3 min
Lesezeit
Sie haben die (männliche) Wahl
Große Männerlastigkeit bei Arbeitsterminen, in Besprechungen und Gremien sitzungen – was schon aus männlicher Sicht unangenehm erscheint, dürfte Frauen wohl erst recht und zurecht gegen den Strich gehen. Auf den Wahl zetteln bzw. spätestens im Amt sieht das nicht anders aus. IHK-Wirtschaftsexperte Fabian Lauer über eine frustrierend männliche Wahl
Die Argumentation für mehr Repräsentation von Frauen fußt (neben vielen anderen Aspekten) auf dem simplen Fakt, dass jede zweite Person weiblich ist. Dabei stimmt das gar nicht: In Deutschland leben sogar 1,2 Millionen mehr Frauen als Männer. Allerdings sind sie erst in der Altersgruppe ab 60 Jahren in der Überzahl. Also ungünstigerweise in dem Alter, in dem man zwar noch locker Päpstin (ja, anderes Thema) oder amerikanische Präsidentin werden kann, sich das Arbeitsleben aber in der Regel schon dem Ende nähert.
In diesem verdienen Frauen durchschnittlich 18 Prozent weniger als Männer, so jedenfalls beschreibt es der Gender-Pay-Gap 2022. Als Politikwissenschaftler frage ich mich aber auch jenseits des Gehalts: Was ist los mit dem Gender-Gap in der Politik? Wir schreiben das Jahr 2023 und in unseren 20 Kommunen plus Kreis stehen 20 Männer an der Spitze. Das ist nichts neues. In den letzten 60 Jahren gab es keine einzige weibliche Verwaltungschefin in unserer Region – gähnende feminine Leere. Immerhin, mit Christiane Hinninger hat Wiesbaden seit Juli an zweiter Stelle hinter dem Oberbürgermeister eine Bürgermeisterin im Amt – als erste Frau in der Stadtgeschichte.
Auch die Hessenwahl brachte für unsere Region 13 Männer und nur zwei Frauen als Abgeordnete in den Landtag. Zumindest ist mit Astrid Wallmann darunter die bisherige Präsidentin des Hessischen Landtags. Fast unnötig zu erwähnen, dass sie die erste Frau in diesem Amt ist. Auch bei der IHK-Wahlarena im Vorfeld der Landtagswahl schickten die Parteien leider ausschließlich männliche Vertreter aufs Podium.
Brauchen wir also auch in der Politik eine Frauenquote? Zum Für und Wider von Quotenregelungen in der Wirtschaft empfehle ich den Beitrag meines Kollegen Friedemann Götting in diesem Heft. In der Politik ist die Situation jedoch schwieriger. Denn eine verbindliche Quote für Wahllisten bei Parlamentswahlen würde vor großen juristischen Hürden stehen. In Deutschland gilt der Grundsatz der Freiheit und Gleichheit für Wahlen und das bedeutet
auch, dass Wahlen möglichst ohne staatlichen Einfluss ablaufen sollen.
auch, dass Wahlen möglichst ohne staatlichen Einfluss ablaufen sollen.
Besser erscheint daher eine freiwillige paritätische Besetzung durch die Parteien selbst, wie es bereits von manchen Parteien umgesetzt
wird. Aber auch das ist nicht ohne Tücke: Während auf Bundes- und Landesebene paritätische Wahllisten sicherlich machbar sind, können die Parteien auf kommunaler Ebene oft schon froh sein überhaupt genügend Kandidierende zu finden.
wird. Aber auch das ist nicht ohne Tücke: Während auf Bundes- und Landesebene paritätische Wahllisten sicherlich machbar sind, können die Parteien auf kommunaler Ebene oft schon froh sein überhaupt genügend Kandidierende zu finden.
So oder so, wir brauchen mehr Frauenpower, besonders in den Spitzenämtern in Politik und Verwaltung. Das gilt natürlich auch für die IHK-Vollversammlung, deren Wahl im nächsten Jahr ansteht. Die Stand jetzt hohe Zahl an Kandidatinnen macht jedenfalls Hoffnung! Im IHK-Hauptamt liegt der Frauenanteil in der
Geschäftsführung übrigens bei zwei Dritteln.
Geschäftsführung übrigens bei zwei Dritteln.
In seiner Kolumne berichtet Fabian Lauer regelmäßig über aktuelle Themen aus der Wirtschaftsregion Wiesbaden. In seinem Team Wirtschaftspolitik ist er
umgeben von starken Frauen.
Kontakt: f.lauer@wiesbaden.ihk.de
umgeben von starken Frauen.
Kontakt: f.lauer@wiesbaden.ihk.de
Kontakt
Fabian Lauer
