Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarkt aktuell: Informationen und Statistiken zum Berliner Arbeitsmarkt

Januar 2024: Migration ist unerlässlich

Innerhalb der letzten fünf Jahre ist die Beschäftigung von ausländischen Staatsbürgern in Berlin um rund 60 Prozent gestiegen, während das Beschäftigungswachstum deutscher Staatsbürger bei nur einem Zehntel davon lag. Nach Berechnungen der IHK sind in Berlin dennoch 90.000 Stellen für Fachkräfte unbesetzt. Um mehr Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren, besteht weiter Handlungsbedarf.
Das Potenzial ist auf den ersten Blick riesig: Nahezu alle in Berlin befindlichen Asylsuchenden dürfen einer Arbeit nachgehen, unter den Geduldeten sind es fast 90 Prozent. Allein 2023 wurden in Berlin insgesamt 32.752 geflüchtete Menschen (Asyl, Ukraine und Aufnahmeprogramme) aufgenommen. Doch theoretische Erwerbspotenziale sind nicht gleich real-werdende Beschäftigung: Ein Vergleich der offenen Stellen und arbeitssuchenden Personen aus Asylherkunftsländern zeigt, dass erhebliche Matching-Probleme bestehen.

Deutlicher Aufwuchs bei Zugängen

In Richtung Sommer sank die Arbeitslosenquote auf das Jahrestief von 8,9 Prozent. Während des Sommerlochs nahmen die Abgänge aus der Arbeitslosigkeit deutlich ab, während gleichzeitig die Zugänge stiegen. Gewöhnlich setzt danach die Herbstbelebung ein mit höheren Abgängen aus der Arbeitslosigkeit. Dies war 2023 jedoch nicht in ausreichendem Maße der Fall: Die Geschäfte verloren an Schwung, die Aussichten verdüsterten sich. Anders als im Bund gab es in Berlin deutlich mehr Zugänge in die Arbeitslosigkeit und nur geringfügig mehr Abgänge aus der Arbeitslosigkeit.

Pragmatischer werden

Zur Kinderbetreuung sollte die Ausgabe von Kitagutscheinen in Berlin unbürokratisch gestaltet werden. Dazu sollten die Gebühren für Menschen mit Arbeitseinkommen, die in Unterkünften für Geflüchtete wohnen, reduziert werden, sodass ihr Arbeitsanreiz nicht sinkt. Bei der Zustimmungserfordernis der Bundesagentur für Arbeit zur Beschäftigung kann ebenfalls Bürokratie reduziert werden. Hier muss die Fiktionswirkung eingehalten werden, sollte binnen 14 Tagen keine Zustimmung erfolgen. Einfache Sprache sollte stärker als bislang in Wirtschaft und Verwaltung angewendet und das Arbeiten dort möglich gemacht werden, wo Englisch zunächst ausreichend ist.

Qualitativ und quantitativ besser werden

Die Qualität und Quantität von Sprachkursen muss verbessert und die Zahl der erfolgreichen Absolventen erhöht werden. Bei einer Vermittlung in Arbeit bei geringeren Sprachkenntnissen sollte berufsbegleitende Sprachförderung erfolgen. Sprachkurse sollten stärker in Betrieben stattfinden und Fördermöglichkeiten dafür niederschwellig geöffnet werden. Anerkennungsverfahren müssen schneller und digitaler ablaufen, da eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration nur gelingt, wenn Vorqualifizierte früher oder später auch in ihrem Zielberuf arbeiten können.

Rechtssicher sein

Betrieben, die Geduldete beschäftigen, sollte mehr Planungssicherheit gegeben werden: so sollte die Dauer der ausgestellten Duldungen die Dauer der befristeten Arbeitsverträge übersteigen. Für eine Vereinfachung in der Ausbildung könnte die Vorduldungszeit von drei Monaten abgeschafft sowie die Einführung einer Anspruchsduldung für die Einstiegsqualifizierung eingeführt werden. Eine Herabsetzung der zeitlichen Vorgabe in der Beschäftigungsverordnung von vier auf ein Jahr, könnte ohne Gesetzesänderung kurzfristig mehr Personen mit Duldung und Aufenthaltsgestattung die Möglichkeit zur Arbeit geben
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Zahlen im Überblick

Januar 24 Dezember 23
Zahl der Arbeitslosen in Berlin
200.954 190.818
Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat
17.435
15.768
Arbeitslosenquote in Prozent
9,7
9,2
Jugendliche Arbeitslose (15 bis unter 25 Jahre)
15.211 14.768
Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat
1.188
1.280
Arbeitslosenquote in Prozent
8,8
8,6
Ältere Arbeitslose (55 bis unter 65 Jahre)
37.588 35.222
Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat
3.465
2.531
Arbeitslosenquote in Prozent
9,2
8,7
Langzeitarbeitslose (1 Jahr und länger arbeitslos)
59.890 57.304
Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat
853
-1.299
Anteil an gesamter Arbeitslosigkeit in Prozent
29,8
30
Arbeitslose Ausländer 85.650 81.723
Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat
10.406
9.457
Arbeitslosenquote in Prozent
18,5
17,6
Gemeldete Arbeitsstellen, Zugang 
4.876 5.520
Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat in Prozent
5,4
-6,2
Gemeldete Arbeitsstellen, Zugang seit Jahresbeginn
4.876 62.856
Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat in Prozent
5,4
4,9
Der Beschäftigungstrend zeigt weiter nach oben: Im November 2023 waren 1.698.100 Personen sozialversicherungspflichtig
beschäftigt, 20.500 Personen mehr als im November 2022. Damit reduziert sich das Beschäftigungswachstum weiter, liegt aber mit einer Steigerung von 1,2 Prozent weiterhin über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 0,6 Prozentpunkten.
 
Veränderung sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

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