22.10.2026
Forchheimer Wirtschaft spürt eisigen Gegenwind
IHK-Konjunkturklimaindex im Landkreis Forchheim fällt um 15 auf 79 Punkte
Das Konjunkturklima im Landkreis Forchheim kühlt sich deutlich ab. Die gegenwärtige Lage gibt leicht nach, die Erwartungen trüben sich stark ein. Viele Unternehmen planen einen Personalabbau, so die IHK für Oberfranken Bayreuth in ihrem aktuellen Konjunkturbericht. Der IHK-Konjunkturklimaindex stürzt um 15 auf 79 Punkte regelrecht ab.
Jedes fünfte Unternehmen aus der Region Forchheim bewertet seine Geschäftslage positiv, 27 Prozent negativ. Im Saldo, also der Differenz aus positiven und negativen Bewertungen, rutscht die Geschäftslage von einem ausgeglichenen Wert im Frühjahr leicht ins Minus. Kritisch bleibt die Auftragsnachfrage im Inland. 45 Prozent verzeichnen für das zurückliegende Halbjahr weniger Aufträge, nur 17 Prozent mehr. Auch im Auslandsgeschäft fehlt der Schwung. Jedes zweite Exportunternehmen meldet eine sinkende, nur jedes vierte eine steigende Auslandsnachfrage. Trotzdem sind die Exporte der einzige Indikator zur Beurteilung der aktuellen Lage, der sich im Landkreis Forchheim nicht weiter verschlechtert hat. Mit 79 Punkten hat Forchheim den niedrigsten Konjunkturklimawert in Oberfranken. Der Durchschnitt des Kammerbezirks liegt bei 89 Punkten.
“Im Frühjahr war die Lage noch ausgeglichen, jetzt rutschen die laufenden Geschäfte im Raum Forchheim ins Minus. Das ist ein herber Dämpfer, denn im vergangenen Jahr gab es zumindest die zaghafte Hoffnung auf ein Ende der konjunkturellen Talfahrt”, erläutert Dr. Michael Waasner, IHK-Präsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Forchheim. “Jetzt kommt es darauf an, dass die schwache Lage nicht zum Dauerzustand wird. Die Politik muss endlich liefern.”
Erwartungen geprägt von Pessimismus – Hoffnungsschimmer bei Exporten
Durchweg kritisch fallen die Prognosen für die kommenden zwölf Monate aus. Der Saldo bricht von -12 im Frühjahr auf -33 Punkte ein. Auch beim erwarteten Auftragsvolumen aus dem Inland überwiegt die Skepsis: 11 Prozent rechnen mit einem Plus, 46 Prozent mit einem Minus. Eine leichte Belebung erhoffen sich die Unternehmen bei der Auslandsnachfrage, weniger durch Aufträge aus der EU und China, aber dafür aus allen anderen Teilen der Welt.
Nahezu kein Unternehmen (2 Prozent) erwartet, dass die Zahl der Mitarbeitenden am Standort steigt. 32 Prozent rechnen mit einer schrumpfenden Belegschaft. Bei den Inlandsinvestitionen bleiben die Unternehmen zurückhaltend. 7 Prozent rechnen mit steigenden Ausgaben, 23 Prozent mit sinkenden. Immerhin: Wer investiert, setzt häufiger als in jeder anderen Region Oberfrankens auf Produktinnovationen (38 Prozent). Mit steigenden Verkaufspreisen rechnen 53 Prozent der Unternehmen.
“Das Umfeld für die Forchheimer Wirtschaft ist momentan ausgesprochen rau”, sagt Dr. Waasner. “Wir müssen jetzt mit Beharrlichkeit, Innovationsfreude, Schnelligkeit und Qualität daran gehen, diese schwierige Phase zu meistern.”
Dr. Waasner macht aber auch deutlich: “Offenbar glauben die Unternehmen unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht an einen baldigen Aufschwung. Wer heute Arbeitskräfte gehen lässt, bekommt sie morgen nicht so leicht zurück. Dass trotzdem so viele Unternehmen Personal abbauen wollen, zeigt, wie groß der Kostendruck ist.” Er drängt bei den seit Langem versprochenen, aber immer wieder verschobenen Reformen auf mehr Tempo: “Die Bundesregierung hat Reformen am Arbeitsmarkt und bei der Rente angekündigt. Jetzt braucht es Beschlüsse, denn jeder Monat Unsicherheit kostet Investitionen und weitere Arbeitsplätze. Und zwar nicht irgendwo am anderen Ende der Republik, sondern hier bei uns.”
Hintergrundinformation:
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an.
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an.
