HESSISCHE WIRTSCHAFT
Nr. 6839722
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Dem digitalen Labyrinth smart entkommen

Wer sich täglich durch den Wiesbadener Berufsverkehr schlängelt, weiß, dass selbst Schleichwege und Abkürzungen keine Geheimtipps mehr sind. Überall staut es sich, der schnellste Weg ist unklar und der beste Begleiter ist Geduld. Ein gutes Bild auch für die Digitalisierung in der Landeshauptstadt. IHK-Wirtschaftsexperte Fabian Lauer wagt einen Blick.
Im Jahr 2019 hat der IT-Branchenverband Bitkom in seinem Smart City Index Wiesbaden als Hidden Champion im Bereich IT und Kommunikation gekürt. Heute ist von diesem Vorsprung nichts mehr zu sehen. Im Digital-Ranking der 81 deutschen Großstädte landet Wiesbaden auf dem 40. Platz – im Bereich IT und Kommunikation sogar nur auf dem 57. Immerhin: Die Bereiche Verwaltung (Platz 20) und Mobilität (Platz 25) ziehen das Ranking etwas nach oben.
Vernetzung ist Wettbewerbsvorteil, aber der Datenhighway scheint mittlerweile genauso verstopft wie die Wiesbadener Innenstadt. Dabei gibt es durchaus positive Ansätze: Seit Juli leitet Maral Koohestanian das neu geschaffene „Volt“- Dezernat VII für Smart City, Europa und Ordnung. Ihr erklärtes Ziel bei Amtsantritt: Wiesbaden noch smarter machen. Aber auch jetzt mache Wiesbaden „vieles schon ganz schön gut“. Einige Beispiele sind die elektronische Terminvergabe bei den Ämtern, der Führerscheinumtausch mit Video-Ident-Verfahren, die Einführung der Behördennummer 115 und der schrittweise Start der neuen digitalen eAkte. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass im Kanzleramt noch die Rohrpost im Einsatz ist (kein Scherz).
Wie so oft sind es aber die Großprojekte,die Sorgen bereiten: „Digi-V“, das den Verkehrsfluss Wiesbadens auf das nächste Level heben sollte, ist bislang ein
Rohrkrepierer, wie kürzlich auch Verkehrsdezernent Andreas Kowol mehr oder weniger unverblümt einräumte. Das System sei „maximal komplex“, die Herstellerfirma habe sich „verhoben“. Traffic gibt es also weiterhin vor allem analog auf der Straße, davon aber reichlich.
Was könnte man besser machen? Das neue Dezernat VII mit seinem Referat „Smart City“ mag zwar einen anderen Eindruck erwecken – tatsächlich
sind die digitalen Kompetenzen aber über die städtische Verwaltung hin stark verstreut. Das Amt für Innovation, Organisation und Digitalisierung
ist im Dezernat II der Bürgermeisterin angesiedelt, Projekte wie Digi-V und Digi-L laufen hingegen im Verkehrsdezernat.
Das mag der Größe der städtischen Verwaltung geschuldet sein und ist an sich noch nicht das Problem. Wahrhaft smart wäre aber eine bessere
Vernetzung untereinander. Ein Digital-Masterplan könnte das Labyrinth einmal von oben zeigen, einen solchen sucht man aber vergebens. Auch einen CDO – einen „Chief Digital Officer“, wie ihn andere Städte eingeführt haben, gibt es in Wiesbaden nicht. Während auf der einen Seite neue und komplexe Projekte wie z. B. die „Digitale Klangmeile“ angeschoben werden, bleiben auf der anderen Seite absolute Basic-Produkte wie die elektronische Gewerbeanmeldung
der Stadt liegen bzw. offline – und zwar für ein volles Jahr.
Mein Fazit: Die Digitalisierung geht voran, es bleibt aber noch viel zu tun. So ähnlich könnte man das sicher auch für die IHK sagen. Ein wichtiger Meilenstein folgt im kommenden Frühjahr: Dann wird die Wahl zur IHK-Vollversammlung erstmals voll elektronisch erfolgen.
Als Wahl-Niedernhausener weiß Fabian Lauer, dass im Kreis weniger eine bürgernahe Verwaltung, sondern mehr die „Hardware“, sprich eine schnelle Internetanbindung, die Herausforderung ist. Daher verspricht der Leiter Wirtschaftspolitik an dieser Stelle auch eine Fortsetzung mit Blick in den Rheingau-
Taunus-Kreis.
Kontakt: f.lauer@wiesbaden.ihk.de