22.10.2026

Lichtenfelser Wirtschaft löst sich vom Frühjahrstief

IHK-Konjunkturklimaindex im Landkreis Lichtenfels steigt um 13 auf 90 Punkte

Für die Wirtschaft im Landkreis Lichtenfels geht es nach einem sehr schwachen Frühjahr wieder aufwärts, so die aktuelle Herbstumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth. Die aktuelle Geschäftslage verbessert sich deutlich, und die Geschäftserwartungen fallen weniger pessimistisch aus als zuvor. Der IHK-Konjunkturklimaindex für Lichtenfels steigt um 13 auf 90 Punkte, liegt damit aber weiter 10 Punkte unter der Wachstumsschwelle von 100.

Ein Fünftel der befragten Unternehmen beurteilt ihre aktuelle Geschäftslage positiv, ein Viertel negativ. Der Saldo, also die Differenz aus positiven und negativen Bewertungen, liegt bei -5 Punkten. Im Frühjahr stand er noch bei -20. Die Lagebewertung bleibt damit negativ, legt aber spürbar zu. Auch in den Auftragsbüchern zeigt sich die Erholung. Der Saldo beim Auftragsvolumen im Inland verbessert sich von -50 auf -38 Punkte, bleibt aber auf niedrigem Niveau.

Auslastung der Unternehmen spürbar verbessert

Gut die Hälfte der Unternehmen meldet für das zurückliegende Halbjahr weniger Aufträge aus dem Inland, nur 13 Prozent verzeichnen ein Plus beim Auftragseingang. “Endlich gibt es einen ersten kleinen Lichtblick”, freut sich Wilhelm Wasikowski, Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels. “Die Unternehmen sind wieder besser ausgelastet. Das verschafft ihnen etwas Luft.” Immerhin 20 Prozent der Unternehmen geben eine volle Auslastung an, 22 Prozent eine unzureichende. Im Frühjahr lagen die Werte noch bei 10 und 36 Prozent. Mit 90 Punkten liegt der Konjunkturklimaindex knapp über dem oberfränkischen Durchschnitt von 89 Punkten.

“Die wirtschaftliche Erholung im Landkreis Lichtenfels darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass fast alle Indikatoren weiterhin im negativen Bereich liegen. Jedes zweite Unternehmen verzeichnet sinkende Aufträge. Die vergangenen Jahre waren eine Berg- und Talfahrt. Auf jeden Aufschwung folgte schnell der nächste Rückschlag”, verdeutlicht Wasikowski die aktuelle Situation. “Die schwache Nachfrage im Inland und die anhaltenden Handelskonflikte bekommen unsere Unternehmen direkt zu spüren. Die europäischen und vor allem die deutschen Automobilhersteller haben in den vergangenen Jahren den Anschluss klar verpasst. Das trifft unsere Automobilzulieferer hart. Dazu kommen hohe Strom- und Gaspreise. Wir haben zwar einen Aufwärtstrend, aber noch keinen Wachstumstrend.”

Erwartungen kritisch, aber weniger düster als im Frühjahr

Für die kommenden zwölf Monate rechnen 16 Prozent der Unternehmen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, ein knappes Drittel mit einer Verschlechterung. Damit blicken sie weniger pessimistisch nach vorn als im Frühjahr (Saldo -16 nach -27) – der Wert bleibt aber deutlich im Minus.

Beim erwarteten Auftragsvolumen aus dem Inland rechnet über ein Drittel mit einem Rückgang, 18 Prozent mit einem Anstieg. Deutlich besser ist der Ausblick im Auslandsgeschäft. 32 Prozent erwarten mehr Aufträge aus dem Ausland, im Frühjahr waren es nur 13 Prozent. Der Anteil der Pessimisten sinkt von 53 auf 37 Prozent.

Unternehmen investieren mehr in Umweltschutz

14 Prozent der Unternehmen wollen ihre Inlandsinvestitionen erhöhen, knapp jedes vierte plant rückläufige Investitionen. Der Saldo verbessert sich von -32 auf -10 Punkte. Im Mittelpunkt stehen weiterhin Ersatzbeschaffungen (63 Prozent) und Rationalisierungen (49 Prozent). Der Anteil der Unternehmen mit Investitionen in den Umweltschutz hat sich gegenüber dem Frühjahr auf 44 Prozent verdoppelt – der höchste Wert in Oberfranken. Die Beschäftigtenprognose fällt weiter negativ aus, allerdings weniger pessimistisch als im Frühjahr. Jedes zehnte Unternehmen rechnet mit mehr, gut jedes vierte mit weniger Personal am Standort.

“Auch wenn die Konjunkturergebnisse weiterhin negativ ausfallen: Die Unternehmen im Landkreis Lichtenfels fassen wieder vorsichtig Mut. Das ist für mich das wichtigste Ergebnis dieser Umfrage. Wer wieder über Investitionen nachdenkt, traut dem Standort etwas zu”, so Wasikowski. “Aus Ideen entstehen aber nur dann Maschinenhallen und Arbeitsplätze, wenn die Politik die Unternehmen endlich entlastet. Bürokratie und Abgaben müssen runter, Genehmigungen müssen schneller kommen. Darauf warten wir schon viel zu lange.”
Hintergrundinformation:
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an.