23.09.2026
EEG 2027: Jetzt entscheidet sich die Energiewende
Südquote ja, Kostenfalle nein, fordert IHK für Oberfranken Bayreuth
Wenn der Deutsche Bundestag am 24. September erstmals über die EEG-Novelle 2027 (EEG: Erneuerbare-Energien-Gesetz) und das parallel vorgelegte Netzpaket berät, geht es für den Industriestandort Oberfranken um weit mehr als um technische Details der Energiewende, so die IHK für Oberfranken Bayreuth.
Entscheidend ist, ob Deutschland den Ausbau erneuerbarer Energien endlich mit international wettbewerbsfähigen Strompreisen, tragfähigen Netzkosten und verlässlichen Investitionsbedingungen verbindet. Die IHK für Oberfranken Bayreuth warnt vor Regelungen, die private Investitionen in erneuerbare Energien ausbremsen und damit am Ende auch die Industrie belasten.
Investiert in erneuerbaren Strom wird nur, wenn Risiken für Investoren kalkulierbar
Wir brauchen mehr erneuerbaren Strom - auch und gerade in Süddeutschland. Die Bundesregierung darf aber Investoren nicht einerseits zum Ausbau auffordern und ihnen gleichzeitig einen Teil der Kalkulationsgrundlage entziehen, warnt Dr. Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth. Wenn milliardenschwere Investitionen in Wind- und Solarparks wegen neuer Erlösrisiken nicht mehr finanzierbar sind, läuft etwas grundsätzlich falsch.
Hintergrund sind die geplanten Regelungen des Netzpakets für Gebiete mit erheblichen Netzengpässen. Betreiber neuer Wind- und Solaranlagen könnten dort zeitlich befristet einen Teil des Redispatch-Risikos tragen. "Von Redispatch spricht man, wenn Netzbetreiber die Einspeisung einer Anlage zur Netzstabilisierung reduzieren. Bislang erhalten Betreiber dafür in der Regel eine Entschädigung, die künftig für neue Anlagen in Engpassgebieten teilweise entfallen könnte", erklärt Felix Esser, Teamleiter Innovationsberatung und Unternehmensentwicklung bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Der mögliche Entschädigungsverzicht ist auf bis zu 20 Prozent der Jahresstrommenge beziehungsweise 18 Prozent bei Windenergieanlagen in Windvorranggebieten begrenzt. Aus Gesprächen mit regionalen Projektakteuren weiß die IHK, dass solche Unsicherheiten von Finanzierungspartnern bereits kritisch bewertet werden. Gerade Projekte mit hohen Anfangsinvestitionen benötigen langfristig kalkulierbare Erlöse.
Industrie verlagert Produktion ins Ausland - erheblicher Handlungsdruck
Der Handlungsdruck ist erheblich. Nach dem Energiewende-Barometer 2026 der IHK für Oberfranken Bayreuth hat bereits jedes dritte befragte Industrieunternehmen Kapazitäten ins Ausland verlagert, plant dies oder setzt entsprechende Schritte um. Zwischen 2019 und 2025 gingen in Oberfranken gut 15.000 Industriearbeitsplätze verloren. Bundesweit planen, realisieren oder erwägen rund 60 Prozent der Industrieunternehmen Einschränkungen der Produktion in Deutschland oder Verlagerungen ins Ausland. Eine Hauptursache sind die im internationalen Vergleich sehr hohen Energiekosten.
Jeder dauerhaft verlorene Industriearbeitsplatz kostet Oberfranken Wertschöpfung, Know-how und Zukunftschancen, warnt Waasner. Deshalb müssen Strompreis und Netzentgelte wieder international wettbewerbsfähig werden. Eine Energiewende, die den Industriestandort wirtschaftlich überfordert, kann auf Dauer nicht erfolgreich sein.
IHK für Südquote - aber nur wenn Gesamtkosten nicht steigen
Die IHK unterstützt zugleich eine stärkere regionale Ausgewogenheit beim Windenergieausbau. Eine "Südquote" oder ein eigenes Südausschreibungssegment kann aus Sicht der IHK sinnvoll sein - allerdings nur, wenn dadurch die Gesamtkosten für Wirtschaft und Verbraucher nicht steigen. Eine aktuelle Kurzstudie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft kommt modellgestützt zu dem Ergebnis, dass ein stärkerer Windenergieausbau im Süden gegenüber einem überwiegend norddeutschen Zubau im Jahr 2030 Redispatchkosten von bis zu rund 1,9 Milliarden Euro jährlich vermeiden könnte. "Das ist ein modelliertes Einsparpotenzial, keine garantierte Kostensenkung", macht Esser deutlich.
Waasner: Eine Südquote oder ein Südausschreibungssegment darf kein teurer Regionalbonus sein. Wenn mehr Windenergie im Süden aber Netze entlastet, Redispatch reduziert und damit Systemkosten spart, müssen wir ein solches Instrumente nutzen. Für uns ist die entscheidende Bedingung: Unter dem Strich darf Energie für die Wirtschaft dadurch nicht teurer werden.
Die Uhr tickt: Unternehmen brauchen zeitnah Rechtssicherheit
Dr. Waasner: "Umso wichtiger ist Tempo bei gleichzeitig hoher Rechtssicherheit." Die beihilferechtliche Genehmigung des bestehenden EEG läuft Ende 2026 aus. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen wissen, woran sie sind, fordert Waasner. Wir brauchen keine neue bürokratische Feinsteuerung, sondern digitale Netze, Speicher, Flexibilität, schnellere Anschlüsse und klare marktwirtschaftliche Signale. Entscheidend sind nicht einzelne Förderinstrumente, sondern die Kosten des Gesamtsystems.
In Oberfranken sind bei vielen Windkraftprojekten die Planungen schon weit fortgeschritten. "Sollten die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und das Netzpaket unverändert beschlossen werden, wären allein in Oberfranken etwa 100 Windkraftanlagen gefährdet", so Dr. Waasner. "Für diese Projekte sind rückwirkende Eingriffe besonders kritisch, wenn sie bereits genehmigt sind, den Zuschlag in einer EEG-Ausschreibung erhalten haben und schon finanziert wurden. Notwendig sind Übergangsfristen, Vertrauensschutz und kalkulierbare Kosten."
Wenn der Deutsche Bundestag am 24. September erstmals über die EEG-Novelle 2027 (EEG: Erneuerbare-Energien-Gesetz) und das parallel vorgelegte Netzpaket berät, geht es für den Industriestandort Oberfranken um weit mehr als um technische Details der Energiewende, so die IHK für Oberfranken Bayreuth.
Entscheidend ist, ob Deutschland den Ausbau erneuerbarer Energien endlich mit international wettbewerbsfähigen Strompreisen, tragfähigen Netzkosten und verlässlichen Investitionsbedingungen verbindet. Die IHK für Oberfranken Bayreuth warnt vor Regelungen, die private Investitionen in erneuerbare Energien ausbremsen und damit am Ende auch die Industrie belasten.
Investiert in erneuerbaren Strom wird nur, wenn Risiken für Investoren kalkulierbar
Wir brauchen mehr erneuerbaren Strom - auch und gerade in Süddeutschland. Die Bundesregierung darf aber Investoren nicht einerseits zum Ausbau auffordern und ihnen gleichzeitig einen Teil der Kalkulationsgrundlage entziehen, warnt Dr. Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth. Wenn milliardenschwere Investitionen in Wind- und Solarparks wegen neuer Erlösrisiken nicht mehr finanzierbar sind, läuft etwas grundsätzlich falsch.
Hintergrund sind die geplanten Regelungen des Netzpakets für Gebiete mit erheblichen Netzengpässen. Betreiber neuer Wind- und Solaranlagen könnten dort zeitlich befristet einen Teil des Redispatch-Risikos tragen. "Von Redispatch spricht man, wenn Netzbetreiber die Einspeisung einer Anlage zur Netzstabilisierung reduzieren. Bislang erhalten Betreiber dafür in der Regel eine Entschädigung, die künftig für neue Anlagen in Engpassgebieten teilweise entfallen könnte", erklärt Felix Esser, Teamleiter Innovationsberatung und Unternehmensentwicklung bei der IHK für Oberfranken Bayreuth. Der mögliche Entschädigungsverzicht ist auf bis zu 20 Prozent der Jahresstrommenge beziehungsweise 18 Prozent bei Windenergieanlagen in Windvorranggebieten begrenzt. Aus Gesprächen mit regionalen Projektakteuren weiß die IHK, dass solche Unsicherheiten von Finanzierungspartnern bereits kritisch bewertet werden. Gerade Projekte mit hohen Anfangsinvestitionen benötigen langfristig kalkulierbare Erlöse.
Industrie verlagert Produktion ins Ausland - erheblicher Handlungsdruck
Der Handlungsdruck ist erheblich. Nach dem Energiewende-Barometer 2026 der IHK für Oberfranken Bayreuth hat bereits jedes dritte befragte Industrieunternehmen Kapazitäten ins Ausland verlagert, plant dies oder setzt entsprechende Schritte um. Zwischen 2019 und 2025 gingen in Oberfranken gut 15.000 Industriearbeitsplätze verloren. Bundesweit planen, realisieren oder erwägen rund 60 Prozent der Industrieunternehmen Einschränkungen der Produktion in Deutschland oder Verlagerungen ins Ausland. Eine Hauptursache sind die im internationalen Vergleich sehr hohen Energiekosten.
Jeder dauerhaft verlorene Industriearbeitsplatz kostet Oberfranken Wertschöpfung, Know-how und Zukunftschancen, warnt Waasner. Deshalb müssen Strompreis und Netzentgelte wieder international wettbewerbsfähig werden. Eine Energiewende, die den Industriestandort wirtschaftlich überfordert, kann auf Dauer nicht erfolgreich sein.
IHK für Südquote - aber nur wenn Gesamtkosten nicht steigen
Die IHK unterstützt zugleich eine stärkere regionale Ausgewogenheit beim Windenergieausbau. Eine "Südquote" oder ein eigenes Südausschreibungssegment kann aus Sicht der IHK sinnvoll sein - allerdings nur, wenn dadurch die Gesamtkosten für Wirtschaft und Verbraucher nicht steigen. Eine aktuelle Kurzstudie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft kommt modellgestützt zu dem Ergebnis, dass ein stärkerer Windenergieausbau im Süden gegenüber einem überwiegend norddeutschen Zubau im Jahr 2030 Redispatchkosten von bis zu rund 1,9 Milliarden Euro jährlich vermeiden könnte. "Das ist ein modelliertes Einsparpotenzial, keine garantierte Kostensenkung", macht Esser deutlich.
Waasner: Eine Südquote oder ein Südausschreibungssegment darf kein teurer Regionalbonus sein. Wenn mehr Windenergie im Süden aber Netze entlastet, Redispatch reduziert und damit Systemkosten spart, müssen wir ein solches Instrumente nutzen. Für uns ist die entscheidende Bedingung: Unter dem Strich darf Energie für die Wirtschaft dadurch nicht teurer werden.
Die Uhr tickt: Unternehmen brauchen zeitnah Rechtssicherheit
Dr. Waasner: "Umso wichtiger ist Tempo bei gleichzeitig hoher Rechtssicherheit." Die beihilferechtliche Genehmigung des bestehenden EEG läuft Ende 2026 aus. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen wissen, woran sie sind, fordert Waasner. Wir brauchen keine neue bürokratische Feinsteuerung, sondern digitale Netze, Speicher, Flexibilität, schnellere Anschlüsse und klare marktwirtschaftliche Signale. Entscheidend sind nicht einzelne Förderinstrumente, sondern die Kosten des Gesamtsystems.
In Oberfranken sind bei vielen Windkraftprojekten die Planungen schon weit fortgeschritten. "Sollten die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und das Netzpaket unverändert beschlossen werden, wären allein in Oberfranken etwa 100 Windkraftanlagen gefährdet", so Dr. Waasner. "Für diese Projekte sind rückwirkende Eingriffe besonders kritisch, wenn sie bereits genehmigt sind, den Zuschlag in einer EEG-Ausschreibung erhalten haben und schon finanziert wurden. Notwendig sind Übergangsfristen, Vertrauensschutz und kalkulierbare Kosten."
