Rekord-Handelshemmnisse
IHK Aachen plädiert für mehr Freihandel
Zölle, Bürokratie und geopolitische Unsicherheiten belasten das internationale Geschäft von Unternehmen so stark wie nie zuvor. Das zeigt die aktuelle IHK-Umfrage "Going International", an der 462 auslandsaktive Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen teilgenommen haben. Von diesen berichten 74 Prozent von zunehmenden Handelshemmnissen – ein Rekordwert. Doch es gibt einen Ausweg: Freihandelsabkommen mit Indien, Kanada und den Mercosur-Staaten können neue Perspektiven eröffnen.
Höhere Zölle sind mit 73 Prozent das größte Handelshemmnis weltweit für die nordrhein-westfälischen Unternehmen, gefolgt von lokalen Zertifizierungsanforderungen und verschärften Exportkontrollregimen – das sind internationale Abkommen, mit denen Staaten die Ausfuhr sensibler Güter, Technologien und Software kontrollieren. Die US-Handelspolitik belastet die Lage zusätzlich. Rund 85 Prozent der Unternehmen beklagen negativen Auswirkungen aufgrund wachsender Unsicherheit und höherer Zölle. Die Konsequenzen für das US-Geschäft: 31 Prozent der nordrhein-westfälischen Unternehmen planen, ihre Investitionen in den USA zu vertagen, 16 Prozent wollen dort weniger investieren.
Die Handelsbarrieren erreichen ein Niveau, das für viele Unternehmen existenzbedrohend wird.
"Die Handelsbarrieren erreichen ein Niveau, das für viele Unternehmen existenzbedrohend wird", sagt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. "Weniger Regulierung, der Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse im europäischen Binnenmarkt und vor allem mehr Freihandelsabkommen weltweit sind zentral. Dort, wo Politik Freihandel ermöglicht, entstehen echte Perspektiven."
Tatsächlich sehen Unternehmen in Freihandelsabkommen eine strategische Chance. In der NRW-weiten Auswertung zeigt sich eine auffällige Trendwende bei der Beurteilung der Geschäftsperspektiven für drei Märkte, für die Freihandelsabkommen beschlossen sind oder bereits angewendet werden: Kanada und die Mercosur-Staaten, im Vorjahr noch negativ bewertet, liegen 2026 mit 12 beziehungsweise 14 Prozentpunkten deutlich im Plus. Spitzenreiter ist Indien mit 20 Prozentpunkten, das 2026 erstmals erfasst wurde.
Die regionale Blitzumfrage der IHK Aachen zum geplanten EU-Indien-Abkommen zeichnet ein ähnlich positives Bild: 35 Prozent der befragten Unternehmen sind bereits im indischen Markt aktiv, weitere 23 Prozent zeigen grundsätzliches Interesse. 45 Prozent erwarten positive Effekte durch das Abkommen, vor allem durch Kostensenkungen, Markterweiterung und verbesserte Lieferketten.
Freihandelsabkommen sind kein Selbstläufer – sie müssen aktiv genutzt werden.
"Freihandelsabkommen sind kein Selbstläufer – sie müssen aktiv genutzt werden", sagt Annadora Voß, Teamleiterin International bei der IHK Aachen. "Viele Unternehmen wissen nicht, wie sie von reduzierten Zöllen profitieren können. Wir bauen deshalb unser Beratungsangebot zur Nutzung von Freihandelsabkommen aus. Gerade in Zeiten steigender Handelshemmnisse können richtig genutzte Abkommen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen."
An der bundesweiten IHK-Umfrage "Going International" haben sich insgesamt 2.419 Unternehmen beteiligt. Die Gesamtergebnisse der NRW-Auswertung sind online abrufbar. Hier finden Sie die Studie "Going International 2025" in kompakter Form. Die IHK Aachen hat parallel dazu eine regionale Blitzumfrage zum geplanten Freihandelsabkommen mit Indien initiiert, um ein erstes Stimmungsbild aus der Region zu erfassen.
IHK-Presseinformation vom 24. März 2026