Konjunktur in NRW: Konjunktur unter Druck – Lage in der Industrie spitzt sich zu
Zum Jahresende haben sich die Konjunkturaussichten für NRW verschlechtert. Noch im Sommer hatten viele Unternehmen auf eine stärkere Belebung und schnelle Impulse aus der Wirtschaftspolitik gesetzt. Auch die Aussichten bleiben für die NRW-Wirtschaft herausfordernd. Damit ist zu befürchten, dass der konjunkturelle Tiefpunkt noch nicht erreicht ist.
Nach drei schwierigen Jahren kommt die Konjunkturentwicklung in Nordrhein-Westfalen nicht in Schwung. Die Herbstumfragen zur wirtschaftlichen Entwicklung der Industrie- und Handelskammern in NRW, an denen sich 4.500 Unternehmen beteiligt haben, zeigen, dass sich die Geschäftslage bei vielen Unternehmen zuletzt verschlechtert hat.
Der Lageindikator, der die aktuellen Geschäftsentwicklungen nachzeichnet, geht im Vergleich zur Vorumfrage leicht zurück und verharrt auf niedrigem Niveau unterhalb der Nulllinie bei minus 5 Punkten. Insbesondere in der NRW-Industrie spitzt sich die Lage weiter zu. Der Lageindikator für die Industrie gibt deutlich nach und fällt auf minus 23 Punkte. 38 Prozent der befragten Industrieunternehmen bewerten ihre Geschäftslage im Herbst als schlecht. Nur 15 Prozent melden gute Geschäfte.
Nach dem Ende der Coronapandemie hat der Lageindikator in der Industrie damit 59 Punkte (!) in drei Jahren verloren. Hierin spiegelt sich der Druck aus dem internationalen Wettbewerb, durch steigende Arbeitskosten und hohe Energiekosten im Inland sowie durch das unsichere Außenhandelsumfeld, Stichwort: Zölle.
Die Industrieunternehmen sehen derzeit kaum eine Chance auf eine kurzfristige Trendwende. Im Gegenteil, jedes vierte Industrieunternehmen erwartet einen weiteren Rückgang der Geschäfte. Entsprechend reduzieren viele Unternehmen ihre Investitions- (-19 Punkte) und Beschäftigungsplanungen (-21 Punkte). Auch die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse bricht in der Industrie ein. Die restriktiven Planungen in der Industrie werden die NRW-Konjunktur über den Jahreswechsel hinaus weiter belasten.
Sorgen bereiten daneben auch konsumorientierte Branchen etwa der Einzelhandel. Seit dem Jahresbeginn 2022 liegt der Lageindikator im Handel im negativen Bereich. Aktuell bewerten 31 Prozent der antwortenden Einzelhändler ihre Lage als schlecht, lediglich 18 als gut. Die Folgen der strukturellen Verschiebungen hin zum Onlinehandel sowie steigende Kosten und Preise zeigen sich in vielen Einkaufsstraßen der Städte NRWs.
Jeder dritte befragte Einzelhändler fürchtet, dass sich die Geschäfte in den kommenden Monaten weiter verschlechtern. Daher planen auch viele Einzelhandelsunternehmen, ihre Beschäftigung einzuschränken (Beschäftigungsindikator -13 Punkte).
Jeder dritte befragte Einzelhändler fürchtet, dass sich die Geschäfte in den kommenden Monaten weiter verschlechtern. Daher planen auch viele Einzelhandelsunternehmen, ihre Beschäftigung einzuschränken (Beschäftigungsindikator -13 Punkte).
Stabiler zeigt sich die Konjunkturentwicklung im Bau- und im Dienstleistungsgewerbe. Auch wenn die angekündigten zusätzlichen Infrastrukturmittel des Bundes nicht unmittelbar im laufenden Jahr nachfragewirksam werden, stabilisiert sich die Geschäftslage im Bau (Lageindikator: +23 Punkte). Allerdings zeigen die Umfragen auch, dass dies nicht zu zusätzlichen Kapazitäten führt. Lediglich 13 Prozent der befragten Bauunternehmen planen mit mehr, sogar 15 Prozent mit weniger Beschäftigten.
Und auch die Investitionsplanungen bleiben im Baugewerbe restriktiv ausgerichtet. Während 28 Prozent ihre Investitionen zurückfahren, wollen lediglich 17 Prozent der Befragten mehr investieren.