkeiten nutzen und frühzeitig vor Ort Präsenz zeigen. Die Delegationsreise hat dafür konkrete Grundlagen geschaffen: Vertrauen, direkte Zugänge und Ansatzpunkte für langfristige Zusammenarbeit.