22.10.2026

Kronacher Wirtschaft im Dauertief

IHK-Gremium Kronach: Positive Signale bei der Auslandsnachfrage


Im Landkreis Kronach stabilisieren sich die konjunkturellen Eckdaten, allerdings von einem niedrigen Niveau aus. Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage besser, planen bei Investitionen und Personal aber noch zurückhaltender, so die wichtigsten Ergebnisse der Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth. Der IHK-Konjunkturklimaindex steigt um 5 auf 87 Punkte.

Mit 87 Punkten liegt der Klimaindex zwei Punkte unter dem oberfränkischen Durchschnitt. 18 Prozent der Unternehmen in der Region Kronach bewerten ihre Geschäftslage positiv, 28 Prozent negativ. Der Saldo, also die Differenz aus positiven und negativen Bewertungen, verbessert sich von -18 im Frühjahr auf -10 Punkte. Damit bleibt die Lagebewertung aber klar im Minus. Auch die Auslastung konsolidiert sich etwas, bleibt im Saldo aber negativ.

Fast jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) meldet für das zurückliegende Halbjahr ein gesunkenes Auftragsvolumen, nur 8 Prozent ein gestiegenes. Der Saldo fällt von -31 auf -40 Punkte. Positiv: Im Auslandsgeschäft halten sich Zuwächse und Rückgänge mit je 22 Prozent die Waage, gestützt durch eine steigende Nachfrage aus der Eurozone.

“Wir sehen ein erstes Lebenszeichen, mehr aber nicht”, sagt Hans Rebhan, Vorsitzender des IHK-Gremiums Kronach. “Die Lage wird etwas besser bewertet, gleichzeitig brechen die Aufträge weiter weg. Das zeigt, wie zerbrechlich die Erholung ist. Von einer Trendwende kann noch keine Rede sein.”

Verhaltene Erwartungen, weniger Investitionen

Drei Viertel der Befragten rechnen für die kommenden zwölf Monate mit einer unveränderten Geschäftslage. Nur 5 Prozent erwarten eine Verbesserung, jedes fünfte Unternehmen eine Verschlechterung. Beim Auftragsvolumen aus dem Inland bleiben die Erwartungen negativ, auch wenn sich der Saldo von -34 auf -25 Punkte verbessert. Eine positive Nachricht gibt es aber doch: Im Auslandsgeschäft erwarten die Unternehmen im Saldo eine Belebung. Vorsichtig optimistisch sind sie bei der Nachfrage aus der Eurozone und Nordamerika.

“Dass mehr Unternehmen auf wachsende Aufträge aus dem Ausland setzen, macht mir Mut”, sagt Rebhan. “Produkte aus dem Frankenwald sind auf den Weltmärkten gefragt, von der Eurozone bis Nordamerika. Das zeigt, was in unserer Region steckt: Qualität, Erfindergeist und Hartnäckigkeit. Wenn es im Inland hakt, öffnen unsere Unternehmen eben neue Türen.”

Vorsichtiger planen die Befragten bei den Investitionen. 16 Prozent wollen mehr im Inland investieren, gut jedes dritte will weniger ausgeben. Im Frühjahr hielten sich beide Gruppen noch annähernd die Waage, jetzt fällt der Saldo auf -19 Punkte. Wer investiert, ersetzt vor allem alte Anlagen (77 Prozent), ein Drittel will rationalisieren. Zukunftsinvestitionen spielen kaum eine Rolle. Auch die Beschäftigtenprognose wird kritischer. 7 Prozent planen einen Personalaufbau am Standort, 22 Prozent einen Abbau. Gut die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent) rechnet mit steigenden Verkaufspreisen.

“Viele Unternehmen haben ihre Investitionen wieder auf Eis gelegt. Das ist ein Alarmsignal”, so Rebhan. “Wer heute nur alte Anlagen ersetzt, verliert morgen den Anschluss. Seit dem Konflikt im Nahen Osten ist Energie wieder deutlich teurer geworden, und niemand weiß, was Arbeit und Bürokratie im nächsten Jahr kosten. So investiert kaum jemand. Die Politik kennt die Probleme seit Jahren. Mit klaren Entscheidungen kämen in Kronach viele Projekte sofort wieder in Gang. Jeder Monat, der ungenutzt verstreicht, kostet Arbeitsplätze.”
Hintergrundinformation:
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an.