IHK-Konjunktur, Jahresbeginn 2023

Region Aachen: Leichte Entspannung, keine Entwarnung

Die deutlich negativen Erwartungen der Unternehmerinnen und Unternehmer im Herbst haben sich zum Jahreswechsel nicht erfüllt. Die Geschäftslage hat sich sogar spürbar verbessert, insbesondere in der Industrie und bei den Dienstleistern. Das ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK Aachen, an der sich 330 Unternehmen mit rund 30.000 Beschäftigten aus der Städteregion Aachen sowie den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg beteiligt haben.
"Ursache für die Entwicklung ist zum einen die Stabilisierung der Energiepreise in den vergangenen Wochen", erklärt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. "Zum anderen kann die Mehrzahl der Betriebe weiterhin die gestiegenen Kosten an ihre Kunden weitergeben, ohne größere Umsatzeinbußen oder Auftragsrückgänge zu verzeichnen."
Die Geschäftsaussichten werden zwar weiterhin überwiegend negativ bewertet, allerdings von weniger Unternehmen als im Herbst 2022. "Nach einem Allzeit-Tief bei der zurückliegenden Umfrage sind die Erwartungen der befragten Betriebe wieder deutlich gestiegen, bleiben aber überwiegend noch negativ“, führt Bayer aus. "Die weitere Entwicklung wird von vielen Befragten zum Glück nicht mehr so dramatisch gesehen. Das ist aber noch keine Entwarnung für die konjunkturelle Entwicklung, lediglich eine erste Entspannung."
Vom Export erwarten die Unternehmerinnen und Unternehmer keine Wachstumsimpulse. Allerdings will eine knappe Mehrzahl der Befragten ihre Investitionsausgaben im neuen Jahr bereits wieder erhöhen.

Energiepreise und Fachkräftemangel bremsen konjunkturelle Erholung

Trotz erster Anzeichen der Entspannung sorgen sich die Befragten am meisten vor der Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise. Vier von fünf Betrieben sehen diese als größtes Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Das liegt auch daran, dass der Großteil der Unternehmerinnen und Unternehmer noch nicht abschätzen kann, ob die beschlossenen Strom- und Gaspreisbremsen eine stabilisierende Wirkung entfalten können.
Als weitere Bedrohung für die Konjunktur sehen die Befragten den Fachkräftemangel. Der Bedarf an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist bei den Betrieben seit Herbst 2022 sogar gestiegen. Lediglich der Bedarf an Mitarbeitenden ohne Berufsausbildung ist etwas geringer.
Die Arbeitslosenquote in der Region Aachen hat sich seit dem Herbst nicht verändert und liegt weiterhin bei 6,3 Prozent. In Nordrhein-Westfalen sank sie geringfügig um 0,1 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent, während sie auf Bundesebene bei 5,4 Prozent stagniert.
 

Geschäftslage und Erwartungen der Befragten im Detail

Die Mehrzahl der Industriebetriebe berichtet aktuell von einer guten Situation. Jeder dritte Befragte ist mit der Lage zufrieden, jeder achte ist unzufrieden. Das liegt unter anderem daran, dass im Vergleich zum Herbst die Umsätze bei mehr Betrieben gestiegen sind. Diese Steigerungen sind zu einem gewissen Grad allerdings auf gestiegene Energiepreise zurückzuführen: 78 Prozent der Befragten geben an, ihre Energiekosten an ihre Kunden weiterzugeben. 85 Prozent kompensieren ihre Kostensteigerungen zumindest teilweise durch Energiesparmaßnahmen. 60 Prozent der Befragten investieren außerdem in Energieeffizienzmaßnahmen.
Die Auslastung der Produktionskapazitäten sank geringfügig um -1 Prozentpunkt auf 82 Prozent und liegt damit weiter über dem langjährigen Durchschnitt von 81,0 Prozent.
Die Dienstleister bewerten ihre aktuelle Lage weiterhin gut. 38 Prozent der Betriebe berichten von positiven Geschäften, jeder zehnte Befragte ist nicht zufrieden. Bei jedem zweiten Unternehmen sind die Umsätze in den zurückliegenden Monaten gestiegen. Annähernd jeder fünfte Betrieb meldet rückläufige Umsätze.
Die wirtschaftliche Lage hat sich im Handel seit dem Herbst leicht verbessert. Drei von zehn Befragten berichten von guten Geschäften, 22 Prozent sind mit der aktuellen Situation nicht zufrieden. Diese Entwicklung liegt vor allem an einer deutlich verbesserten Lage im Großhandel. Ein Drittel der Unternehmerinnen und Unternehmer ist dort mit dem Geschäft zufrieden, 12 Prozent sind es nicht. Im Einzelhandel hat sich die Lage hingegen seit dem Herbst verschlechtert. 28 Prozent der Befragten sind aktuell zufrieden, 39 Prozent melden schlechte Geschäfte.
Entgegen der allgemeinen Konjunkturentwicklung hat sich die Lage im Baugewerbe deutlich verschlechtert, die Rückmeldungen der Unternehmen bleiben aber noch deutlich im positiven Bereich. 39 Prozent der Befragten sind mit ihrer Lage zufrieden, 9 Prozent melden schlechte Geschäfte. Die Bauproduktion ist in den vergangenen sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahr bei der Mehrzahl der Betriebe allerdings gesunken.
Der Export hat seit dem Herbst wieder angezogen, allerdings bleiben die Erwartungen an das Auslandsgeschäft niedrig. In den zurückliegenden Monaten ist der Auslandsumsatz bei 40 Prozent der Industriebetriebe gestiegen, 23 Prozent berichten von gesunkenen Umsätzen. Die Auftragseingänge aus dem Ausland haben allerdings eine negative Tendenz. 23 Prozent der Betriebe berichten von einer steigenden, 36 Prozent von einer sinkenden Nachfrage. Daher erwarten die Industrieunternehmen mehrheitlich auch keine Verbesserungen beim Auslandsgeschäft in den kommenden Monaten. Rund ein Drittel aller Befragten geht von einem Rückgang des Exports aus, nur jeder sechste erwartet einen Anstieg.
Trotz der im Vergleich zum Herbst verbesserten Geschäftssituation hat sich die Ertragslage der Unternehmen noch nicht erholt. Bei etwas mehr als einem Drittel der Unternehmen sind die Erträge gesunken, 29 Prozent melden höhere Erträge.
Obwohl die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate niedrig sind und sich auch die Ertragslage nicht verbessert hat, will eine knappe Mehrzahl der Befragten in den kommenden Monaten mehr investieren: 24 Prozent wollen ihre Investitionsausgaben erhöhen, 19 Prozent senken.
Trotz der geringen Erwartungen rechnen die Unternehmerinnen und Unternehmer mit einem steigenden Personalbedarf. 28 Prozent der Befragten erwarten einen Anstieg der Mitarbeiterzahlen, 17 Prozent gehen von einem Rückgang aus.
Bei der aktuellen Konjunkturumfrage hat die IHK Aachen mit den Vereinigten Industrieverbänden von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung e. V. (VIV) kooperiert und Unternehmerinnen und Unternehmer gemeinsam befragt.

Geschäftslage und -erwartung in den Teilregionen

Städteregion Aachen: Stadt Aachen

Die Lage der Unternehmerinnen und Unternehmer in der Stadt Aachen hat sich verbessert. 49 Prozent aller Befragten berichten von guten Geschäften, nur 8 Prozent sind unzufrieden. Positive Geschäfte melden vor allem das Baugewerbe (Saldo: +53), die Industrie (Saldo: +45) und die Dienstleister (Saldo: +44). Der Blick in die Zukunft ist aufgrund der diffusen Gesamtsituation jedoch weiterhin eingetrübt: Die Befragten erwarten überwiegend schlechte Geschäfte, wenn auch deutlich weniger Betriebe als im Herbst 2022. 23 Prozent schauen positiv nach vorne, 31 Prozent sind skeptisch. Positiv sind die Aussichten bei den Dienstleistern (Saldo: +18) und in der Industrie (Saldo: +6). In den anderen Wirtschaftssektoren sind die Aussichten hingegen negativ.

Übrige Städteregion Aachen

Im ehemaligen Kreis Aachen berichten mehr Betriebe als zuletzt von guten Geschäften. 33 Prozent der Befragten sind mit ihrer Situation zufrieden, 11 Prozent nicht. Positiv ist die Lage im Baugewerbe (Saldo: +33), in der Industrie (Saldo: +28) und bei den Dienstleistern (Saldo: +28). Die Aussichten bleiben jedoch mehrheitlich negativ: 16 Prozent der Befragten erwarten eine positive Entwicklung, 39 Prozent rechnen mit schlechten Geschäften. Besonders negativ sind die Erwartungen im Großhandel (Saldo: -84) und im Baugewerbe (Saldo: -67).

Kreis Düren

Im Kreis Düren hat sich die Geschäftslage kaum verändert: 32 Prozent der Befragten sind mit ihren Geschäften zufrieden, 28 Prozent sind unzufrieden. Von einer guten Lage berichten vor allem der Großhandel (Saldo: +33) und die Dienstleister (Saldo: +32). Die Aussichten verbessern sich nur langsam: 17 Prozent der Betriebe rechnen mit besseren Geschäften in den kommenden Monaten, 49 Prozent sind zurückhaltend. Am besten sind die Aussichten noch in der Industrie (Saldo: +-17).

Kreis Euskirchen

Bei den Betrieben im Kreis Euskirchen hat sich die Situation leicht verschlechtert. 16 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer melden gute Geschäfte, 12 Prozent schlechte. Überwiegend positiv sind die Bewertungen vor allem in der Industrie (Saldo: +14). Die Erwartungen sind aber weiter auf sehr niedrigem Niveau: Nur 15 Prozent der Befragten rechnen mit einer positiven Entwicklung, 60 Prozent prognostizieren einen Nachfragerückgang. In keinem Sektor rechnet die Mehrzahl der Befragten mit einer Verbesserung ihrer Geschäfte. Am zuversichtlichsten sind noch die Dienstleister (Saldo: -9).

Kreis Heinsberg

Die Lage der Unternehmen im Kreis Heinsberg hat sich deutlich verbessert. 39 Prozent der Befragten sind zufrieden, nur 7 Prozent unzufrieden. Gut ist die aktuelle Lage vor allem im Großhandel (Saldo: +63), in der Industrie (Saldo: +36) und im Einzelhandel (Saldo: +35). 24 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 27 Prozent sind skeptisch. Negative Erwartungen haben vor allem das Baugewerbe (Saldo: -62), am höchsten sind sie hingegen bei den Dienstleistern (Saldo: +15).
IHK-Presseinformation vom 11. Januar 2023